„Aha-Erlebnis“ mit Heynckes und Ballack

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
6043039.jpg
Neue Trikotfarbe: Seit dieser Saison läuft Tobias Haitz für den NEC Nijmegen in der niederländischen Ehrendivision auf. Foto: imago/VI Images
6049139.jpg
Das erste Länderspiel: Tobias Haitz trug im Oktober 2010 das DFB-Trikot bei der Partie der U 19 gegen Tschechien. Im Hintergrund ist Christoph Avevor zu sehen, der beim Bundesligisten Hannover 96 unter Vertrag steht. Foto: imago/Camera 4

Eschweiler/Nijmegen. Tobias Haitz erinnert sich nur allzu gut an den Tag im Oktober 2010, als er das erste Mal Luft im Profiteam schnuppert. Michael Ballack ist damals noch aktiv, und Trainer ist kein geringerer als Jupp Heynckes. Haitz, zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt, schnürt die Fußballschuhe für die A-Jugend des Bundesligisten Bayer Leverkusen.

Weil sich der heutige Trainer Sami Hyypiä verletzt hat, ist ein Platz im Kader frei. Gegen Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach sitzt Haitz das erste Mal auf der Bank bei den Profis. Zum Einsatz kommt er nicht. Sein erstes Spiel als Profi soll es nun mit ein wenig Verzögerung bald geben. Der inzwischen 21-Jährige trägt seit wenigen Wochen das Trikot des NEC Nijmegen und spielt in der niederländischen 1. Liga, der Ehrendivision.

Aber erzählen wir die Geschichte von Anfang an. Im Februar 1992 wird Tobias Haitz geboren. Im Alter von vier Jahren beginnt er mit Fußball, bei Germania Dürwiß kickt er bei den Bambini. Aber nicht wie heute als Verteidiger, sondern in der Offensive. „Vorne links“ wirbelt er. Im Alter von zehn Jahren folgt er dem Lockruf des 1. FC Köln. Er hatte ebenfalls Anfragen von Borussia Mönchengladbach und Alemannia Aachen. „Ich habe einmal in Köln mittrainiert und mich dann direkt für den FC entschieden“, erinnert er sich.

Auf die andere Rheinseite

Bei den Geißböcken bleibt er zwei Jahre und wechselt dann doch zu Alemannia Aachen. „Das hatte vor allem schulische Gründe. Es war schon sehr stressig, immer nach Köln zu fahren“, sagt Tobias Haitz. Die Schule schließt er ab, und nach drei Jahren bei der Alemannia, folgt der nächste Schritt: Tobias Haitz wechselt auf die andere Rheinseite zu Bayer Leverkusen.

So wie er die Vereine wechselt, verändert sich anfangs auch seine Position. Nach Köln geht er als Offensivspieler, findet sich plötzlich in der Verteidigung wieder, kickt dann bei der Alemannia ein Jahr lang wieder als Stürmer, bevor ihn Trainer Ben Manga wieder auf die andere Seite des Platzes befördert.

Für Tobias Haitz kein Problem. „Ich fühle mich in der Verteidigung am wohlsten. Ich kann innen und außen spielen“, sagt Haitz über sich. Ein Vorbild für den jungen Eschweiler ist Mats Hummels. „Ich versuche auch, Spielsituationen fußballerisch zu lösen“, so Haitz.

In Leverkusen läuft es anfangs sehr gut. Seine Familie in Eschweiler unterstützt ihn tatkräftig, und auch seine Gastfamilie in der neuen (sportlichen) Heimat gibt dem aufstrebenden Kicker den nötigen Rückhalt. „Das war schon sehr wichtig. Es gab Phasen, da war es gerade anfangs ganz schön schwierig, nicht mehr zu Hause zu sein“, blickt er zurück.

Auf dem Platz entwickelt er sich kontinuierlich weiter, nebenher absolviert er eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Im Grunde geht es stetig aufwärts. Vor allem an den Tag, an dem er das erste mal im Kader der Leverkusener ist, erinnert sich noch ganz genau. „Da ging ein Traum in Erfüllung. Das Stadion war voll, gerade auf Schalke herrscht immer eine super Atmosphäre. Plötzlich ging Manuel Neuer an mir vorbei, Trainer bei Schalke war Felix Magath.“ Es klingt, als wäre es gerade erst gewesen.

In der Folgezeit trainiert er drei Monate lang bei den Profis. „Das war damals eine andere Welt, als ich bei den Profis trainiert habe. Da nimmt man gerade als junger Spieler viel mit“, sagt er und ergänzt: „Da weiß man: Da will ich hin!“ Und es folgt ein weiterer Höhepunkt: Am 17. Oktober 2010 trägt er erstmals das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Er ist für das Länderspiel der U 19 in Dresden gegen Tschechien nominiert und spielt von Anfang an. Das Spiel endet 1:1. Für zwei weitere Länderspiele wird er nominiert. Beim 1:2 gegen Belgien am 25. März 2011 spielt er erneut von Beginn an, vier Tage später bleibt er beim 3:0 gegen die Ukraine ohne Einsatz.

Anfang 2011 lernt er dann aber auch die Schattenseiten eines Sportlers kennen. Im April 2011 bricht er sich den Mittelfuß und fällt rund ein halbes Jahr aus. Als er sich durch die Reha und zurück auf den Platz gekämpft hat, folgt der nächste Rückschlag: Im Sommer des vorigen Jahres zieht er sich einen Außenbandriss im Knie zu. Wieder ist er ein halbes Jahr außer Gefecht.

Er kämpft sich nach den schweren Verletzungen zurück und überzeugt mit guten Leistungen bei den Leverkusener Amateuren. Das letzte Saisonspiel der vorigen Spielzeit läuft wieder sehr gut. Bayer gewinnt 3:0, Tobias Haitz schießt ein Tor. Zu diesem Zeitpunkt gibt es bereits einige Anfragen anderer Vereine aus der 2. und 3. Liga. Und es sitzen wieder Beobachter aus Nijmegen auf der Tribüne.

„Der Verein passt zu mir“

Nach der Partie kommt es zu Gesprächen, die Niederländer überzeugen den jungen Indestädter. Er unterschreibt für zwei Jahre, mit Option auf zwei weitere. „Der Verein passt zu mir. Ich bin ein familiärer Mensch, und so ist auch der Verein“, ist er überzeugt. Die Eingewöhnung erleichtert ihm auch seine Freundin, die mit ihm nach Nijmegen gezogen ist.

Die fußballerische Eingewöhnung fällt ihm nach eigenen Angaben leicht. „Das hohe Tempo bin ich aus den vielen Trainingseinheiten mit den Profis in Leverkusen gewöhnt“, sagt er. Sprachlich kommt ihm das Aufwachsen in der Nähe der niederländischen Grenze zu Gute. Verstehen könne er niederländisch einigermaßen, wenn nicht zu schnell gesprochen wird. Ab dem 21. August lernt er die Sprache dann auch. „Außerdem sprechen hier alle sehr gut Englisch“, erklärt er.

Allerdings warf ihn nach dem guten Start ein Muskelfaseriss zurück – glücklicherweise eine nicht ganz so schwere Verletzung. Mittlerweile ist Tobias Haitz wieder im Training.

Sein persönliches Ziel ist es, zunächst einmal natürlich fit zu werden, mit dem Verein soll es dann in dieser Saison ein Platz in der oberen Tabellenhälfte werden – so zwischen Platz 7 und 10. „Ich will hier so viele Spiele wie möglich machen, und vielleicht ist dann irgendwann die Bundesliga ein realistisches Ziel“, sagt er.

In der Tabelle sieht es für den NEC Nijmegen derzeit nicht ganz so gut aus. Nach zwei Spielen steht die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz. Null Punkte und 1:9 Tore stehen zu Buche.

Tobias Haitz hat in dieser Woche sein erstes Testspiel nach dem Muskelfaserriss absolviert und denkt, dass er in zwei bis drei Wochen wieder bei 100 Prozent ist. Dann soll das erste Spiel als Fußballprofi folgen...

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert