Eschweiler - Abiturzeugnisse überreicht: Zwölf Jahre lang „durchgemuggelt“

Abiturzeugnisse überreicht: Zwölf Jahre lang „durchgemuggelt“

Von: Andreas Röchter
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Auf dem Weg „Raus in die Welt“: Die Abiturienten der Bischöflichen Liebfrauenschule nahmen am Freitag im Rahmen einer würdevollen Feier in der Pfarrkirche St. Peter und Paul ihre Reifezeugnisse in Empfang. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es war der krönende Abschluss einer meist zwölfjährigen Schullaufbahn: 86 Schülerinnen und Schüler der Bischöflichen Liebfrauenschule (BLS) nahmen am Freitag im Rahmen einer würdevollen Feierstunde, die erstmals in der Pfarrkirche St. Peter und Paul stattfand, ihre Abiturzeugnisse entgegen. Nun dürfte die Zielrichtung der Ausgezeichneten eindeutig sein: „Raus in die Welt“.

Unter genau diesem Motto stand der von Pastor Michael Datené sowie Kaplan Andreas Züll zelebrierte und vom Oberstufenchor „Chorrect“ unter der Leitung von Professor Michael Hoppe musikalisch gestaltete Gottesdienst, mit der die Feierlichkeiten ihren Anfang nahmen. In seiner Predigt riet der Pfarrer den Abiturienten, ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen und nicht auf „den“ einen Moment zu warten, sondern jeden Moment als bedeutungsvollen Teil des Lebens zu begreifen.

Schulleiter Carsten Gier ergriff als erster Redner der anschließenden Abiturfeier die Gelegenheit, den nun ehemaligen Schülern von Herzen zu gratulieren. „86 junge Menschen haben heute allen Grund zu feiern. Bei 23 Abiturienten steht im Abschlusszeugnis eine Eins vor dem Komma“, betonte der Schulleiter, der sein Amt seit dem 1. Februar ausfüllt und unter den zahlreichen Gästen im vollbesetzten Gotteshaus nicht zuletzt seinen Vorgänger Bert Schopen erstmals als Privatier begrüßte, bevor er das Wort an die Eltern richtete.

„Sie haben sich vor acht Jahren dazu entschieden, die Bildung und Erziehung ihrer Kinder in unsere Hände zu legen. Danke für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung innerhalb der Schulpflegschaft und der Schulkonferenz.“ Doch auch den Abiturienten gebühre Dank für ihr vielfältiges Engagement in zahlreichen Bereichen des Schullebens. „Der Dreiklang, den Eltern, Lehrer und Schüler an dieser Schule bilden, lässt die BLS auch zu einem Ort der Herzensbildung werden. Nehmt eure Talente und diese Herzensbildung und tragt sie in der Gewissheit, dass euer Handeln Sinn macht, hinaus in die Welt“, gab Carsten Gier den Schulabgängern mit auf den Weg.

Pfarrer Michael Datené knüpfte in seinem Grußwort an die Botschaft seiner Predigt an: „Die Welt braucht euch als Spieler mitten auf dem Spielfeld, nicht als Kritiker, die am Rande stehen und mehr oder weniger kluge Kommentare abgeben.“ Ein unvermeidbarer Teil des Lebens sei das Scheitern. Doch gerade derjenige, der trotz des Scheiterns immer wieder die Kraft aufbringe, sich zu bemühen, verdiene Anerkennung. „Ich wünsche euch die gewisse Dosis Mut, um Wege zu gehen, die neue Horizonte eröffnen, um im besten Fall den Triumph einer großen Leistung zu erleben“, schloss Michael Datené.

Bürgermeister Rudi Bertram forderte die Abiturienten auf, den Blick nicht ausschließlich nach vorne, sondern auch nach rechts und links zu richten und das Miteinander keinesfalls zu vernachlässigen. „Werfen Sie ihre sozialen Kompetenzen in die Waagschale, bringen Sie sich zum Wohle der Allgemeinheit gesellschaftlich ein, vielleicht sogar als Spielführer“, nahm er den Pass seines Vorredners auf. Manuel Verhufen wies als Vertreter des Schulträgers Bistum Aachen auf die „ganzheitliche Erziehung“ an den bischöflichen Schulen hin, die die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit eines Schülers in den Vordergrund stelle. „Im Mittelpunkt steht der Mensch um seiner selbst willen.“

Nicht die Leistung mache den Menschen aus, sondern sein Menschsein. „Sie gehen bestens gerüstet in die Zukunft. Setzen Sie ihre Fähigkeiten auch zu Gunsten von Schwachen, Benachteiligten und Noch-Fremden ein. Hinterfragen Sie bestehende Strukturen kritisch“, so die Bitte und der Ratschlag des Referenten für Schulplanung und Schulentwicklung beim Bistum Aachen.

Als Elternvertreter der Jahrgangsstufe Q2 tauchte Elmar Kugel noch einmal in das Abischerz-Motto „Abi Potter – zwölf Jahre durchgemuggelt“ ein. Ähnlich wie die Zauberlehrlinge in Hogwarts seien die Liebfrauenschüler auf der Suche nach dem Stein der Weisen gewesen. Letztlich erfolgreich: „Ihr habt es geschafft!“ Das Reifezeugnis sei nun der Türöffner, so Elmar Kugel, der den Jahrgangsstufenleitern Britta Brech und Rolf Schwoll ein großes Kompliment machte.

„Ihre Türen standen für Schüler und Eltern immer offen!“ Kurz darauf ließen die Jahrgangsstufensprecher Klara Eßer und Christian Dickmeis mit einem Parforceritt acht Jahre BLS Revue passieren. „Im Jahr 2009 ging die Reise los. Wir waren klein, fühlten uns aber groß, weil wir eine Unterschrift leisten durften, mit der wir bestätigten, unsere Bücher erhalten zu haben“, erinnerte sich Christian Dickmeis. Es folgte die schicksalhafte Frage „Latein oder Französisch“, Fahrten unter anderem in Richtung Trier, England, Berlin, Ameland, Rom sowie in die Bretagne, bevor allerspätestens im Frühjahr dieses Jahres allen bewusst geworden sei, dass es nun ernst werde und das Abitur unmittelbar bevorstehe.

Klara Eßer richtete das Wort an Britta Brech und Rolf Schwoll und dankte den beiden Lehrern, „die stets unsere Sorgen ernstgenommen haben“ auch im Namen ihrer Mitschüler. „Nun freuen wir uns auf das, was kommt, auch wenn Abschiede bevorstehen, die nicht leicht fallen werden“, blickte Christian Dickmeis abschließend in die nahe Zukunft.

Jahrgangsstufenleiterin Britta Brech, die die Schüler der ehemaligen A-Klasse der Jahrgangsstufe bereits vor sechs Jahren kennengelernt hatte, erinnerte an den Augenblick, an dem ihr zu Beginn der Oberstufe in der Einführungsphase mit Rolf Schwoll ein „erfahrener Seebär“ an die Seite gestellt worden sei. Dieser attestierte den jungen Matrosen zunächst eine etwas planlose Navigation, bevor der richtige Kurs eingeschlagen worden sei und das Schiff Fahrt aufgenommen habe.

„Wir konnten uns auf euch verlassen. Ihr hattet den Vertrauensvorschuss, der euch gewährt wurde, verdient“, lobte Britta Brech „ihre“ nun ehemaligen Schüler, deren soziales Engagement bemerkenswert sei. „Bleibt euch treu, seid offen. Und wartet nicht darauf, dass andere etwas verändern. Tut es selber!“, schrieb sie den Schützlingen ins Stammbuch. „Lebt wohl! Der Lateiner würde sagen: Valete! Genießt euer Leben und macht etwas daraus“, rief Rolf Schwoll den Abiturienten schließlich entgegen. Dann waren die großen Momente gekommen: Unter selbstgewählten Musikklängen nahmen die Abiturienten ihre Zeugnisse entgegen. Drei von ihnen duften sich über die Endnote 1,0 freuen.

Die gut zweistündige Abiturfeier hatte zuvor auch im Zeichen der Musik gestanden: Der Chor der sechsten Klassen unter der Leitung von Ralf Repohl stimmte zum Auftakt „It‘s my life“ von Bon Jovi sowie den Sportfreunde Stiller-Song „Applaus, Applaus“ an. Isabel Könemann schlüpfte in die Haut von Miley Cyrus und intonierte, unterstützt von Tim Jansen an der Gitarre, „When I look at you“ mit Bravour. Niko Marx ließ mit seinem Akkordeon „Verliebte Glühwürmchen“ in die Lüfte steigen, während das Gesangsduo Klara Eßer und Gina Wietzig-Waßenberg, ebenfalls von Gitarrist Tim Jansen begleitet, dem „Castle on the Hill“ von Ed Sheeran einen gefühlvollen Besuch abstattete.

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