Abschied nach tausenden Geburten

Von: Irmgard Röhseler
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Der Storch und Babys waren sei
Der Storch und Babys waren seine ständigen Begleiter: Professor Dr. Christian Karl verlässt Ende August das Eschweiler Hospital. In den Ruhestand geht er aber noch nicht. Foto: Röhseler

Eschweiler. Auf seinem Arm fühlt sich Noel sichtbar wohl. Der kleine Erdenbürger ist zwar erst wenige Stunden alt, aber Professor Dr. Christian Karl ist schließlich derjenige, der ihn in diesem Leben als Erster begrüßt hat.

Wie viele Kinder der Chefarzt der Abteilung Geburtshilfe und Gynäkologie am St.-Antonius-Hospital auf die Welt geholt hat, weiß er nicht genau. „Aber es waren schon einige Tausend”, lächelt er versonnen. Noel ist wohl einer der letzten kleinen Schreihälse, den Professor Dr. Christian Karl in der Indestadt begrüßt hat. Denn Ende des Monats hängt der Professor und Ärztliche Direktor den (Hospital)-Kittel an den Nagel.

Es ist unschwer zu erkennen, dass dem Mediziner der Abschied schwer fällt. Rund 22 Jahre lang leitete der gebürtige Regensburger die Abteilung im Eschweiler Krankenhaus, die er zu einer ersten Adresse in der Region und darüber hinaus gemacht hat. „Ich habe die Abteilung in schwierigen Zeiten übernommen und mein ganzes Herzblut in den Aufbau einfließen lassen”, blickt er zurück. Ja, man kann mit Fug und Recht sagen, dass die Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Antonius-Hospital unter seiner Leitung einen richtigen Aufschwung erfahren hat. So engagierte sich Professor Dr. Christian Karl für eine familienorientierte Geburtshilfe mit integrierter Wochenbettversorgung und führte 1995 die Wassergeburt ein. Damals war das St.-Antonius-Hospital das erste in Kreis und Stadt Aachen, das die sanfte Art der Geburt anbot.

Nach aufwändigen Modernisierungsmaßnahmen verfügt die Station über besten Komfort. So können sich die Wöchnerinnen unter anderem an Frühstücks- und Abendbuffets bedienen. Professor Karl war es auch, der in Eschweiler das „Rooming in” einführte, das für mehr Nähe von Mutter und Kind sorgte, und ein Familienzimmer einrichten ließ, in dem auch die frisch gebackenen Väter übernachten können. Zudem gründete er den Storchenbiss-Verein, eine Elternschule, die (werdenden) Eltern mit Rat und Tat zum Thema „Rund um die Geburt” zur Seite steht. Außerdem verfügt das Hospital seit 2003 über eine eigene Hebammen-Praxis namens „Kugelrund”. „So konnten wir die Betreuung noch umfassender machen!”, so Professor Karl. Er war es auch, der den „sanften Kaiserschnitt” einführte und die Dammschnitte abschaffte („Das machen wir nur, wenn es absolut nötig ist!”).

Als Verfechter von Naturheilverfahren sorgte Professor Karl dafür, dass Ärzte und Hebammen in Akupunktur, Homöopathie und Bachblütentherapie fortgebildet wurden. Wo Babys auf die Welt kommen, sollten auch entsprechende Fachärzte sein. Früher kooperierte das Hospital mit dem Stolberger Krankenhaus, seit einiger Zeit nun mit dem Klinikum Aachen. „Das heißt, das täglich Kinderärzte nach unseren Neugeborenen schauen”, so Professor Karl weiter.

Seit 2001 ist Professor Dr. Christian Karl der Sprecher des Euregio-Brustzentrums. Die Einrichtung des EBZ war ein entscheidender Durchbruch auf dem Weg zu einer höheren Heilungsrate. Denn das gegenwärtige Wissen um die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten innerhalb eines Hauses so zu bündeln, trägt zu einer optimalen Betreuung der Patienten bei. „Wir waren das erste zertifizierte Brustzentrum in NRW und das dritte in der Bundesrepublik”, erzählt Professor Karl.

„In der Karzinomchirurgie hat sich das Eschweiler Krankenhaus ebenfalls überregional einen guten Namen gemacht. Genauso wie in der mikroinvasiven und Senkungs- und Inkontinenzchirurgie”, berichtet er weiter. Es ist also eine ganze Menge geschehen unter seiner Leitung. „Neben dem höchsten fachlichen Anspruch steht für mich der Aspekt der Menschlichkeit im Umgang mit Patienten und Personal immer mit an erster Stelle”, betont er.

Nun verlässt der Kapitän das Mutterschiff Gynäkologie. Ende des Monats übergibt er das Ruder an Dr. Frank C. Spickhoff. Und spätestens dann werden im Hospital die Tränen fließen. Denn nicht nur Professor Dr. Christian Karl fällt der Abschied schwer, sondern auch seinem Team, mit dem er stets gut zusammengearbeitet (und so manches Mal gefeiert) hat.

Professor Dr. Christian Karl beschreitet dann neue Wege. Der leidenschaftliche Skifahrer und Bergsteiger, der sich nichts anderes als den Arztberuf vorstellen kann, zieht den Kittel wieder an. Und zwar in einer Aachener Facharztpraxis für Gynäkologie, Senologie und gynäkologische Onkologie. „Ich kann noch nicht aufhören”, meint er: „Dafür liebe ich meinen Beruf zu sehr!”
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