Eschweiler - Ärztlicher Notdienst: Hier gilt Sieben, Sechs, vier Mal die Eins

Ärztlicher Notdienst: Hier gilt Sieben, Sechs, vier Mal die Eins

Von: Patrick Nowicki
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Das Team der Notdienstpraxis (
Das Team der Notdienstpraxis (von links): Angie Kreuzkamp, Heike Schüller, Dr. Gabriele Koch, Dr. Jürgen Küpper (sitzend), Michael Scheller, Elke Lohmüller, Roswitha Bücken und Cornelia Kosten. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. In den meisten Städten ist es üblich, die 116 117 zu wählen, um den ärztlichen Notdienst zu erreichen. Nicht so in Eschweiler. Dort lautet die Nummer 761111 oder besser: Sieben, Sechs, vier Mal die Eins!

Vor fast zehn Jahren, am 1. Juli 2002, öffnete die Notdienstpraxis im St.-Antonius-Hospital zum ersten Mal. Was von einigen Medizinern und Patienten zunächst auch skeptisch beäugt wurde, hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Die Zahl der Beschwerden ist gering, die Ärzte sind vom Konzept überzeugt.

Längst Gewohnheit

Bei den Indestädtern ist es längst zur Gewohnheit geworden: Wer am Wochenende erkrankt, der meldet sich in der Notdienstpraxis im Krankenhaus. Aber nicht alle Städte kennen den Luxus, eine Anlaufstelle zu haben. Auch in Eschweiler war es vor über zehn Jahren noch üblich, nach Praxisschluss zunächst beim eigenen Hausarzt anzurufen, um dort zu erfahren, welcher Mediziner den Notdienst verrichtet. So konnte es durchaus vorkommen, dass jemand aus St. Jöris nach Weisweiler fahren musste, weil sich dort die Notdienstpraxis befand. Dieses komplizierte Verfahren gehört seit zehn Jahren der Vergangenheit an.

Von der ersten Stunde an koordiniert Dr. Jürgen Küpper für das Medizinische Qualitätsnetzwerk (MQN) den Notdienst in Eschweiler. Bei seinen Planungen muss er dei Wünsche seiner Kollegen berücksichtigen, denn alle niedergelassenen Ärzte sind nach der Notdienstordnung der Kassenärztlichen Vereinigung dazu verpflichtet, den Notdienst zu übernehmen. In Eschweiler tritt dieser Fall im Schnitt etwa sechs Mal im Jahr für jeden Arzt ein. „Manche Kollegen lassen sich aber auch vertreten”, weiß Dr. Küpper. Unterstützt wird der Notdienstarzt im Krankenhaus von einem weiteren Mediziner, der die Hausbesuche übernimmt, vom sogenannten „Pool-Arzt”. Für letztere Gruppe zeichnet Dr. Gabriele Koch verantwortlich, die viele die „gute Seele der Notdienstpraxis” nennen. „Das funktioniert reibungslos, auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Krankenhaus”, so Dr. Küpper. Die Wege sind eben kurz.

Auch die Zahlen sprechen für sich: Etwa 13 000 Patienten zählt die MQN-Praxis in jedem Jahr. Das entspricht etwa dem Dreifachen einer normalen Arztpraxis. Auch Menschen aus anderen Städten nutzen das Angebot im Krankenhaus. In bis zu zehn Fällen pro Jahr kommt es zu einer Beschwerde. „Meistens wird einem dann ein Behandlungsfehler vorgeworfen”, berichtet Dr. Küpper. Dennoch ist die Beschwerdequote nicht höher im Vergleich zur Hausarztpraxis, was erstaunlich ist, schließlich herrscht zum eigenen Hausarzt in der Regel ein vertrauteres Verhältnis.

Bleibt die Frage nach der Telefonnummer, die inzwischen landesweit gilt, aber eben in Eschweiler nicht. „Bei der landesweiten Nummer meldet sich eine Anruf-Zentrale in Duisburg”, berichtet Dr. Küpper. Bei der derzeit geltenden unmittelbaren Verbindung ins Eschweiler Krankenhaus, kann die Arzthelferin bereits nachschauen, ob der Patient schon einmal die MQN-Praxis aufgesucht hat und bei Bedarf schnell mit dem Arzt verbinden. „Das ist wesentlich vorteilhafter, uns ist der direkte Kontakt zum Patienten wichtig”, meint Dr. Küpper. Zudem habe sich die bisherige Notdienst-Nummer in der Indestadt eingeprägt.

Bis 22 Uhr arbeiten Helferinnen in der Notdienstpraxis mit. „Danach flaut der Besuch ab”, erzählt Dr. Küpper. Allerdings vorhersehbar ist das nicht. An manchen Tagen kommt der Arzt nicht zur Ruhe, andere Notdienste kann ein Mediziner schlafend verbringen, weil kein Patient anruft.

Ein Wunsch steht nach wie vor auf dem Zettel des MQN: größere Räume. „Ideal wäre natürlich ein kleiner externer Bau am Eingang des Krankenhauses”, wünscht sich Dr. Jürgen Küpper. Die Finanzierung würde der Verein mit seiner Miete sichern, ist er sich sicher. Vorerst stehen jedoch nur die beiden Behandlungszimmer mit dem kleinen Vorraum in der 1. Etage des Eschweiler Hospitals zur Verfügung.

Auch Schulungen und Fortbildungen

Das Medizinische Qualitätsnetzwerk (MQN) Eschweiler ist ein eingetragener Verein, der sich nicht nur um die Notdienstpraxis kümmert. Er organisiert zudem Fortbildungen und Schulungen für die Mitglieder, allesamt Mediziner.

Dem Vorstand gehören neben Dr. Jürgen Küpper auch Michael Scheller, Dr. Hans-Joachim Vögeli und Dr. Marlies Plum-Schunk an. Der Eschweiler MQN-Vorstand ist für vier Jahre gewählt.

Die Notdienstpraxis im St.-Antonius-Hospital ist montags, dienstags und donnerstags von 18 bis 8 Uhr erreichbar sowie mittwochs von 13 bis 8 Uhr und freitags ab 14 Uhr geöffnet. An Wochenenden und an Feiertagen steht der Notdienst rund um die Uhr unter ? 761111 zur Verfügung.

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