Aggressionstraining: Wer cool ist, hat die besseren Karten

Von: Andreas Röchter
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Aggressionen münden nicht selten in körperlicher oder verbaler Gewalt. Doch es gibt Alternativen, wie die Verantwortlichen des Projekts „Stark im Konflikt” in der städtischen Gesamtschule aufzeigten. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es ist gut zehn Jahre her, als es dem Theaterregisseur Simon Steimel zu bunt wurde. Während eines Projekts mit Jugendlichen kam es bei den jungen Schauspielern immer wieder zu Aggressionen. Gemeinsam mit Mitstreitern seiner Theatergruppe besuchte er daraufhin Schulen, nahm an Unterrichtsstunden teil und beobachtete die Schüler auch in ihren Pausen.

Was Simon Steimel sah, erschütterte ihn. „Das Gewaltpotenzial unter den Jugendlichen war enorm”, denkt er zurück. Mit seiner Kollegin Tina Menschner entwickelte Simon Steimel daraufhin das Theaterstück „Tatverdächtige” und rief das Projekt „Stark im Konflikt” ins Leben.

Am Montag waren die Schauspieler der Theatergruppe nun in der Städtischen Gesamtschule zu Gast, führten vor Schülern der siebten und achten Jahrgangsstufen das Theaterstück auf und reflektierten das Gesehene anschließend in den Klassenräumen innerhalb eines „Anti-Gewalt-Trainings”.

„Es geht darum, Verhaltensalternativen in Konfliktsituationen aufzuzeigen. Die Schüler sollen in puncto Mobbing, Aussschließen von Mitschülern sowie Anwendung von körperlicher und verbaler Gewalt sensibilisiert werden”, betont Lehrerin Johanna Müller, die an der Städtischen Gesamtschule mit zwei Kollegen als Streitschlichterin fungiert.

Situationen aus dem Alltag

Zunächst wurden die Schüler während des Theaterstücks „Tatverdächtige” mit Situationen konfrontiert, die heutzutage für so manchen von ihnen zum Alltag gehören dürften. Sei es aus eigener Erfahrung oder durch Erlebnisse von Freunden und Bekannten.

So erhält Ronnie von seinem Vater bei Ungehorsam schon mal eine Tracht Prügel und gibt die Gewalt an andere weiter. Olafs Vater ruft selbst an Geburtstagen nur noch an und kümmert sich ansonsten nicht um seinen Sohn. Auch Esras Mutter hat durch ihre Arbeit kaum Zeit für ihre Tochter.

„Ignoranz ist eine der schärfsten Formen der Gewalt”, macht Simon Steimel deutlich. Und sie führt nicht selten zu weiterer Gewalt. Die Schüler spürten die (gespielten) Aggressionen hautnah, saßen sie in der Sporthalle der Gesamtschule doch den Schauspielern, die um sie herum spielten, zu Füßen.

Allerdings dient das Theaterstück, das Gewaltsituationen von Jugendlichen untereinander, zwischen Jugendlichen und Lehrern sowie zwischen Jugendlichen und ihren Eltern behandelt, innerhalb des Konzepts lediglich als Einstieg in die Materie, denn es liefert keine Antworten auf die aufgeworfenen Fragen, sondern schildert nur die Szenarien.

Diese wurden im unmittelbar anschließenden „Anti-Gewalt-Training” dafür umso ausführlicher behandelt. Hier unterstrich Simon Steimel die Bedeutung der Körpersprache. „Diese sollte weder unsicher, noch gehemmt wirken, auf der anderen Seite aber auch nicht großspurig”, so der Theaterregisseur. Auch wenn es schwer falle, sei eine ruhige Reaktion auf eine Beleidigung die beste Antwort.
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