Aktion Dreikönigssingen: Thomas Römer im Interview

Von: Sonja Essers
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Thomas Römer ist das ganze Jahr über mit der Aktion Dreikönigssingen beschäftigt. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Kinder spielen im Leben von Thomas Römer eine äußerst wichtige Rolle. Der 47-jährige Indestädter ist als Pressesprecher beim Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ tätig und dort für die Aktion Dreikönigssingen verantwortlich. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt er, warum das Thema Sternsinger ihn das ganze Jahr über beschäftigt.

Auch verrät er, warum die Empfänge von Bundeskanzlerin und Bundespräsident für ihn nicht so außergewöhnlich sind, wie viele vielleicht denken.

 

Herr Römer, in Ihrem Job als Pressesprecher des Kindermissionswerks dreht sich alles um die Aktion Dreikönigssingen, Hand aufs Herz: Waren auch Sie in Ihrer Kindheit als Sternsinger unterwegs?

Römer: Ich war in der Pfarre St. Marien in Röthgen über viele Jahre lang als Messdiener und Pfadfinder aktiv. Als Sternsinger waren die Mitglieder des Kinderchores unterwegs. In einem Jahr gab es aber zu wenig Kinder und dann sind wir Messdiener eingesprungen. Also war ich auch ein Mal bei den Sternsingern dabei und habe mich dort engagiert.

Warum ist die Aktion Dreikönigssingen Ihrer Meinung nach so wichtig?

Römer: Diese Aktion ist einfach klasse. Und die Hilfe ist ganz schön beachtlich. Anfang 2015 haben die Sternsinger bundesweit mehr als 45,5 Millionen Euro gesammelt. Kinder lernen, dass sie durch ihren Einsatz etwas bewegen können, dass ihr Engagement zur Hilfe für Mädchen und Jungen in den ärmeren Ländern wird. Und das bekommen die Kinder auch ganz deutlich mit.

Inwiefern?

Römer: Die Kinder sind mit einem tollen Auftrag unterwegs. Sie sammeln nicht nur für Kinder, denen es nicht so gut geht, sondern bringen auch die Botschaft von Christi Geburt mit und die hinterlassen sie mit ihrem Segensspruch 20C+M+B+16 an den Häusern. Das ist dann ein sichtbares Zeichen ihres Engagements. Sie bringen Segen und sind gleichzeitig auch Segen. Es ist wichtig, dass wir die Mädchen und Jungen spüren lassen, dass wir sie ernstnehmen und ihren Einsatz zu schätzen wissen.

In diesen Tagen haben Sie allerhand zu tun. Wann werden die Sternsinger denn offiziell ausgesandt?

Römer: Die Aktion kann bereits am 27. Dezember beginnen und endet offiziell am dritten Freitag im Januar. Den Pfarrgemeinden ist aber selbst überlassen, wann sie die Aktion ausführen. Einige sind am 6. Januar unterwegs, ich weiß, dass die Kinder in der Pfarre St. Barbara früher schon zwischen den Feiertagen gegangen sind. So wie es für die Gemeinden am besten passt.

Und die unterschiedlichen Ausführungen sind kein Problem?

Römer: Natürlich nicht. Wir geben den Leitgedanken und auch das Thema vor, aber das eigentliche Sternsingen beginnt vor Ort. Wir machen deshalb keine Vorschriften, weil es uns wichtig ist, dass die Traditionen, die es in den mehr als 10 000 Pfarrgemeinden überall in Deutschland gibt, auch weiterhin gelebt werden sollen. Die bundesweite Eröffnung ist eher symbolisch zu sehen.

Wann findet die statt?

Römer: Die Aussendung findet am 29. Dezember in Fulda statt.

Sind Sie an diesem Tag auch vor Ort?

Römer: Ja, bei den Terminen in Deutschland sind meine Kolleginnen und Kollegen aus der Pressestelle des Kindermissionswerks und ich immer mit dabei.

Und wie kann man sich Ihre Arbeit an diesem Tag vorstellen?

Römer: Wir versorgen die Vertreter der Presse mit genügend Informationen. In diesem Jahr haben sich mehrere Fernsehsender angekündigt, die vor Ort berichten werden. Das ist dann schon spannend und auch eine Herausforderung. Schließlich braucht man auch entsprechende Sternsinger, denn die erste Live-Schalte für das ARD-Morgenmagazin beginnt schon um kurz vor 7 Uhr am Morgen.

Warum ist diese Öffentlichkeitsarbeit so wichtig?

Römer: Eine gute Öffentlichkeitsarbeit ist zur Werbung für eine solche Aktion unerlässlich. Und dann ist es natürlich super, wenn die Menschen die Sternsinger erst im Fernsehen sehen und kurze Zeit später klingeln die Kinder an der Türe.

Die bundesweite Eröffnung ist jedoch nicht die einzige Veranstaltung, die in den kommenden Tagen ansteht.

Römer: Das ist richtig. Am 5. Januar findet auch noch der Empfang im Bundeskanzleramt statt und am 6. Januar empfängt der Bundespräsident die Sternsinger.

Welche Kinder dürfen denn an welcher Veranstaltung teilnehmen?

Römer: An der bundesweiten Eröffnung können grundsätzlich alle Kinder teilnehmen. In den vergangenen Jahren kam es nie dazu, dass wir Gruppen abweisen mussten. Wenn eine Diözese die bundesweite Eröffnung ausrichtet, darf eine Sternsingerdelegation aus diesem Bistum im Jahr darauf den Bundespräsidenten besuchen. Bei der Kanzlerin sind Gruppen aus allen 27 Diözesen dabei. In diesem Jahr haben die Kinder sich mit der Lösung eines Rätsels beworben und wir hatten insgesamt 916 Einsendungen. Die wurden dann nach Diözese sortiert und pro Bistum wurde eine Gruppe ausgelost. Vier Kinder und eine Begleitung dürfen dann pro Gruppe nach Berlin reisen.

Warum vier Kinder?

Römer: Weil die klassische Sternsingergruppe aus drei Sternsingern und einem Sternträger besteht.

Wie sehen Ihre Aufgaben aus, wenn die Aktion vorbei ist?

Römer: Das Kerngeschäft dauert zwar nur einige Tage, aber in der Zeit muss dann auch alles sitzen. Und das muss vernünftig geplant sein. Ich bin das ganze Jahr über mit der Aktion beschäftigt. Es gibt nicht nur viele Events, die in vielerlei Hinsicht vor- und nachbereitet werden müssen.

Wir erstellen digitale Pressemappen mit Fotos, Texten und O-Tönen, planen und geben Interviews, vermitteln Sternsingergruppen, die von Fernsehteams oder Fotografen begleitet werden, erstellen ständig neue Presseverteiler, um unsere Mitteilungen auch passend zu verschicken. Natürlich besteht auch eine enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern in den Bistümern, die eigene Veranstaltungen organisieren, uns unterstützen und Unterstützung brauchen. Eine Menge Arbeit, die aber auch sehr viel Spaß macht.

Was gefällt Ihnen denn besonders gut an Ihrem Job?

Römer: Die Themen, die die Sternsinger betreffen, sind nicht nur bundesweite Themen, sondern lassen sich immer auch auf lokaler Ebene aufbereiten. In beinahe jeder deutschen Stadt gibt es Sternsinger, und folglich können wir die Anliegen der gut 330 000 kleinen und großen Könige mit großer Wirkung in der Breite verteilen. Klar, es interessiert schließlich auch die Lokalredaktionen, wenn die engagierten Kinder in ihrer Stadt unterwegs sind.

Und Termine wie die Veranstaltung im Kanzleramt sind doch bestimmt ein besonderes Highlight, oder?

Römer: Für die Sternsinger, die dabei sein dürfen, natürlich schon. Für mich persönlich steht an diesem Tag im Vordergrund, dass wir die Medien gut mit Informationen und Fotos versorgen. Da entwickelt man mit den Jahren auch einfach eine professionelle Distanz. Mein Lieblingstermin ist eigentlich ein anderer.

Welcher?

Römer: Die bundesweite Eröffnung. Wenn mehr als 2000 Sternsinger anwesend sind, dann herrscht schon eine ganz besondere Atmosphäre. Dieses bunte Treiben mit so viel Engagement und Power ist immer wieder großartig.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie heute beim Kindermissionswerk arbeiten?

Römer: Nachdem ich mein Abitur am Städtischen Gymnasium gemacht habe, habe ich zunächst im Journalismus angefangen. Ich habe dann zuerst für die Eschweiler Tageszeitung und später für andere Medien gearbeitet. Dann habe ich mich gefragt, ob dies auch wirklich das ist, was ich gerne machen möchte. Da ich seit meinen Kinderbeinen sehr aktiv in der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg war, habe ich mich dort auch ehrenamtlich um die Pressearbeit gekümmert. Aus dem Ehrenamt ist dann ein Nebenjob geworden und dann habe ich die Chance bekommen als Pressesprecher in der Bundeszentrale in Neuss zu arbeiten. Im Oktober 2002 habe ich dann beim Kindermissionswerk in Aachen angefangen.

Bekommen Sie als Indestädter denn auch etwas von den Eschweiler Sternsingern mit?

Römer: Wir haben bundesweit rund 10.500 Pfarrgemeinden und die liegen mir alle am Herzen. Es ist immer schwer, dann den regionalen Bezug zu behalten. Aber von Eschweiler kriege ich natürlich schon etwas mehr mit. Ich freue mich vor allem darüber, dass meine Frau und mein Sohn in diesem Jahr wieder bei den Sternsingern in der Pfarre St. Antonius in Bergrath dabei sind.

Und ich freue mich natürlich auch sehr darüber, wenn ich etwas von den Sternsingern aus St. Marien höre, aus dieser Pfarre komme ich ja. Außerdem finde ich es klasse, dass der Bürgermeister die Kinder in Eschweiler jedes Jahr im Rathaus empfängt, um ihnen Danke zu sagen. Das zeigt den Kindern nämlich, dass ihr Engagement gewürdigt wird.

Ist das nicht in jeder Stadt so?

Römer: Es ist mittlerweile in vielen Städten so, dass die Kinder ihren Segen auch in die Rathäuser tragen. Aber das ist nicht in allen Städten der Fall. Mittlerweile gibt es aber auch viele Landräte, Ministerpräsidenten und auch Bundesministerien, die die Kinder empfangen.

Kommen wir einmal zum Thema der diesjährigen Aktion. In diesem Jahr dreht sich alles um Bolivien und um das Thema Respekt. Stehen auch schon Themen für die kommenden Jahre fest?

Römer: Thema, Land und die Projektarbeit vor Ort müssen immer übereinander gebracht werden. Deshalb haben wir in der Regel eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren. Im Jahr 2017 steht Kenia im Mittelpunkt und im Jahr 2018 geht es um das Thema Kinderarbeit. Dann soll wahrscheinlich Indien im Fokus stehen.

Wie schwierig ist es Themen und Länder auszusuchen?

Römer: Bei den Ländern wird immer eins aus Afrika, Südamerika oder Asien ausgesucht. Wir müssen genau schauen, dass sich die Themen in unseren Projekten auch abbilden und dass man sie auch für Kinder verständlich umsetzen kann. Wenn es um das Thema Flucht geht, dann muss es natürlich entsprechende Projekte im jeweiligen Land dazu geben. Unser Botschafter Willi Weitzel dreht jedes Jahr einen Film für die Sternsinger, in denen die jeweiligen Problemlagen kindgerecht vermittelt werden wollen. Und ganz wichtig: Den Kindern muss immer deutlich werden, dass ihre Hilfe ankommt, und dass mit ihrem Einsatz Gleichaltrigen geholfen werden kann.

Wie sieht es mit dem Thema für 2016 aus?

Römer: Wir haben uns für Bolivien und das Thema Diskriminierung und Respekt entschieden. In unseren Materialien vermitteln wir, wie wichtig es ist, einander zu respektieren. Respekt ist die Grundlage für Gerechtigkeit und Frieden, nicht nur in Bolivien, sondern überall auf der Welt. Bolivien ist dabei das Beispielland der aktuellen Aktion. An diesem Beispiel zeigen wir den Sternsingern, wie die Lebenssituation von Kindern dort aussieht.

Kinder spielen aber nicht nur in Ihrem Beruf eine wichtige Rolle, sondern auch in der Freizeit.

Römer: Das stimmt. Ich bin beim SV Falke Bergrath aktiv, betreue die Mannschaft meines Sohnes und bin stellvertretender Jugendleiter mit dem Schwerpunkt Kinderfußball. Das Engagement für Kinder ist mit sehr wichtig, nicht nur in meinem Beruf, sondern auch in meiner Freizeit.

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