Eschweiler - Abpfiff für einen Traditionsverein: ESG ist Geschichte

Abpfiff für einen Traditionsverein: ESG ist Geschichte

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
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Aus und vorbei: Was sich lange Zeit abgezeichnet hat, ist nun Wirklichkeit. Am Dienstagabend wurde die ESG-Fußballabteilung aufgelöst. Am Patternhof war der Spielbetrieb schon zum Ende der Vorsaison eingestellt. Foto: Patrick Nowicki
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Ein großer Moment in der Historie der ESG: Am 3. Juli 1962 spielte die ESG im DFB-Pokal vor 8000 Zuschauern am Patternhof gegen Schalke 04. Foto: Archiv
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Langes ist es her, als Olaf Poll (rechts im Bild) für die ESG wirbelte. Hier lässt er Markus Erz und Simon Bündgens (links) stehen. Foto: Archiv

Eschweiler. Josef Stiel erinnert sich noch gut an die goldenen Jahre der Eschweiler Sportgemeinschaft. An das Spiel gegen Werder Bremen am 12. September des Jahres 1972. Die Eschweiler Mannschaft, damals in der Verbandsliga, verlor zwar vor 3000 Zuschauern mit 1:2, aber der Umzug zum Patternhof sollte eine neue Ära einläuten.

Als am Dienstagabend das Ende der ESG in einem Raum des Hauses Lersch an der Dürener Straße beschlossen wurde, saßen ganze sechs Personen am Tisch. Josef Stiel war einer von ihnen, auch wenn er schon seit vielen Jahren nicht mehr in vorderster Front tätig ist.

In den vergangenen Monaten hat sich das Ende des Traditionsvereins abgezeichnet. Fusionsgespräche mit Verantwortlichen des FC Rhenania Eschweiler vor zwei Jahren versandeten. Im vergangenen Frühjahr wurde bekannt, dass man versucht, sich mit dem FV-Vorstand zu einigen.

Grundsätzliches Interesse bestand auf beiden Seiten – zum Zusammenschluss kam es jedoch nicht. Grund war dem Vernehmen nach eine fünfstellige Steuerschuld, die den Verein ESG belastet. Genaue Zahlen wurden bisher nie bekannt.

Finanzielle Schwierigkeiten

Schon vor 17 Jahren führten finanzielle Schwierigkeiten zu einem Neuanfang. Bei den besten Fußballclubs der Region – dazu zählte auch die ESG – schaute das Finanzamt damals genauer hin. Das Ergebnis war für die damaligen Verantwortlichen der ESG erschütternd: 90.000 D-Mark (heute knapp 45.000 Euro) betrug die Steuerschuld.

Ein Konkurs hätte dazu geführt, dass die Tennis-Abteilung ihr Vereinsheim und die Anlage in Bergrath verliert. In einem gemeinsamen Kraftakt aller Abteilungen wurde das Geld aufgebracht. Die Geschichte des Großvereins ESG endete jedoch an dieser Stelle, die Abteilungen spalteten sich ab und gründeten eigene Vereine.

Die „Jrööne“

Bürgermeister Rudi Bertram war zu diesem Zeitpunkt schon im Amt. Die Entwicklung in der indestädtischen Vereinslandschaft hat er als Amtsleiter des Sportamtes zuvor schon aufmerksam verfolgen können. „Ich habe immer versucht, Prozesse zu beschleunigen, um Kräfte zu bündeln – vergeblich“, schildert Bertram. Der Verwaltungschef war Teil der erfolgreichen Zeit als Mittelfeldspieler der ESG Ende der 70er Jahre und Anfang der 80er Jahre.

„Wenn ich das Trikot angezogen habe, dann hatte ich das Gefühl, für Eschweiler zu spielen“, sagt er heute. Die „Jrööne“, wie sie im Volksmund genannt wurden, waren über Jahrzehnte hinweg der klassenhöchste und erfolgreichste Verein der Indestadt. „Als Fußballfan blutet mir natürlich das Herz“, gesteht der Verwaltungschef.

Viele der Spieler stammten auch aus den eigenen Jugendmannschaften. Jugendleiter in den 80er und 90er Jahren war Josef Stiel, der sein Faible für den Verein durch seine Söhne Dirk und Michael gewann. „Es war immer unser Ziel, Spieler auszubilden, die irgendwann einmal auch in der 1. Mannschaft spielen können“, erzählt er.

Da das Team in der Verbandsliga kickte, war es selbst für besonders talentierte Kicker attraktiv, die ersten Schritte im Seniorenfußball bei der ESG zu machen. Zu Stiels Zeiten als Jugendleiter wuchsen nicht nur seine Söhne, auch Spieler wie Peter Burlet, Andreas Imping und Thomas Knappe zu Stützen des Verbandsliga-Teams.

Andere bekannte Namen streiften ebenfalls einst das Trikot der ESG über: Joaquín Montañés, Heinz-Gerd Klostermann, Karl-Heinz Krott und Michael Pfeiffer, um nur einige zu nennen.

Der sportliche Erfolg übertünchte jedoch das strukturelle Problem: Die Zahl der Ehrenamtler sank kontinuierlich, auf der anderen Seite wuchsen die Herausforderungen. „Jeder Ehrenamtler muss wissen, dass man die Struktur des Vereins heute an den Gegebenheiten anpassen und sich auch Unterstützung holen muss, indem man zum Beispiel Steuerberater hinzuholt“, sagt Rudi Bertram. Sein Credo: Aus zwei schwächelnden Vereinen kann ein gestärkter Verein hervorgehen. Auch das Schicksal der ESG spiegelt dies wider.

Vor zwei Jahren gab es zuletzt ein wenig Aufbruchstimmung. Damals hatte der Verein die Rückkehr von der Kreisliga C in die B-Liga geschafft. Nachhaltig war das nicht, wie man nun weiß.

In diesem Sommer meldete sich die gesamte 1. Mannschaft ab und schloss sich dem FV Eschweiler an. Das Team steht derzeit an Platz 1 der Tabelle in der Kreisliga C. Auch die Fusion im Süden der Stadt sei für Bertram ein Paradebeispiel, dass das Zusammengehen von Clubs Vorteile bringe – in diesem Fall fusionierten der SV Nothberg und der FC Preußen Hastenrath zum SC Berger Preuß.

Von den zuletzt noch knapp 60 Mitgliedern hatte am Dienstagabend also gerade einmal ein Zehntel an der Versammlung, deren Ziel von Anfang an klar war: Wenn sich nicht spontan zahlreiche Menschen zur Verfügung stellen, ein Ehrenamt zu übernehmen, wird das Aus des Vereins besiegelt. Das Ergebnis ist bekannt.

Das Tor zum 1:5 von Onur Kurtulus im Spiel gegen Breinig III der Kreisliga B am 11. Juni dieses Jahres hat dadurch historischen Charakter erhalten. Es ist der letzte Treffer der ESG in ihrer langen Geschichte.

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