Eschweiler - „Akim rennt“: Ein Kinderbuch über Flucht vor Krieg und Tod

„Akim rennt“: Ein Kinderbuch über Flucht vor Krieg und Tod

Von: jlm
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Die Stadtbücherei Eschweiler sowie die Pfarre St. Peter und Paul lud am Freitagnachmittag Kinder der Erstkommunion und ihre Familien zu einer Begegnung mit der belgischen Kinderbuchautorin Claude K. Dubois (Bildmitte.) ein. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. „Akim rennt.“ Denn in seine einst so heile Welt ist plötzlich der Krieg eingebrochen. Als sein Dorf beschossen wird, wird er auch von seiner Familie getrennt. Er gelangt in ein Lager, wird von Soldaten gefangen genommen, doch schließlich gelingt ihm die Flucht.

Die belgische Kinderbuchautorin Claude K. Dubois stellte am Freitagnachmittag in der Stadtbücherei ihr Buch während einer Autorenbegegnung mit Kindern ab 8 Jahren und ihren Familien im Rahmen der Kommunionvorbereitung vor. In aller Ruhe betrachteten die Kinder die eindrucksvollen Bilder und versuchten, die Situation des kleinen Akim nachzuempfinden. Denn schnell wird ihnen klar, dass ist nicht „nur“ ein Kinderbuch, sondern es erzählt ein Schicksal, wie es unzählige Menschen auf der Welt erleiden müssen. Bilder von Krieg und von Menschen in Flüchtlingslagern kennen sie aus den Medien, aber wie sich Menschen und besonders Kinder in solchen Situationen fühlen, können sie sich nur schwer vorstellen.

Zu MItgefühl anregen

Auch in Eschweiler kommen sie in Kontakt mit Flüchtlingen, manche leben im Haus St. Josef, besuchen Kindergärten und Grundschulen und doch sind sie fremd. „Den Kindern hier in Eschweiler muss die Thematik bewusst werden“, so auch Steffie Sieger-Bücken, Gemeindereferentin der Pfarre, die die Idee der Autorenbegegnung entwickelte. Im Fernsehen sehe man Bilder von ihnen und es sei für jeden Menschen unerträglich, diese Kinder dort leiden zu sehen, erklärte Claudia Jansen, die aus dem Französischen übersetzte, die Beweggründe der Autorin. Die Bilder sollen Empathie und Mitleid anregen, die Kinder sollen sich die Situation so besser erschließen können.

Auch Kasim Ramic, Eschweiler Flüchtlingsrat, welcher an diesem Nachmittag leider verhindert war, erlebte als Kind den Krieg. Gemeinsam mit seiner Familie floh er damals aus Bosnien. Noch heute erinnert er sich an die angstvollen Stunden im Keller während des Bombenalarms, als sie hofften, dass die Bombe ihr Haus nicht treffe. In Deutschland angekommen, sei es für ihn besonders wichtig gewesen, mit den fremden Kindern zu spielen, auch wenn er ihre Sprache nicht kannte.

Ein schwieriges Thema, besonders für Kinder, weiß auch die Kinderbuchautorin. Sie habe versucht, erträgliche Bilder auszuwählen und Szenen aus verschiedenen politischen Situationen aufzugreifen. Die Geschichte sei daher verallgemeinerbar und auf jedes Kind in jedem Land übertragbar. Sie habe das Buch in Folge der Nuklearkatastrophe in Fukushima geschrieben, jedoch würden sich auch andere Flüchtlinge darin erkennen. Während des Schreibens habe sie ebenfalls das Leid ihrer Mutter im Kopf gehabt, die im Alter von sechs Jahren über einen langen Zeitraum während des zweiten Weltkriegs von ihren Eltern getrennt war. Ihr ganzes Leben habe sie darunter gelitten. Der Tod ihrer Mutter habe ihr schließlich die Energie gegeben, diese Geschichte zu zeichnen.

Kinder sichtlich berührt

„Das ist eine große Motivation für uns, den Kindern zu helfen, mit ihnen zu spielen, ihnen zu helfen, die Sprache zu erlernen“, so die Gemeindereferentin. Die Kinder sollten bedenken, was sie alles verloren hätten. Es sei wünschenswert, wenn sie auf die Flüchtlingskinder zugehen würden.

Und die anwesenden Kinder schienen sichtlich berührt, sie hätten sich in die Situation hineinversetzen können, erzählten sie. Besonders schön sei es gewesen, dass Akim seine Mutter am Ende der Geschichte wiederfindet. Einige der Kinder erzählten auch von Flüchtlingskindern, die ebenfalls ihre Schule besuchen und wussten auch, manches Kind musste ohne die Eltern nach Deutschland kommen. „Könnt ihr euch vorstellen, wie sie sich fühlen?“, fragte Steffie Sieger-Büchen sie. „Schlecht“, gaben sie zu.

„Die Kraft des Kindes in der Kinderbuchgeschichte lässt auch ein bisschen hoffen“, fügten Claudia Jansen und Claude K. Dubois abschließend hinzu. Kinder hätten meist mehr Kraft, als man denkt. Trotzdem bleibe das Erlebte immer an ihnen haften.

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