Adam Burda: „Ich bin eigentlich auch ein kleiner Koch”

Von: Isabelle Hennes
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Jeden Tag steht Adam Burda mit
Jeden Tag steht Adam Burda mit seinem grüne Wagen an der Ecke Grabenstraße/Englerthstraße in der Fußgängerzone und verkauft Rostbratwürste und Krakauer im Brötchen. Foto: Isabelle Hennes

Eschweiler. Es ist noch nicht viel los in Eschweilers Einkaufsstraßen. Einige Geschäftsleute huschen an den Schaufenstern vorbei, eine Mutter schiebt gemütlich ihren Kinderwagen vor sich her, neben dem Supermarkt sitzen trotz kühler neun Grad zwei ältere Damen draußen vor dem Café einer Bäckerei und unterhalten sich angeregt.

Es ist kurz vor 11.30 Uhr. Der kleine grüne Wagen mit dem Fahrradsitz hinten dran steht schon da. Was noch fehlt, ist sein Besitzer: Adam Burda. Der 54-Jährige verkauft täglich Würstchen in der Eschweiler Innenstadt. Hinter seinem grünen Wagen verbirgt sich ein Gasgrill, der in etwa der Fläche einer Schreibtischunterlage entspricht.

Burda kommt aus dem Hauseingang an der Englerth-straße hinaus, eine Gasflasche in der Hand. Bevor sein Geschäft losgehen kann, muss er jeden morgen für ausreichend Gas, frische Brötchen und einen sauberen Grill sorgen. Seit rund vier Jahren ist Burda der selbst ernannte „WürstchenDealer” in Eschweilers Zentrum.

Gerade hat er die neue Gasflasche angeschlossen und die ersten Brötchen durchgeschnitten, da kommt auch schon der erste Kunde. „Was hätten Sie gerne drauf?”, fragt Burda. „Nur die Wurst bitte”, sagt der Kunde. Vielleicht ist es noch etwas zu früh für Ketchup und Senf. Burda reibt sich die Hände „Ganz schön frisch heute Morgen”, sagt er.

Vielleicht muss er gleich noch mal schnell rein, sich eine wärmere Jacke anziehen. Sein Zuhause ist nur wenige Meter entfernt: Das Spielwarengeschäft Holz-Ecke an der Englerthstraße gehört seiner Frau, darüber ist ihre gemeinsame Wohnung. Die beiden haben zwei Kinder, eine zwölfjährige Tochter und einen 23-jährigen Sohn.

Eine Tante in Eschweiler

Vor 24 Jahren ist Burda aus Cottbus nach Eschweiler gekommen. Wegen einer Tante, die in Eschweiler wohnte, wurde sein Ausreiseantrag aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) genehmigt. Die Wende hat der 54-Jährige nicht mehr in seiner Heimat erlebt. „Ich kam damals aus dem goldenen Osten”, sagt Burda und grinst verschmitzt.

Im Osten habe er weniger arbeiten müssen und mehr Geld in der Tasche gehabt, als heute in Eschweiler. Damals, kurz vor dem Mauerfall, dachte Burda, im Westen sei alles besser. „Aber hier fliegen auch keine gebratenen Hähnchen durch die Luft”, sagt Burda lachend.

Was im wörtlichen Sinn für ihn als Würstchenverkäufer natürlich auch nicht so vorteilhaft wäre. Aber Burda fühlt sich wohl in seiner Rolle. Seine Devise: Hauptsache, der Job macht Spaß. Ein bisschen Idealismus hat er sich erhalten. Er musste eine Zeit lang suchen, bis er beruflich das Richtige für ihn gefunden hat. „Das ist wie bei der Partnerwahl”, sagt Burda.

Seine Ausbildung hat Burda als Klempner gemacht. Anschließend hat es ihn als Matrosen von seinem Heimathafen in Rostock nach Fernost gezogen. Er war in Thailand, Hongkong und Singapur. „Viel Armut habe ich in diesen Ländern gesehen”, sagt Burda. Da ist die Arbeit in der Eschweiler Fußgängerzone ein großer Gegensatz.

„Morgen Chef, alles klar?”, begrüßt Burda den nächsten Kunden. Es ist Jürgen Eisrich, 56 Jahre alt. Er kommt regelmäßig zu Burda, um eine Bratwurst zu essen. Leckere Würstchen oder keine leckeren Würstchen - das ist bei Eisrich die Frage. Und weil es ihm bei Burda schmeckt, kommt er wieder. Die beiden kennen sich privat.

Als Eisrich sieht, dass Burda keine Brötchen mehr hat, nimmt Eisrich sich die Jutetasche und holt neue bei der Bäckerei. Burda passt währenddessen auf Eisrichs Aktenkoffer auf. Fast 30 Cent kostet ein normales Brötchen, in das Burda eine Rostbratwurst oder Krakauer steckt. Auch, wenn es heute Vormittag gut läuft, ist es nicht so leicht, Würstchen an den Mann oder die Frau zu bringen.

70 bis 120 Würstchen muss Burda am Tag schon verkaufen, damit sich sein Geschäft mit dem grünen Wagen lohnt. Gegen Ende des Monats verwerden es meist weniger, weil die Menschen nicht mehr so viel Geld haben. Ob sein Geschäft gut oder schlecht läuft, hängt natürlich auch vom Wetter ab. Regnet es, geht der Umsatz um rund die Hälfte zurück im Vergleich zu dem an sonnigen Tagen. Und: Die Konkurrenz ist groß. Überall in der Stadt gibt es Pommesbuden, viele Berufstätige holen sich in der Mittagspause einen Döner.

Leibgericht: Linseneintopf

Hin und wieder erlebt Burda, dass Kunden bei ihm ein Würstchen zum Mitnehmen bestellen. Zuhause gibt es dann Möhrengemüse mit einer Rostbratwurst vom grünen Wagen. Er selber isst am liebsten selbst gemachten Linseneintopf. Den kocht meistens seine Frau. „Aber ich bin ja eigentlich auch ein kleiner Koch”, sagt Burda grinsend. Deshalb testet er seine Rostbratwürste jeden zweiten Tag selbst. „Ich will ja wissen, was ich meinen Kunden anbiete”, sagt er. Kurz vor 12.30 Uhr muss Burda zum ersten Mal Würstchen nachlegen. Zwischen 17 und 18 Uhr macht er meistens Feierabend.

Angefangen als Würstchenverkäufer hat er vor zehn Jahren in Aachen auf der Adalbertstraße. Damals musste er sich seinen Grill noch umhängen, ein sogenannter Bauchladen war das. Der wurde ihm aber irgendwann zu schwer, und er besorgte sich seinen grünen Wagen. Für den von der Stadt Aachen genehmigten einen Quadratmeter Verkaufsfläche war der Wagen zu groß, und so zog er um nach Eschweiler. Ans Aufhören hat Burda noch nicht gedacht. „Ich denke, wenn der Grill irgendwann mal größer ist als ich, ist es soweit”, sagt er und lacht.

Vielleicht steht er aber in zehn Jahren noch hier an der Ecke Grabenstraße/Englerthstraße. Vielleicht hat es ihn dann aber auch nach Mallorca verschlagen. Seinen grünen Wagen, den nimmt er aber in jedem Fall mit.
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