Alles andere als kommerzielle Einheitssoße

Von: jope
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Ein Könner an der Mandoline und ein „Weltmusiker” mit Einflüssen von Bach bis Brasilien: Hajo Hoffmann bei seinem Auftritt am Wochenende im Culture-Café. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. Fast könnte man in Anlehnung an die neulich gehörte Weihnachtsbotschaft sagen: Doch Du, kleines Culture-Café, bist keineswegs die unbedeutendste Kunstbühne in der Region Aachen. Die Ober-Etage des von Gretel Germann geführten Lokals wird nämlich nicht nur von ambitionierten Hobby- oder Nachwuchskünstlern frequentiert.

Auch schon etablierte Musiker und Literaten schätzen verstärkt die Wohnzimmer-Atmosphäre und das erlesene aufmerksame Stammpublikum in Eschweilers kleinerer guter Kulturstube.

Freundliches Multitalent

Etabliert - aber gleichzeitig von wohltuender natürlicher Freundlichkeit - ist Hajo Hoffmann aus Hannover wirklich. Nach einem Studium der Violine widmete er sich dem Ethno-Jazz, trat an der Seite von Charlie Mariano, Dave Brubeck und Häns´che Weiss in Europa, den USA und Brasilien auf.

Das 52-jährige Multitalent zeigte zwei Stunden mit eigenen Kompositionen und Arrangements an seiner Mandoline, wie vielfältig Musik in allen Varianten sein kann: klassisch, aber nicht museal; multikulturell, aber ohne kommerzielle Einheitssoße; emotional ehrlich und direkt, aber nicht aufdringlich.

Schon die Ouvertüre zeigte die gefühlsmäßig und und technisch große Bandbreite des Mandolinen-Spielers. In der Eigen-Komposition „Bach im Ganges” trafen sich abendländische Polyphonie und asiatische Monotonie zu einer faszinierenden Begegnung: geistige Frucht eines langen Indien-Aufenthalts des Künstler und womöglich der Erkenntnis, dass westliche und östliche Spiritualität wohl nicht so weit auseinanderliegen.

Weiter entfernt voneinander scheinen da schon der schwerblütige Beethoven und der leichtfüßige Samba zu liegen. Doch auch hier schaffte Hajo Hoffmann bei „Beethoven tanzt Samba” einen erstaunlichen Spagat. Früh aufgesogene Begeisterung für den Bonner Meister und ein späterer Aufenthalt in der brodelnden Metropole Rio de Janeiro machten es möglich.

Und weiter ging es auf Hajo Hoffmanns viersaitiger Spezial-Mandoline mit der Begegnung der Kulturen und Welten. Einen Freund des Künstlers zog es einst vom Malocher-Ruhrpott in die „Manana”-Atmosphäre einer Mallorca-Finca, deren Leichtigkeit des Seins Hoffmanns „Doc Holliday” wiedergab.

„Licht und Schatten” war der Titel des Abends im Culture-Café und in diesem Sinne des Trennens und Vereinens unterschiedlicher Welten ging es nach der gemütlichen Pause weiter. „Licht und Schatten”: Das galt auch für die von Hajo Hoffmann seiner Mandoline und Stimme abgewonnenen Stimmungen.

Das Intervall reichte vom düster-beklemmenden „Danse macabre” aus dem „Karneval der Tiere” von Camille Saint-Saens bis hin zum heiter-befreienden „Dein lachendes Herz”: Ergebnis einer Koproduktion von Stephanie Gebauer (Text) und eben Hajo Hoffmann (Melodie). Weit mehr als nur ein lachendes Herz dürfte dem Künstler aus Hannover entgegenschlagen, wenn er sein Versprechen wahrmachen sollte: nämlich bald nochmal im Culture-Café aufzutreten!
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