Eschweiler - Afghanistan am Scheideweg: Nazin Rauwasch über sein Heimatland

Afghanistan am Scheideweg: Nazin Rauwasch über sein Heimatland

Von: sh
Letzte Aktualisierung:
euroafghane4_
„Eine organisierte Armee kann in Afghanisaten nicht erfolgreich kämpfen”, sagt Nazin Rauwasch vom Afghanischen Kulturverein Mönchengladbach in der Donnerbergkaserne. Der Einsatz deutscher Soldaten am Hindukusch sorgt in der Heimat derweil weiter für Diskussionszündstoff.

Eschweiler. Dass Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt werden muss, wiederholen Politiker der Regierungsparteien in den vergangenen Jahren gebetsmühlenartig. Es ist ein Thema, das die Menschen nicht erst in den vergangenen Monaten bewegt.

Aus aktuellem Anlass konnte der Europaverein-Vorstand seinen Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung mit Nazin Rauwasch einen Experten präsentieren, der eine dezidierte Meinung zur Gestaltung der weiteren Afghanistanpolitik vertritt.

Rauwasch, in Kabul geboren, lebt seit 2000 in Deutschland und gründete in Mönchengladbach den afghanischen Kulturverein „Amu-Rhein”.

Seine grundlegende Botschaft: Internationale Truppen müssen - wenn auch nicht auf einen Schlag - Afghanistan verlassen. „Die Aufstockung der Soldatenkontingente ist ein großer Fehler”, sagt Rauwasch in der Donnerbergkaserne.

Die Wahrheit bedeutet für Nazin Rauwasch: „Demokratie gibt es in Afghanistan nur auf acht Quadratkilometern, und zwar in den wenigen großen Städten.”

Sein Vorschlag, den zahlreiche in Europa lebende Afghanen mittragen: Anstatt millionenteure Militäreinsätze solle zum Beispiel Deutschland 2000 Afghanen herholen und ausbilden. In Afghanistan solle dann eine eigene Berufsarmee mit 500.000 Mann aufgebaut werden. Insgesamt lautet sein Motto „Hilfe zur Selbsthilfe”. Sein Volk, so Rauwasch habe sich an internationale Hilfe gewöhnt, sei so mit der Zeit unselbstständig geworden.

Warlords, Drogenanbau, eine geschwächte Regierung unter Präsident Karsai - Afghanistan steht am Scheideweg. „Die Generation, die heute die Politik bestimmt, kann man nicht mehr retten”, hat Rauwasch die Hoffnung bereits verloren. Die afghanische Jugend sei es letztlich, die man jetzt gewinnen muss, damit sie morgen die Zukunft eines jahrzehntelang geschundenen Staates formen kann.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert