„Alegro“: Nur wenig Interesse bei Eschweiler Bürgern

Von: rpm
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Auf großformatigen Infotafeln stellte Amprion im Haus Lersch wenigen Interessierten das ambitionierte Leitungsprojekt vor. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. 2020 soll sie in Betrieb gehen, die erste „Strombrücke“ von Deutschland nach Belgien. „Alegro“ – Aachen-Lüttich Electricity Grid Overlay – ist der Name der 320-kV-Höchstspannungs-Gleichstromverbindung, die über rund 100 Kilometer von Oberzier nach Lixhe bei Lüttich führen wird. Quer durch Eschweiler.

Gebaut wird sie von Amprion: Der Übertragungsnetzbetreiber mit Sitz in Dortmund betreibt mit 1100 Kilometern das längste Höchstspannungsnetz in Deutschland, das mehr als 27 Millionen Menschen mit Strom versorgt.

Vor wenigen Tagen hat das Planfeststellungsverfahren für das Millionenprojekt begonnen. Derzeit liegen die Planunterlagen für vier Wochen bei den betroffenen Kommunen zur öffentlichen Einsicht aus. Danach haben Bürger weitere zwei Wochen Zeit, schriftliche Stellungnahmen zu dem Vorhaben abzugeben.

Im Anschluss findet ein Erörterungstermin statt, ehe die Bezirksregierung eine Entscheidung über das Verfahren trifft. Aufgrund der Bedeutung des Projekts für den europäischen Strommarkt soll das Planfeststellungsverfahren maximal 18 Monate dauern. Dann folgen zwei Jahre Bauzeit.

In Eschweiler wird die Leitung überwiegend an der Autobahn 4 entlanggeführt. An der Rue de Wattrelos sollte sie ursprünglich nach Norden schwenken und das Gebiet der ehemaligen Mülldeponie umgehen. Das ist nun anders: Die Leitung soll zwischen Römerberg und Wardener Straße verlegt werden: in einem Tunnel. Während hier unterirdisch gebaut wird, ohne die Oberfläche anzukratzen, ist beim „normalen“ Leitungsbau ein breiter Baustreifen erforderlich: Um die 25 Zentimeter umfassenden Schutzrohre zur Aufnahme der 700 bis 1300 Meter langen Kabelstücke zu verlegen, müssen Gräben von 1,70 bis 6 Meter Breite gebaggert werden.

„Rechnet man die Flächen für den Baustellenverkehr und für die Zwischenlagerung des Aushubmaterials hinzu, kommt man auf eine Baubedarfsfläche von bis zu 26,5 Metern“, erklärt Amprion. Die Fläche des Kabelgrabens selbst darf später nicht überbaut werden, damit das Kabel im Störungsfall zugänglich bleibt.

Ein solch gewaltiges Vorhaben wie dieses wirft selbstredend Fragen auf – vor allem bei den Eigentümern der in Anspruch genommenen Flurstücke. Um detailliert Auskunft zu geben, war gleich ein halbes Dutzend Amprion-Mitarbeiter am Donnerstag nach Eschweiler gekommen, um Interessenten Einblick in die 20 dicken Aktenorder zu geben, die die Planungs- und Antragsunterlagen enthalten. Das halbe Dutzend Experten verlebte einen ruhigen Sommernachmittag im Lerschschen Biergarten.

Gerade mal ein Dutzend interessierter Bürger nahm das Auskunftsangebot in Anspruch und informierten sich über das Vorhaben, Grunddienstbarkeiten, Gewährleistung und anderes mehr. „Das Projekt findet grundsätzlich Zustimmung“, konstatiert Amprion-Sprecherin Joëlle Bouillon. „Dass jemand das Projekt auf dem Klageweg zu torpedieren versucht, ist nicht zu erwarten.“

In der Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltausschusses am 22. Juni, so hat jetzt die FDP beantragt, soll der aktuelle Stand des Alegro-Projekts detailliert vorgestellt werden.

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