Abriss City-Center: Wie teuer darf es sein?

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
14128404.jpg
Es ist ein ausgedehnter Komplex, der demnächst der Abrissbirne zum Opfer fallen soll: das City-Center, die angrenzende Moschee, das einstige Hertie-Kaufhaus, das Parkhaus und das landwirtschaftliche Anwesen, die das Rathaus zwischen Inde- und Dürener Straße umklammern. Foto: R. Müller

Eschweiler. 4,7 Millionen Euro soll er kosten, der Abriss des City-Centers samt früherem Hertie-Kaufhaus, Parkhaus, dem landwirtschaftlichen Anwesen an der Ecke Indestraße/Peilsgasse und der bisherigen Moschee an der Wollenweberstraße. Diese Summe nannte Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde im Stadtrat.

Die Kosten werden überwiegend vom Land getragen. Dazu werden Abbruchkosten und fiktive Gebäude-Restwerte addiert und die Summe halbiert. Der so festgesetzte Betrag wird zu 80 Prozent vom Land übernommen; Investor und Stadt tragen lediglich je zehn Prozent.

„Grobe Kostenschätzung“

Dass sich die Abbruchkosten tatsächlich auf 4,7 Millionen Euro belaufen, das zieht die CDU jetzt vehement in Zweifel. Fraktionschef Willi Bündgens liegt ein Schreiben eines Heinsberger Unternehmens vor, in dem die Abrisskosten mit 1,8865 Millionen Euro inklusive Mehrwertsteuer beziffert werden – errechnet anhand eines Bestandsplans und nach einem Ortstermin. Das Schreiben datiert vom 27. Februar 2015.

2,9 Millionen Differenz – wie ist das möglich? Das will Willi Bündgens jetzt vom Technischen Beigeordneten wissen. Er geht davon aus, dass die ihm vorliegenden Papiere aus einem Antwortschreiben des Unternehmens auf eine Anfrage der Stadt stammen und die Zahlen dem Beigeordneten somit bekannt sein müssten.

Gödde reagiert verärgert auf den Vorstoß der Christdemokraten. Die Zahlen der Heinsberger Firma seien keine solide Kalkulation, sondern eine grobe Kostenschätzung, die zudem viele Faktoren außer Acht ließen. So handele es sich nicht um einen von der Stadt angeforderten Kostenvoranschlag, sondern um ein rein internes Papier des Unternehmens, das gemeinsam mit einem in Belgien ansässigen Investor als Projektentwickler auftreten wollte, dann aber nicht zum Zuge kam.

„Dieser Investor wollte unter anderem den Marktplatz unterkellern“, so Gödde. Die Kostenangaben des Unternehmens berücksichtigten weder den Abriss der Moschee noch Versorgungsleitungen noch eventuelle Schadstoffe wie Asbest oder PCB. In der Kalkulation, die ein anderes regionales Fachunternehmen für die Stadt gefertigt hat, sei dies alles dagegen berücksichtigt. Da seien Schadstoffbelastungen untersucht und Keller gecheckt worden.

„Bis dahin war zum Beispiel gar keinem bewusst, dass im City-Center auch mal eine chemische Reinigung war“, sagt Gödde. „Dass die uns vorliegende Kalkulation seriös ist, zeigt die Tatsache, dass sie von der Bezirksregierung akribisch geprüft und abgesegnet worden ist“, so Hermann Gödde. Noch am Donnerstagabend, als Gödde von Bündgens über die Zahlen aus Heinsberg informiert wurde, habe er das Unternehmen kontaktiert und um eine Stellungnahme gebeten.

Dessen Geschäftsführer habe sich über die Veröffentlichung des internen Schreibens wenig erfreut gezeigt und zugesagt, sich am Montag näher zu den Inhalten der Kostenauflistung zu äußern.

Ob der Abriss des Komplexes, der dem Neubau von Wohn-, Geschäfts- und Bürohäusern samt Kindertagesstätte weichen soll, tatsächlich 4,7 Millionen Euro kosten wird, steht noch in den Sternen. Die Investoren Ralf Schumacher und Bernd Pieroth müssen den Abbruch deutschlandweit ausschreiben. Da könnten durchaus auch günstigere Angebote kommen.

Der Verstoß der CDU stößt Hermann Gödde sauer auf. „Als Technischer Beigeordneter muss ich sagen: Zwar behauptet die CDU immer, das Projekt mitzutragen, aber hier wird von der CDU Wahlkampf ohne Rücksicht auf Gefahren gemacht – mit einem Thema, mit dem die CDU ohnehin nicht zufrieden ist und das sie in jeder Planungsausschusssitzung zu torpedieren versucht.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert