Aktionstag „Die Gefahr lauert im Bauch“

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
14557520.jpg
Ein Blick, der Leben retten kann: Professor Dr. Michael Gawenda erkennt im Ultraschallbild, ob beim Patienten die Gefahr eines Bauchaortenaneurysmas gegeben ist. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Wird die Gefahr rechtzeitig erkannt, ist die Chance, diese zu bannen, groß. Doch viele Menschen wissen gar nicht, dass sie sich in tödlicher Gefahr befinden. Rund 10.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an den Folgen eines Bauchaortenaneurysmas. Diese Erweiterung der Bauchschlagader schreitet häufig voran, ohne deutliche Symptome zu verursachen.

Platzt die Bauchschlagader, führt dies aber in 80 Prozent der Fälle zum Tod des Betroffenen. Vorsorge tut also Not: Ein wirkungsvolles und zugleich schmerzloses sowie einfach anzuwendendes Gegenmittel ist die Untersuchung per Ultraschall, mit der ein Bauchaortenaneurysma frühzeitig aufgespürt werden kann.

Jetzt hatten die Verantwortlichen des Euregio-Gefäß-Zentrums unter der Überschrift „Die Erweiterung der Bauchschlagader – die Gefahr lauert im Bauch“ im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages zum 8. Bauchaortenaneurysma-Screening in das St.-Antonius-Hospital eingeladen.

Zahlreiche Gäste nutzten dabei die Gelegenheit zu einer demonstrativen Tast- und Ultraschall-Untersuchung, bevor sie einem Vortrag von Professor Dr. Michael Gawenda lauschten. Der Mediziner ist seit dem 3. April als neuer Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie sowie als Leiter des Euregio-Gefäß-Zentrums am St.-Antonius-Hospital tätig und informierte gemeinsam mit den Oberärzten Sigrun Rist und Dr. Peter Wallraff über das Krankheitsbild sowie Gegenmaßnahmen und Therapiemöglichkeiten.

„Der gesamte Körper des Menschen benötigt Blut. Das Herz, das als Pumpe fungiert und ein Leben lang zwischen 60 und 80 Schläge pro Minute leistet, transportiert das Blut durch ein Röhrensystem - die Schlagadern. Die Hauptschlagader, Aorta genannt, ist der zentrale Kanal für die Verteilung des Blutes und durchläuft auch die Bauchregion des Menschen“, begann Professor Dr. Michael Gawenda seine Ausführungen.

Die Bauchschlagader solle in etwa den Durchmesser eines Daumens haben, bei Männern zwischen 1,4 und 2,4 Zentimetern, bei Frauen etwas weniger. „Liegt eine Erweiterung von mehr als 50 Prozent vor, sprechen wir Mediziner von einem Aneurysma“, erklärte der Chefarzt.

Die Gefahr, an einem Aneurysma zu erkranken, steige mit zunehmendem Alter, da die Gefäße mit fortschreitender Zeit an Elastizität einbüßten. Auch hoher Blutdruck, der die Wände ständig belaste, führe nicht selten zur Aufweitung der Schlagader. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spiele aber vor allem das Geschlecht des Patienten.

„Männer sind in Sachen Bauchaortenaneurysma eindeutig im Nachteil und leiden fünf Mal häufiger an dieser Erkrankung als Frauen“, betonte der Gefäßchirurg, der vor seinem Amtsantritt am St.-Antonius-Hospital an der Universitätsklinik Köln tätig war. Zwischen drei und zehn Prozent der Männer, die älter als 50 Jahre sind, gehörten zu den Betroffenen. „Und zwar auffallend häufig, wenn zuvor bereits bei männlichen Verwandten ein Bauchaortenaneurysma diagnostiziert wurde. Vererbung kann also nicht ausgeschlossen werden“, so der gebürtige Bonner.

Tückisch an dieser Erkrankung sei, dass bei rund 80 Prozent der Patienten kaum Symptome zu registrieren seien. „Vielleicht ein leichtes pulsieren des Blutes oder ein kleines Zwicken. Ereignisse, die oft nicht ernst genommen werden.“ Deshalb sollten Männer über 50 Jahre eine Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt in Anspruch nehmen.

„Platzt die Bauchschlagader, liegt die Sterberate bei 80 Prozent. Wird ein Aneurysma rechtzeitig erkannt, überleben 95 Prozent der Patienten die Behandlung“, stellte Professor Dr. Michael Gawenda Zahlen gegenüber. Allerdings sei eine konservative Therapie nicht möglich. „Es gibt kein Medikament, das die Aufweitung einer Schlagader stoppt oder sogar rückläufig werden lässt“, ließ der Referent wissen.

Doch selbst ein fortgeschrittenes Alter stelle keinen Grund dar, grundsätzlich auf eine Operation zu verzichten. Generell sei vor einer Operation, die immer Gefahren mit sich bringe, natürlich eine Risikoabwägung vorzunehmen. „Ist die Bauchschlagader durch die Erweiterung auf fünf bis sechs Zentimeter angewachsen, liegt das Risiko, dass sie platzt, bei zehn Prozent pro Jahr und ist damit deutlich höher als die Gefahr einer Operation“, bemühte der Mediziner die Statistik.

Als Operations-Methode stehe zum einen die „offene Operation“, bei der ein Bauchschnitt erfolgt, bevor der von einer Erweiterung betroffene Teil der Schlagader herausgeschnitten und durch ein einzunähendes Kunststoff-Rohr ersetzt wird, zur Verfügung. Alternativ werde seit nunmehr rund 20 Jahren die endovaskuläre Behandlung angeboten.

Dabei wird eine mit Metallrahmen verstärkte Prothese von der Leiste aus über ein Katheter-System eingeführt, um quasi die Aderwand zu erneuern. „Mit letztgenannter Variante haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt. Sie ist weniger belastend für den Kreislauf des Patienten, da kein Leibschnitt vorgenommen werden muss“, so Professor Dr. Michael Gawenda, der allerdings darauf hinwies, dass viele Faktoren bei der Auswahl der OP-Methode zu beachten seien. Der Fortschritt bei der Entwicklung modernster Prothesen biete erstaunliche Möglichkeiten.

Und: „In dieser Hinsicht befinden wir uns in Deutschland in einer komfortablen Situation, denn die Krankenkassen zahlen die Prothesen, selbst wenn eine Maßanfertigung zwischen 25 000 und 40 000 Euro kosten kann. In den USA und auch Belgien sieht dies anders aus“, schloss der Chefarzt seinen Vortrag.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert