Eschweiler - Äpfel können Sonnenbrand bekommen

Äpfel können Sonnenbrand bekommen

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Ein Großteil der Ernte ist für 2015 erledigt. Nach dem trockenen und mitunter extrem heißen Sommer müssen die Landwirte mit geringeren Erträgen rechnen. Foto: Tobias Röber
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Sandra Hillemacher-Boese und ihr Bruder Hubert Hillemacher präsentieren Äpfel mit Sonnenbrand. Im Hintergrund: Kirschbäume, die bei großer Hitze mit Planen abgedeckt werden. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Es gibt sie immer wieder, diese Klassiker an Unterhaltungen, die man mal eben im Vorbeigehen aufschnappt. So wie neulich: Lieschen Müller und Erna Meier (Namen von der Redaktion geändert) im Supermarkt. Draußen regnet es. Lieschen: „Dat is jut für de Landwirte.“ Erna: „Ja, wurd‘ aber auch Zeit.“ Die beiden sprachen damit den Landwirten absolut aus der Seele.

Nach dem trockenen Sommer mit zwischenzeitlich extrem hohen Temperaturen müssen die Landwirte Ernteeinbußen hinnehmen. Weiterer Regen kann diese jedoch noch mindern.

Der Präsident des Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sprach am Dienstag von Einbußen von elf Prozent. Im äußersten Süden Baden-Württembergs und Bayerns sowie in Schleswig-Holstein hätten die Bauern „eine ordentliche Ernte einfahren können“, sagte Rukwied.

Im übrigen Land sei die Ernte wegen der starken Trockenheit „deutlich unterdurchschnittlich“ ausgefallen. In manchen Regionen Deutschlands müssten die Landwirte „40 bis 50 Prozent Einbußen hinnehmen“. Immerhin könnten sich die Getreidebauern über eine sehr gute Qualität freuen, sagte der Bauernpräsident.

Nicht nur im Ackerbau gibt es geringere Erträge. Auch Obstbauern müssen wohl Einbußen hinnehmen. Bei der Apfelernte erwarten die Landwirte laut Rukwied demnach ein Minus von 20 Prozent, auch die Kirschernte sei im Schnitt um fünf Prozent niedriger ausgefallen.

Äpfel und Kirschen – in der Indestadt ist das ein Fall für die Edelobstplantage Hillemacher. Hubert Hillemacher spricht trotz des Wetters von einer „guten Ernte“. Der Grund: In dieser Region gibt es gute Böden, die viel Wasser speichern. Dennoch wird die Apfelernte rund zehn Prozent geringer ausfallen und dafür sind die extrem hohen Temperaturen verantwortlich. „Sonnenbrand gibt‘s auch bei Äpfeln“, sagt Hillemacher. Vor allem die Sorte Elstar sei sehr empfindlich. Die Äpfel mit Sonnenbrand werden in diesen Tagen von Hand gepflückt, da sie faulen und die gesunden Äpfel nicht anstecken sollen.

Die Kirschen waren von der Hitze weniger betroffen, da sie bereits vor den ganz heißen Tagen reif waren. Dennoch ist man bei Hillemachers mit Planen auf das wechselnde Wetter vorbereitet. Neben zu großer Hitze vertragen Kirschen auch keine großen Regenmengen. „Sie nehmen das Wasser auf und platzen“, erklärt Sandra Hillemacher-Boese.

Und was sagen die Landwirte? Wir haben mit Hubert Mock gesprochen, dem Sprecher der Ortsstelle Eschweiler der Landwirtschaftskammer. Auch er führt zunächst die guten Böden an, die die Verluste für die indestädtischen Bauern geringer halten. Die Wintergerste sei schon vor den ganz heißen Tagen geerntet worden und bei gutem Boden und ausreichender Bewässerung habe es nicht so große Einbußen gegeben. Die Rapsernte sei hingegen durchschnittlich, die Winterweizenernte unterdurchschnittlich.

„Bei Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais hatten wir bis zur vorigen Woche noch Bedenken, dass die Einbußen bei bis zu 30 Prozent liegen. Das hat sich nun ein wenig gebessert“, sagt Mock. Dennoch werden sich geringere Ernten wohl nicht vermeiden lassen.

Der Mais habe unter der Trockenheit sehr gelitten. So haben die Pflanzen im vorigen Jahr Höhen von drei Metern erreicht, nun liegen sie laut Mock bei zwei, bis zweieinhalb Metern. Das Längenwachstum ist nun beendet, da hilft auch Regen nicht mehr.

Den Zuckerrüben tue der Regen gut. Allerdings müsse weiterer Niederschlag fallen, hofft Mock. Sonne muss jedoch auch sein, da sie den Zuckergehalt erhöht. Auch den Kartoffelknollen räumt der Landwirt noch Chancen ein, weiter an Dicke zuzunehmen.

Auch wenn das Wetter für Landwirte optimal ist, wird es Ernteeinbußen geben. Dazu müssen sich die Bauern mit dem sogenannten Greening beziehungsweise ökologischen Vorrangflächen beschäftigen. Das bedeutet, dass fünf Prozent der Ackerfläche begrünt werden müssen, wie es eine EU-Verordnung seit Beginn des Jahres verlangt. Auch der Erhalt von Hecken und sonstigen bepflanzten Randstreifen zählen dazu.

Bis zum 15. Februar müssen diese Saatmischungen stehen bleiben, erst dann darf das Feld wieder beackert werden. Die Mischungen sind sehr verschieden – Senf, Ölrettich und Klee gehören ebenso dazu wie Sonnenblumen. „Für uns ist das Neuland“, sagt Hubert Mock und ergänzt: „In der Folgekultur will ich die Pflanzen nicht stehen haben.“ Will heißen: Im Winter hoffen die Landwirte auf ausreichend Frost, damit die Greening-Pflanzen wieder verschwinden.

Betriebe mit bis zu 10 Hektar Ackerland sind von dieser Verpflichtung freigestellt. Betriebe mit 10 bis 30 Hektar müssen mindestens zwei Kulturen anbauen. Dabei darf der Flächenanteil der Hauptkultur 75 Prozent nicht überschreiten. Betriebe mit über 30 Hektar Ackerland müssen mindestens drei Kulturen anbauen, wobei der Flächenanteil der Hauptkultur nicht mehr als 75 Prozent und der Flächenanteil der ersten beiden Kulturen zusammen nicht mehr als 95 Prozent betragen darf.

Nochmal zurück zur Ernte: Hubert Mock lobt ausdrücklich das Zusammenspiel von Landwirten und sonstigen Nutzern der Wirtschaftswege rund um den Blau-steinsee. Es habe keinerlei Ärger gegeben. Das sei längst nicht immer so gewesen. Und er bezieht zu einem weiteren Thema Stellung: Gülle, die in diesen Tagen auf die Felder gebracht wird. Man dürfe lediglich 15 Kubikmeter pro Hektar aufbringen und die Gülle bestehe zu 80 Prozent aus Wasser.

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