Achtung Kontrolle: Bäume unter der Lupe

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Verkehrssicherheit geht vor: Äste, die abbrechen könnten, werden kurzerhand abgeschnitten.
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Sie kennen jeden Baum in Eschweiler: Frank Altmeyer (l.) und Karl-Heinz Königs.

Eschweiler. Wenn sich Karl-Heinz Königs und Frank Altmeyer Eschweilers Bäume anschauen, dann ist das Gehölz auf dem Prüfstand. Bei der „Sichtkontrolle“ entgeht den beiden städtischen Baumkontrolleuren nichts. Wurzeln und Standfestigkeit, Stamm und Bruchgefahr, Krone und absturzgefährdete Äste – Königs und Altmeyer haben alles im Blick.

Löst sich der Boden an den Wurzeln, hat die Rinde Schäden, gibt es Totholz oder Äste die aneinanderreiben, dann bekommt der Baum einen Eintrag in seine Akte. Eine Akte für einen Baum? Ja, in Eschweiler hat jeder städtische Baum eine eigene Akte. Darin sind neben Art und Standort auch Alter, Höhe, Kronen- und Stammdurchmesser verzeichnet. Aus diesen Daten aller städtischen Bäume in Eschweiler setzt sich das derzeit im Aufbau befindliche Baumkataster zusammen. Seit rund drei Jahren arbeiten Altmeyer und Königs daran, alle Bäume in die Datenbank aufzunehmen. Etwas mehr als zwei Drittel haben sie bereits erfasst.

5500 Bäume am Straßenrand

Ein Blick in das Kataster zeigt: In Eschweiler gibt es rund 13.000 Bäume auf städtischem Grund. Dabei sind die Waldgebiete noch nicht einmal mitgerechnet. Eine Menge Grün also. Wichtig ist dabei immer der Standort des Baums. 2760 städtische Gehölze stehen in Grünanlagen, 2030 auf Friedhöfen, 2710 auf Grundstücken mit städtischen Gebäuden. Rund 5500 Bäume stehen am Straßenrand. Der Zustand der Straßenbäume wird besonders intensiv kontrolliert. Dabei geht es schließlich um Verkehrssicherheit. Fällt ein Ast auf die Fahrbahn, kann das schwerwiegende Folgen haben. „Dicke Zweige können zum Geschoss werden“, sagt Hedwig Assenmacher, Leiterin der Abteilung für Freiraum und Grünordnung der Stadt.

Aber auch die anderen Bäume lässt die Stadt nicht einfach vor sich hin wachsen. Sie brauchen Pflege. Damit man weiß, welcher Baum geschnitten, welcher vielleicht sogar gefällt werden muss, kontrollieren Königs und Altmeyer jeden städtischen Baum mindestens einmal im Jahr. „Aus diesen Kontrollen leiten wir dann die baumpflegerischen Maßnahmen ab“, sagt Königs.

Das haben Königs und Altmeyer zum Beispiel für einen Baum an der Ecke Olympiastraße/Bergstraße in Hücheln gemacht. Der elf Meter hohe Bergahorn ragt mit seiner Krone zu nah an das danebenstehende Wohnhaus heran. Außerdem sind abgestorbene Äste in der Krone. Das hat Frank Altmeyer in die Akte des Baums eingetragen. Nun rückt eine Fachfirma an, die den Baum schneidet.

Was den Baumbestand in der Indestadt angeht, sind Assenmacher und Hermann Gödde, Technischer Beigeordneter, weitgehend zufrieden. Sie finden die Entwicklung der vergangenen Jahre positiv. „In den letzten zehn Jahren ist die Innenstadt richtig grün geworden“, sagt Gödde. In der Fußgängerzone, der Bismarck- und Marienstraße und an weiteren Stellen habe man zusätzliche Bäume gepflanzt.

Bei Neupflanzungen setze man vorwiegend auf Hainbuche, Ahorn, Linde, Esche oder den widerstandsfähigen Amber-Baum. Probleme gibt es bei Platanen, sie seien häufig vom Massaria-Pilz befallen. Bei Rosskastanien habe man oft mit der Miniermotte zu kämpfen, sagt Assenmacher.

Nadelbäume finden sich im städtischen Baumbestand selten, 90 Prozent tragen Laub. „Nadelbäume haben wir höchsten auf Friedhöfen, oder vereinzelt auf anderen Grünanlagen“, sagt Assenmacher. Die verbreitetsten Arten in Eschweiler sind Linde, Ahorn und Hainbuche. In der Waldsiedlung und in Nothberg gibt es sehr viele Eichen. In Dürwiß und Weisweiler stehen viele Hainbuchen.

Die Zusammensetzung des Baumbestands ergebe ein stimmiges Bild: „Was den Baumbestand angeht, sind wir gut aufgestellt. Es geht darum, ihn zu erhalten“, sagt Assenmacher. Trotzdem müssen immer wieder Gehölze gefällt werden. Im Jahr 2012 fielen 155 städtische Bäume der Kettensäge zum Opfer. Gründe dafür waren Krankheiten, Verkehrsgefährdungen, die Altmeyer und Königs bei ihren Kontrollen feststellten, oder Baumaßnahmen – denn manchmal waren die Bäume schlicht im Weg.

Wenn gefällt wird, dann müssen Altmeyer und Königs immer wieder Erklärungsarbeit leisten. „Wir informieren die Bürger frühzeitig über unsere Maßnahmen. Das ist wichtig, denn dann ist auch Akzeptanz da“, sagt Altmeyer. Ab und an haben sie aber auch mit extremen Umständen zu tun. Vor rund zwei Jahren stellten sie bei einer großen Blutbuche auf dem Friedhof in Dürwiß einen Pilz fest. Die stattliche Buche war nicht mehr zu retten. „Man hat dem Baum im belaubten Zustand gar nicht angesehen, dass er krank war. Aber er musste weg“, sagt Königs. Vielen Leuten passte das gar nicht. Einige Leute hätten sich eigens in der Nähe des Baumes beisetzen lassen, weil er so schön gewesen sei. „Die Leute hatten eine Beziehung zu dem Baum“, sagt Königs. Und die wurde mit der Kettensäge gekappt. Aber: „Wenn man den Leuten erklärt, was die Gründe sind, sind sie einsichtig“, sagt er.

Und einen Ausgleich gibt es obendrein. Die Stadt will für jeden Baum, den sie fällt, einen neuen pflanzen. Möglichst am gleichen Ort. Aber das sei nicht immer machbar, sagt Assenmacher. Wenn es nicht möglich ist, den Baum an Ort und Stelle zu ersetzen, weicht man zum Beispiel auf Flächen am Blausteinsee, am Radweg entlang der Dürener Straße oder an der Halde in Eschweiler-Ost aus. Im Schnitt kostet ein neuer Baum die Stadt – je nach Sorte – 250 bis 300 Euro. Dazu kommen noch Arbeitszeit fürs Pflanzen, Kosten für das Gestänge um den Baum und für ein wurzelfreundliches Erdreich.

Mit und mit werden Altmeyer und Königs auch diese neugepflanzten Gehölze kontrollieren, sie mit ihren Schwachstellen kennenlernen. Denn in einem Punkt bilden die Neuen keine Ausnahmen: Altmeyer und Königs kennen jeden Baum in Eschweiler.

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