Ärztekammer sendet positive Signale für Notdienstpraxis

Von: ran
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Sieht gute Chancen für den Erhalt der Eschweiler Notdienstpraxis: Dr. Dirk Schulenburg, Justitiar der Ärztekammer Nordrhein. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. In die Diskussion um den Erhalt der Eschweiler Notdienstpraxis ist Ruhe eingekehrt. „Zu viel Ruhe!“, merkt Jörg Erkens besorgt an. Der Sprecher der Eschweiler Bürgerinitiative, die im Frühjahr nach dem Bekanntwerden der Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), die Zahl der derzeit vier Notdienstpraxen der Städteregion Aachen auf zwei zu reduzieren, vehement gegen die mögliche Schließung der indestädtischen Praxis im St.-Antonius-Hospital protestiert hatte, warnt vor einer „trügerischen Sicherheit“.

Mit seinen Mitstreitern hatte der Gewerkschafter nun zu einer Versammlung in das Brauhaus Peltzer eingeladen. Dort informierte Dr. jur. Dirk Schulenburg, Justitiar der Ärztekammer Nordrhein, über den aktuellen Stand der Notdienstreform sowie über die aktuellen Beschlüsse der Kammerversammlung, die am vergangenen Samstag in Düsseldorf stattfand.

„Viele Menschen, mit denen ich spreche, sind felsenfest davon überzeugt, die Entscheidung zu Gunsten der Eschweiler Notdienstpraxis sei bereits gefallen. Doch trotz einiger unbestritten positiver Signale ist dies noch lange nicht klar“, erklärte Jörg Erkens zur Eröffnung der Versammlung. Nachdem die Pläne der KV bekannt geworden seien, habe die Ärztekammer dieser zum Glück die Gelbe Karte gezeigt. Doch ein Signal zur Entwarnung komme eindeutig zu früh. „Auch die doch relativ geringe Zahl von Teilnehmern an dieser Versammlung zeigt, dass der Kampf ein wenig eingeschlafen ist“, mahnte Jörg Erkens, ein wachsames Auge zu behalten.

Wesentlich optimistischer beurteilt Dr. Dirk Schulenburg die Gesamtsituation. Zunächst berichtete der Jurist von der Versammlung der Ärztekammer Nordrhein, wo Änderungen an der „Gemeinsamen Notfalldienstordnung“ von KV und Ärztekammer beschlossen wurden. So heißt es nun in der Präambel: „Zur Verbesserung der Versorgung kann der ärztliche Notdienst auch durch Kooperationen und eine organisatorische Verknüpfung mit Ärzten und zugelassenen Krankenhäusern sichergestellt werden.“

Anschließend folgte ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Monate. Der eher zentralistische Ansatz der KV in Sachen Notdienstreform habe die Gefahr mit sich gebracht, die häufig individuell entstandenen kommunalen Notdienststrukturen zu zerstören.

Auch zahlreiche Krankenhausärzte seien von den Plänen, die Zahl der Notdienstpraxen deutlich zu reduzieren, äußerst beunruhigt worden. „Die Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung haben den Widerstand gegen die Reform unterschätzt. Ein derartiges Konzept ist nicht durchsetzbar, ohne die Beteiligten vor Ort einzubinden“, so Dr. Dirk Schulenburg. Und nun komme auch der Gesetzgeber auf Bundesebene durch das neue Krankenhausstrukturgesetz, das zum 1. Januar 2016 in Kraft treten wird, den Bestrebungen der indestädtischen Bürgerinitiative entgegen. „Es wird angestrebt, Krankenhäuser für ambulante Strukturen zu öffnen“, erläuterte der Referent.

Seit dem 1. Oktober laufe in der Universitätsklinik Bonn das Pilotprojekt des augenärztlichen Notdienstes für den Rhein/Sieg, Euskirchen und Bonn. In den ersten beiden Quartalen des kommenden Jahres soll der Versuch eines allgemeinen ärztlichen Notdienstes in einem weiteren Bonner Krankenhaus anlaufen. „Im zweiten Halbjahr wird dann die Auswertung erfolgen. Bis mindestens zum Jahr 2017 wird also alles so laufen wie bisher. Die Gefahr, dass die Notfallpraxis in Eschweiler urplötzlich einfach dicht gemacht wird, sehe ich überhaupt nicht“, versicherte der Justitiar der Ärztekammer.

Generell spreche die Entwicklung dafür, die Versorgung vor Ort aufrecht zu halten. „Die Sache hat sich in die von ihnen gewünschte Richtung bewegt. Nicht zuletzt die Krankenhausärzte wollen Notdienstpraxen in ihren Häusern!“ Die in Eschweiler etablierten Strukturen entsprächen der auf Bundesebene angestrebten „Portalpraxis“, in der ein diensthabender Arzt der Notdienstpraxis und ein Krankenhausarzt gemeinsam entscheiden, ob letztlich ein Patient in der Praxis oder in der Krankenhausambulanz behandelt werden soll.

Während der abschließenden Fragerunde machte Schulenburg deutlich, dass die Notdienststrukturen individuell betrachtet werden müssten: „In Köln gibt es 13 Notdienstpraxen für eine Million Menschen, in Düsseldorf eine Praxis für 600.000 Bewohner. Und im Kreis Kleve sucht man vergeblich nach einer Notdienstpraxis, weil dort schlicht und einfach kein Interesse besteht.“

Das Fazit formulierte ein Mitstreiter der Bürgerinitiative: „Die Vorzeichen für den Erhalt der Notdienstpraxis stehen also recht gut. Doch bei der Zahl der Krankenhäuser auf dem engen Raum zwischen Aachen, Würselen, Stolberg und Eschweiler müssen wir aufpassen, damit es nicht zu einem Wettlauf der Krankenhäuser um eine Notdienstpraxis kommt. Wir müssen weiter hellwach sein!“

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