Alle Jahre wieder: Nicht jeder zahlt für Lichterglanz

Von: Patrick Nowicki
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Wünscht sich manchmal mehr Zusammenhalt und Einheit im Einzelhandel: Citymanagement-Vorsitzender Klaus-Dieter Bartholomy. Foto: Patrick Nowicki
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Ein Schaufenster voller Plakate: In der südlichen Innenstadt – wie hier an der Neustraße – bleiben Ladenlokale nicht lange leer. Anders sieht dies nördlich der Inde aus. Foto: Daniel Gerhards

Eschweiler. Die Weihnachtsbeleuchtung hängt, der Kunde kann kommen. Ja, wenn das so einfach wäre. Die Einzelhändler in der Innenstadt locken mit Lichterketten und weihnachtlich geschmückten Läden, doch längst ist nicht alles Gold, was glänzt.

Im Interview mit unserer Zeitung spricht der Vorsitzende des Citymanagement-Vereins, Klaus-Dieter Bartholomy, über die Probleme, viele Einzelhändler unter einen Hut zu bekommen, über die Entwicklung der Stadt und über die Leerstände in der City.

Jetzt beginnt für den Einzelhandel eine der wichtigsten Zeiten des Jahres, das Weihnachtsgeschäft. Auch die Eschweiler Innenstadt hat sich fein herausgeputzt. Aber nicht alle Händler machen mit, warum?

Bartholomy: Die Straßenbeleuchtung wird von Menschen in den einzelnen Straßen organisiert. Die Marien- und Grabenstraße werden nur über den Citymanagement-Verein abgerechnet. Die Probleme sind seit Jahren die gleichen: Manche Filialisten beteiligen sich nicht, der engagierte Eschweiler Einzelhändler muss das dann finanziell auffangen. An den Geschäften kann man aber nun erkennen, wer etwas zur Beleuchtung beiträgt.

Letztlich profitieren alle Geschäfte. Wie reagieren denn die Filialisten, wenn Sie fragen, ob sie sich an der Aktion beteiligen?

Bartholomy: Also nicht alle lehnen eine Beteiligung ab, das vorneweg. Und bei den anderen ist die Reaktion unterschiedlich. Manchen Mitarbeitern vor Ort ist das auch unangenehm. Aber die Regionalvertretungen antworten dann: Wir haben über 200 Filialen deutschlandweit, da können wir nicht alles mitmachen. Wir bedauern das natürlich, aber die Teilnahme ist freiwillig.

Hat das Weihnachtsgeschäft denn immer noch die Bedeutung wie vor Jahren?

Bartholomy: Untersuchungen haben gezeigt, dass in manchen Branchen im November und Dezember 40 Prozent des Umsatzes gemacht werden. Das zeigt die Bedeutung eindeutig.

Wie hat sich die Konkurrenz zum Internet entwickelt?

Bartholomy: Nun, aus meiner Sicht gibt es zwei Gründe für das Wachsen des Internethandels. Zum einen die Bequemlichkeit der Menschen, die lieber zu Hause bestellen wollen. Aber auch die Haltung mancher Händler. Man kann nämlich das Internet auch positiv nutzen, was manche Geschäfte in Eschweiler auch schon tun. Man kann auch hier ein Buch bestellen und es wird nach Hause geschickt. Aber man kann es eben auch noch im Geschäft selbst abholen und einpacken lassen. Gleiches gilt für Bekleidung: Man kann online bestellen und die Dinge im Laden auch noch anprobieren. Das ist der Weg, der aus meiner Sicht für den Einzelhändler Erfolg verspricht.

Aber dennoch hat das Internetgeschäft deutlich zugelegt – zu Lasten des lokalen Einzelhandels. Wie unterstützt der Citymanagement-Verein die hiesigen Geschäftsleute?

Bartholomy: Wir arbeiten schon seit über einem halben Jahr an dem Thema. Wir arbeiten mit einer Eschweiler Agentur zusammen, um Eschweiler Geschäfte ins Internet zu holen und eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Einzelhändler können für eine einmalige Summe eine Internetpräsenz, eine App fürs Handy und einen Facebook-Auftritt gleichzeitig aktuell bedienen. Die Pflege der Seite muss man selbst übernehmen, aber der Aufwand ist überschaubar. Natürlich kann man die Pflege auch der Agentur überlassen, was auch nicht viel Geld kostet. Bei diesem virtuellen Eschweiler Handelsplatz kann natürlich nicht jeder seinen eigenen Shop bekommen, aber man ist für den Kunden auch im Netz vertreten und kann informieren.

Wieso ist dieser Handelsplatz noch nicht eröffnet?

Bartholomy: Weil wir dafür etwa 30 Händler benötigen, die mitspielen. Und die haben wir noch nicht zusammen.

Bedauern Sie dies?

Bartholomy: Ich würde mir zumindest häufiger ein einheitliches Bild in der Innenstadt wünschen. Aber es gibt da einen alten Satz: Einzelhändler heißen Einzelhändler, weil sie einzeln handeln. Schauen Sie sich die Ladenöffnungszeiten an Samstagen in der Fußgängerzone an. Der Kunde weiß doch gar nicht, welches Geschäft bis wann geöffnet hat und bleibt dann natürlich lieber zu Hause. Sinnvoll wäre eine durchgängige Öffnungszeit bis 16 Uhr, aber dies ist nicht der Fall.

Vielleicht stehen manche Händler auch mit dem Rücken zur Wand – immer wieder kommt es zu Leerständen in der Innenstadt...

Bartholomy: Meine Erfahrung der letzten Monate ist jedoch, dass die Objekte schnell wieder vermietet sind. Das hängt natürlich davon ab, wie hoch der jeweilige Mietpreis ist. Vor allem bei auswärtigen Eigentümern kann es schon einmal vorkommen, dass die erhofften Preise nicht erzielt werden können. Aber auch die Objekte sind dann irgendwann einmal vermietet. Der größte Leerstand betrifft natürlich die nördliche Innenstadt. Das hängt mit der leeren Hertie-Immobilie zusammen. Es ist natürlich ein Ärgernis, dass sich dort nichts tut. Ich glaube zwar, dass sich die Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker bemühen, aber außer Ankündigungen ist nichts passiert. Da frage ich mich manchmal, ob es nicht besser wäre, nichts zu sagen.

Hat der Handel am und im City-Center überhaupt noch eine realistische Chance?

Bartholomy: Ich denke ja. Es wird jedoch sicher kein Kaufhaus mehr sein, aber ein Handelsstandort. Dies halte ich auch für wichtig. Denkbar wären Shop-in-Shop-Lösungen. Klar ist aber auch, dass ein Investor erst einmal Geld in die Hand nehmen muss, um die Immobilie wieder aufzuwerten.

Die Stadt will selbst investieren in die nördliche Innenstadt. Wie beurteilen Sie die Pläne, den Marktplatz neu zu gestalten?

Bartholomy: Unsere Gedanken haben wir in Workshops schon geäußert. Aber die scheinen nicht ganz gepasst zu haben, deswegen werden nochmal Workshops veranstaltet. Wie dem auch sei – wir sehen keine Notwendigkeit, den Marktplatz umzugestalten. Stufen sind zwar schön, aber ich lade jeden ein, sich diese Lösung mal am Elisenbrunnen in Aachen anzuschauen. Da bleibt vieles an Unrat liegen. Was die Mauer an der Kirche betrifft, so spart man sicher in Zukunft die Kosten für eine mobile Bühne, wenn man dort eine feste installiert. Aber man sollte sich einmal die Topographie des Marktes anschauen: Kleine Menschen können die Bühne dann nicht mehr sehen und blicken nur auf Hinterköpfe. Bei allen Umgestaltungsplänen sollte im Mittelpunkt stehen, dass dort die Gastronomie gestärkt wird. Ein Weg dahin könnte auch eine Schließung des Marktplatzes für den Verkehr sein. Aber das ist meine persönliche Meinung. In jedem Fall sollte man den Bodenbelag des Marktes nicht ändern, denn das wäre Geldverschwendung.

Der Citymanagement-Verein hat sich gegen eine Ansiedlung von Media-Markt an der Auerbachstraße ausgesprochen. Sehen Sie Ihre Bedenken bestätigt?

Bartholomy: Wir waren nicht gegen den Media-Markt. Das muss ich an dieser Stelle nochmal betonen. Ideal wäre natürlich eine auf zwei Spuren zurückgebaute Inde­straße gewesen. Dort hätte man wunderbar die frei werdende Fläche für den Media-Markt und Parkplätze nutzen können. Aber dazu ist es nicht gekommen. Um die Frage zu beantworten: Es ist natürlich so, dass manche Einzelhändler in der Innenstadt dieses zusätzliche Angebot an der Auerbachstraße in der eigenen Kasse spüren.

Es ist also nicht so, dass Auswärtige, die sich zum Beispiel an der Auerbachstraße einen Fernseher zulegen, anschließend auch in die Innenstadt kommen?

Bartholomy: Diese Erfahrung machen die Einzelhändler eher nicht. Bei Stadtfesten ist dies anders. Der historische Bus, der zwischen Auerbachstraße und Innenstadt pendelt, ist immer proppenvoll. Sicherlich nutzen dann viele auch die kostenlosen Parkplätze am Media-Markt.

Die Innenstadt hat ein Parkplatzproblem?

Bartholomy: Früher habe ich immer gesagt, nein. Heute sehe ich das differenzierter. Wer zum Shoppen in die Innenstadt kommt, der wird immer einen Platz finden. Aber für kurze, schnelle Erledigungen ist es manchmal schwierig. Man muss aber nicht nur zur Auerbachstraße schauen, auch am Rand von Dürwiß wird wieder gebaut...

Dort soll ein Discounter, ein Lebensmittelmarkt und ein Drogeriemarkt entstehen...

Bartholomy: Und nun kommt der Hinweis auf die Nahversorgung. Man darf aber nicht vergessen, dass der Disounter Zusatzangebote macht, die durchaus innenstadtrelevant sein können. Ich will diese Entwicklung nicht verdammen, aber sie macht die Lage für den Einzelhandel nicht einfacher. Man muss auch sehen, wie sich der aktuelle Koalitionsvertrag der zukünftigen Bundesregierung auswirkt.

Inwiefern?

Bartholomy: Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro wird sicherlich zu neuen Überlegungen führen müssen. Ich weiß nicht, ob jede 450-Euro-Kraft diesen Stundenlohn erreicht. Die Folgen der Regelung sind aber jetzt noch nicht abzusehen.

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