Aktionstag: Krebs als Sinnbild des schlechten Sterbens

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Trugen zum Gelingen des Brustaktionstages bei (v.l.):Evangelia Athanatou, Schwerpunktpraxis für Psychoonkologie Aachen, Euphrosine Schmid von der Selbsthilfegruppe Lichtblick, Frau Dr. Gabriele Küpper, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Frau Dr. Anastasia Fleuster, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie, Herr Dr. Alexander Bach, Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie und ärztlicher Direktor des Krankenhauses, Birgit Meiser, Brustkrankenschwester, Christine Sauhs (Lichtblick) und Beate Sellinger, Brustkrankenschwestern. Foto: Julia Meuser-Romano

Eschweiler. „Ganz ohne Angst geht es nicht“, warf Evangelia Athanatou, Schwerpunktpraxis für Psychoonkologie Aachen, ein – nichtsdestotrotz versuchte sie, den vielen anwesenden Frauen diese Angst ein wenig zu nehmen. Zum diesjährigen Brustaktionstag des Euregio-Brust-Zentrums des St.-Antonius-Hospitals hielt sie einen Vortrag zum Thema „Wohin mit meiner Angst? Aus dem Alltag einer psychoonkologischen Praxis“.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Dr. Gabriele Küpper, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Alexander Bach, Chefarzt der Klinik für Plastische Chirurgie und ärztlicher Direktor des Krankenhauses, sowie Dr. Anastasia Fleuster, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie.

Doch wodurch entsteht Angst eigentlich? Auslöser sei hier zunächst die Diagnosemitteilung. Der Patient wird überrumpelt, Schock, Trauer, Hilflosigkeit breiten sich aus. Der Patient empfinde sich oft als Teil eines Filmes – „Es geht gar nicht um mich, die haben da einen Fehler gemacht!“

Er verliere den Boden unter den Füßen, wobei der Krebs seit Urzeiten auch schon immer ein Sinnbild vom schlechten Sterben sei. „Der Patient verliert das Vertrauen in den eigenen Körper, in die Welt und manchmal auch in Gott“, führt die Referentin aus. Doch auch während der Therapie sei die Angst stets präsent. Schließlich handele es sich um eine „paradoxe“ Therapie – durch die Chemo wird man krank, sie ist lebensnotwendig und gleichzeitig fühlt der Patient sich krank.

Eine enorme emotionale Kraftanstrengung sei nun gefordert, er müsse mit anderen – meist völlig fremden Menschen – über die Krankheit sprechen, sie akzeptieren, ebenso auch die damit verbundene Abhängigkeit sowie die Beschwerden. „Eine Auseinandersetzung mit dem Gefühl der Lebensbedrohung“, fasst Evangelia Athanatou zusammen, wodurch eine hohe Anspannung entsteht. Und auch nach Beendigung der (Primär-)Therapie sei die Angst meist nicht verflogen.

Bin ich noch krank? Wie sieht nun meine Lebensplanung aus? Wie soll ich nun gesund weiterleben? Dies seien Fragen, die den Patienten oft beschäftigen würden. Ohne Therapie fühle er sich meist weniger sicher, oft fange nun erst die eigentliche Verarbeitung der Erkrankung an, der Umgang mit körperlichen Einschränkungen sowie die Angst vor dem Tod. Panikattacken seien da natürlich nicht selten.

Doch wie kommt man da wieder raus? Die Referentin stellte den anwesenden Frauen hierzu fünf Strategien vor. Bei dem aktiv/pragmatischen Ansatz sei der Patient auf Informationssuche. Ein vertrauensvolles Arzt- Patienten- Verhältnis sei hier wichtig, oft seien die Mitnahme eines Angehörigen bei wichtigen Arztgesprächen sowie eine zweite Meinung hilfreich.

Eine weitere Möglichkeit sei der körperorientierte Ansatz, bei dem der Körper gestärkt werden soll. Entspannungsübungen, Sport oder einfach ein Spaziergang mit der Nachbarin können hier Wunder tun. Bei dem passiven Ansatz setze der Patient auf Verdrängung und Ablenkung. Er gehe raus, ins Kino, zur Kosmetikerin, konzentriere sich schlicht auf anderes beziehungsweise Andere.

Doch auch ein medikamentöser Ansatz sei zu überdenken. „Man muss nicht alles aushalten“, rief die Referentin in Erinnerung. Bedarfsmedikation wie Beruhigungsmedikamente, Antidepressiva oder auch Schlafmittel können durchaus helfen. Bei der letzten Strategie, dem gesprächsorientierten Ansatz, geht es dann darum, sich mit der Angst und mit sich selber in einer geschützten Umgebung auseinanderzusetzen.

Körperliche Nähe hilft

Man solle sich fragen: „Welche Gefühle habe ich? Wovor genau habe ich Angst?“ Doch auch für den Moment der Überwältigung durch die Angst hatte die Vortragende Tipps auf Lager. „Kaugummi kauen - kauen und Angst geht nicht zusammen.“ Etwas Warmes essen und trinken könne ebenfalls helfen sowie die körperliche Nähe und auch, die Angst auszusprechen.

In einem weiteren Vortrag an diesem Nachmittag brachte Christiane Rühmann von der Firma Skalbania aus Leverkusen den Zuhörerinnen dann die Vorteile einer Brustpigmentierung nach dem erfolgten Brustaufbau dar. Hierbei handele es sich um keine zusätzliche Operation, keine weiteren Narben würden entstehen, die Pigmentierung würde optimal heilen und zwischen vier bis sieben Jahren halten und bis zur Vollkommenheit sei eine Behandlung auch nach nur zwei bis drei Monaten abgeschlossen.

Euphrosine Schmid und Christine Sauhs stellten schließlich die Selbsthilfegruppe „Lichtblick“ vor. Diese trifft sich an jedem ersten Montag im Monat um 18 Uhr im Seminarraum 4 im Elisabethheim des Hospitals. Die Teilnehmerinnen könnten dort ins Gespräch kommen, Erfahrungen und Informationen austauschen und so lernen, die Krankheit zu akzeptieren und mit ihr zu leben. Schon oft seien hier echte Freundschaften entstanden, erzählte Euphrosine Schmid, jedoch sei ihnen Verschwiegenheit sehr wichtig.

In der anschließenden Kaffee - und Kuchenpause hatten die Anwesenden die Möglichkeit, die Informationsstände der vielen verschiedenen Aussteller zu besuchen. Im Anschluss fand ebenfalls eine Modenschau von Frauen für Frauen statt, wo Dessous, Bademoden, Frisuren und Kopfbedeckungen präsentiert wurden.

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