Eschweiler - Abitur nach 12 oder 13 Jahren: G8 wird immer wieder diskutiert

Abitur nach 12 oder 13 Jahren: G8 wird immer wieder diskutiert

Von: Sonja Essers
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Mehr Stress oder nur schneller fertig? Das Abitur nach zwölf Schuljahren spaltet die Gemüter. Foto: Stock/Rainer Unkel

Eschweiler. Mehr Lernstoff in kürzerer Zeit, längere Unterrichtstage und weniger Freizeit. Daran haben sich Cindy Schwegler und Marcella Brzezina in den vergangenen Jahren bereits gewöhnt. Die Schülerinnen des Städtischen Gymnasiums Eschweiler stehen kurz vor ihren Abiturprüfungen und nutzen momentan jede freie Minute zum Lernen.

Sie haben ihre Hochschulreife bereits nach zwölf und nicht, wie vor zwei Jahren noch üblich, nach 13 Schuljahren in der Tasche. Darüber welcher Weg der bessere zum Abitur ist, lässt sich streiten. Doch was bringt eine verkürzte Schullaufbahn, wenn die Schüler nicht mehr wissen, was sie mit ihrer Zukunft anfangen wollen? „Ich finde, dass ich noch zu jung bin, um zu entscheiden, was ich später gerne einmal machen möchte“, meint die 18-jährige Marcella.

Cindy hingegen ist da ganz anderer Meinung. Sie findet es gut, dass sie früher ins Berufsleben starten kann. Die Schulreform, die vor allem unter dem Namen G8 bekannt ist, hat sowohl Vor-, als auch Nachteile. In diesen Punkt sind sich alle Beteiligten einig.

Für Marcellla überwiegen jedoch eindeutig Letztere. Dazu zählt auch das Alter der Abiturienten. „Viele Schüler machen jetzt mit 17 Jahren das Abitur und wenn sie dann studieren wollen, müssen die Eltern mit zur Uni gehen und ihre Kinder anmelden.“ Sie ist sich sicher: „Auf jeden Fall wäre es sinnvoll G9 zurückzuholen. Man hat ein Jahr länger Schule und ich glaube, dass dann auch die Noten von vielen Schülern besser wären.“

Ihre Mitschülerin Cindy ist jedoch anderer Meinung. Sie und ihre Freunde diskutieren in ihrer Freizeit häufig über die Reform und sind sich darüber einig, dass zwölf Schuljahre vollkommen ausreichen: „Viele meiner Mitschüler finden G8 einfach besser, weil sie dann früher mit der Schule fertig sind.“

So könne man die Zeit nach der Schule für ein Praktikum oder einen Auslandsaufenthalt nutzen, bevor der Ernst des Lebens so richtig losgeht. „Später kann man so etwas schließlich nicht mehr so einfach machen“, meint Schwegler. Doch auch wenn die beiden jungen Frauen ihre Schullaufbahn bald hinter sich gebracht haben, so sind sie sich rückblickend in einer Sache einig: Der Stress, dem die Schüler durch die Reform ausgesetzt sind, sei enorm. „Wir haben länger Schule, meistens bis drei Uhr aber ein oder zwei Mal in der Woche habe ich auch zehn Stunden Unterricht“, erklärt Schwegler und Brzezina ist der Meinung: Wenn man nebenbei noch arbeiten geht, dann ist das schon sehr stressig.“

Thomas Graff vertritt diesbezüglich eine andere Auffassung. Der Schulpflegschaftsvorsitzende des Städtischen Gymnasiums spricht aus Erfahrung. Schließlich hat er bereits sowohl Erfahrungen mit G 9, als auch mit G 8 gemacht. „Man merkt zwar, dass der Unterricht in den Nachmittagsstunden da ist, aber das ist nicht so signifikant. Das war vorher durch verschiedene AGs auch schon so.“ Er ist sich sicher: „Mein persönliches Empfinden ist, dass die Schüler durchaus in der Lage sind, am Nachmittag etwas zu tun.“

Dass dieses subjektive Empfinden jedoch von Schüler zu Schüler unterschiedlich sein kann, weiß auch Dr. Friedhelm Mersch, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums Eschweiler. „Ich vermute, dass die Beantwortung dieser Frage individuell bei den betroffenen Schülern sehr unterschiedlich ausfallen dürfte“, meint er. Verschiedene Faktoren wie das Arbeits-, Lern- und Freizeitverhalten seien schließlich so unterschiedlich, wie die Schüler selbst.

Doch wäre es wirklich sinnvoll G 9 wieder zurückzuholen? Nicht nur unter den Schülern wird diese Möglichkeit oft diskutiert. „Ich würde mich darüber aufregen, wenn G9 jetzt wieder zurückkommen würde, weil wir dafür die Versuchskaninchen waren“, meint Marcella Brzezina. Auch Thomas Graff steht einer erneuten Änderung kritisch gegenüber. „Wenn man wieder zu G 9 zurückgeht, dann hat man nur Chaos veranstaltet“, ist er sich sicher und fügt hinzu: „Ich finde, dass es sich mit einem ordentlichen Curriculum lohnt, die zwölf Jahre zu behalten.“

Marcella Brzezina fasst das Dilemma so zusammen: „Ein Nachteil von G 9 ist, dass mein ein Jahr länger die Schule muss aber für mich ist die Schulzeit die schönste Zeit.“

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