Ärger übers Rauchverbot verflogen? Nein!

Von: Valerie Barsig
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Zwei Jahre Nichtraucherschutzgesetz: Zwar haben sich viele Wirte inzwischen mit dem Rauchverbot arrangiert, der Ärger über Umsatzeinbußen und Gemütlichkeitsverlust ist immer noch da. Foto: dpa

Eschweiler. „Ich halte mich nicht an das Rauchverbot, denn ansonsten müsste ich meine Kneipe zumachen“, sagt ein Wirt aus Eschweiler, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Auch zwei Jahre nach Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes ist sein Ärger noch da.

Für ihn hat das Rauchen mit Gastronomietradition zu tun. „Und das bedeutet, dass Rauchen einfach dazugehört, weil es für die Gäste ein Stück Lebensqualität ist. Eine Kneipe ist von Rauchern so abhängig, wie ein Ausflugslokal von gutem Wetter“, sagt er.

Vor Karneval kontrolliert

Laut Edmund Müller, Leiter des Ordnungsamts in Eschweiler hat es trotz des Unmuts vieler Wirte nur wenig Probleme in den vergangenen zwei Jahren gegeben. „90 Prozent der Kneipiers in der Stadt halten sich an das Nichtraucherschutzgesetz“, sagt er. Nur Einzelnen habe man bisher auf die Finger klopfen müssen.

Dabei liegt es im Ermessen des Ordnungsamtes, ob direkt ein Bußgeld von zunächst 200 Euro verhängt wird, oder lediglich eine Verwarnung. Vier oder fünf davon haben Müller und seine Kollegen in den vergangenen zwei Jahren ausgesprochen.

Regelmäßig wird das Rauchverbot nicht kontrolliert: Das letzte Mal rückte das Ordnungsamt vor Karneval aus. Ansonsten wird lediglich auf Hinweis oder Verdacht überprüft, ob sich Wirte an das Nichtraucherschutzgesetz halten. Müller hält das für ausreichend: „Natürlich ist Rauchen in einer Kneipe kein Kavaliersdelikt. Aber man muss auch nicht aus jeder Zigarette einen Staatsakt machen.“ Das Verbot sei bei den Wirten inzwischen akzeptiert, sagt Müller. „Aber es ist auch klar, dass Wirte darüber nicht glücklich sind“, sagt er.

Das sagt auch Albert von Broich, dem die Gaststätte „Zum alten Rathaus“ in Dürwiß gehört. „Natürlich ergibt das Verbot gerade in einem Speiselokal Sinn“, sagt er. „Trotzdem merken wir gerade beim Thekenbetrieb, dass wir Umsatzeinbußen haben – bis zu einem Drittel.“ Das Rauchverbot sei vielen Kneipen in der Stadt nicht gut bekommen. Von Broich glaubt sogar, dass noch mehr Lokale bald schließen müssen.

Nichtrauchen ist ungemütlich

Auch Marc Lersch, Vorsitzender des Wirtevereins in Eschweiler und Inhaber vom „Haus Lersch“ ist nicht zufrieden mit dem Nichtraucherschutzgesetz. „Natürlich haben sich die meisten an das Rauchverbot gewöhnt – es bleibt ihnen ja auch nichts anderes übrig“, sagt er. Der Ärger sei aber auch nach zwei Jahren nicht verflogen.

Gerade bei Stammtischen bleibe die Gemütlichkeit durch das Rauchverbot auf der Strecke. „Bei uns merken wir das an der Kegelbahn – seit dem Verbot gibt es dort weniger Gäste“, sagt Lersch. Denn: Seien Raucher beim Spiel dabei, werde es zwischenzeitlich bis zu 15 Minuten unterbrochen. Und in der Zeit, in der die Raucher draußen stehen, trinken sie auch nichts und das merke man am Umsatz. Einbußen von zehn bis zwanzig Prozent im Jahr habe er hinnehmen müssen.

Lersch sieht aber auch noch andere Probleme: Kneipiers hätten es zunehmend schwer. „Das liegt allerdings nicht nur am Rauchverbot, sondern auch daran, dass viele Gäste nicht mehr nur Essen oder Trinken wollen, sondern auch Entertainment zusätzlich“, sagt er. Konzerte oder andere Events werden zusätzlich zu Essen und Trinken in Lokalen verlangt. „Das Rauchverbot ist eben nur noch ein Punkt zum weiteren Kneipensterben.“ Diese Meinung würden viele Eschweiler Wirte teilen, sagt Lersch.

Dazu komme das Lärmproblem. Wer eine Kneipe in einer Wohngegend hat, hat es da natürlich nicht leicht, wenn ständig Raucher vor der Tür stehen.

Keine Probleme wegen Lärms

„Zum Glück ist es zumindest nach meiner Erfahrung so, dass viel zwischen den Kneipenbesitzern und den Nachbarn geregelt wird, und nicht gleich das Ordnungsamt auf den Plan tritt“, sagt Lersch. Das bestätigt auch Edmund Müller vom Ordnungsamt. Er hat nur wenig Beschwerden wegen Lärm in den vergangenen zwei Jahren erhalten.

Das Rauchverbot in seiner jetzigen Form findet Lersch nur wenig sinnvoll. „Wenn es ab morgen wieder die abgeschwächtere Version mit Raucherräumen geben würde, würden viele Leute Hurra schreien.“ Dennoch glaubt Lersch, dass sich die Wirte in Eschweiler an das Verbot halten. „Ich denke und hoffe nicht, dass trotzdem geraucht wird.“

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