„Abitour de Franks“: Über viele Bergetappen zum Ziel

Von: Andreas Röchter
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Ließen sich bei der „Tour de Franks“ von keinem Hindernis aufhalten: die Abiturienten der Bischöflichen Liebfrauenschule. Foto: Andreas Röchter
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Ob Sportfreunde Stiller oder Coldplay: Der Chor der 6. Klasssen zeigte sich allen stimmlichen Herausforderungen gewachsen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Ankunft auf dem Champs-Élysées oder Ende des Prologs? Ansichtssache! Definitiv aber ein wichtiger Etappensieg! 105 nun ehemalige Schüler der Bischöflichen Liebfrauenschule erhielten am Freitag aus den Händen ihrer Jahrgangsstufenleiter Simone Frank und Carsten Gier die Abiturzeugnisse und schlossen damit die „Abitour de Franks 2014 – mit Gier zum Ziel“ erfolgreich ab.

 Im Rahmen einer würdevollen, fröhlichen und nicht zuletzt emotionalen Feierstunde in der voll besetzten Schulaula nahmen die frischgebackenen Inhaber der Allgemeinen Hochschulreife im Beisein ihrer Eltern, Geschwister, Verwandten und Freunde sowie der beiden Diamant-Abiturientinnen (60 Jahre) Renate Kleinert und Martha Keusgen Abschied von einer Institution, die ihr Leben mindestens acht Jahre lang geprägt hat.

So begrüßte Schulleiter Bert Schopen die Abiturienten letztmals als Schüler auf dem „Heiligen Hügel“. „Heute ist euer Tag. Ihr habt es geschafft!“, gab er die Parole aus. Und dies trotz zum Teil widriger Umstände. „Ich möchte an dieser Stelle zum Thema G8/G9 keine programmatische Rede halten. Nur so viel: Grundsätzlich bin ich kein Befürworter des Abiturs nach acht Jahren.

Steht nun aber die nächste Reform ins Haus, sollten sich die Verantwortlichen die Zeit nehmen, zunächst zu denken und erst danach zu handeln. Die Schüler dürfen nicht zum Spielball schul- oder finanzpolitischer Überlegungen werden. Verbind- und Verlässlichkeit statt Reform auf Reform sind gefragt“, betonte der Schulleiter, bevor er ein Grußwort seines Vorgängers Dr. Manfred Meier verlas.

Den Abiturienten machte er deutlich, dass sich diese nun im Besitz des höchstmöglichen deutschen Schulabschlusses befänden. „Damit gehört ihr zur Elite, so verpönt dieses Wort auch sein mag!“ Diese Tatsache eröffne unzählige Chancen, verpflichte aber auch.

„Bleibt kritisch und werdet keine Fähnlein im Wind! Begeht neue Wege und übernehmt Verantwortung. Und vor allem: Vergesst nicht die christlichen Werte, die bei allem Missbrauch dennoch die Grundlage unserer Kultur darstellen. Dazu zählt nicht zuletzt, niemals den Respekt vor anderen Menschen zu verlieren“, gab Bert Schopen den Absolventen mit auf den Weg.

Bürgermeister Rudi Bertram unterstrich in seinem kurzen Grußwort, dass Leistung natürlich wichtig sei, doch im Streben nach Erfolg nicht das Leben an sich in Vergessenheit geraten dürfe. „Gestalten sie die Gesellschaft mit und mischen sie sich auch in die Politik ein. Schauen sie optimistisch in die Zukunft und prägen sie diese mit ihren sozialen Kompetenzen“, forderte der Verwaltungschef.

Das Recht, „über die Maßen stolz zu sein“, sprach Irene Stenten als Vertreterin der Elternpflegschaft der Jahrgangsstufe den Abiturienten aus. „Die Bischöfliche Liebfrauenschule kam in den zurückliegenden acht Jahren als Herausforderung der Tour de France gleich. Den anfänglichen Flachetappen folgten bald erste Berge, zu deren Überquerung so mancher Schüler ganz schön hart in die Pedale treten musste. Die Oberstufe war schließlich gleichzusetzen mit den Königsetappen, die dem Gehirn alles abverlangten“, zog sie sportliche Vergleiche. „Diese Tour ist nun zu Ende. Bewahrt die geknüpften Freundschaften, habt den Mut zu träumen und arbeitet für diese Träume“, riet Irene Stenten.

Hohen Respekt zollte mit Stephanie Berretz auch die Vorsitzende der Schulpflegschaft: „Ein gestecktes Ziel zu erreichen, ist schwierig. Dazu sind unter anderem Wille, Durchhaltevermögen, Selbstbewusstsein und Flexibilität notwendig.“ Auch nach einem bestandenen Abitur höre das Lernen nicht auf. „Lebenslanges Lernen ist ein Privileg, den eigenen Horizont erweitern zu dürfen.“

Gisela Rudat machte anschließend als Vertreterin der Goldabiturientia auf launige Art und Weise deutlich, dass früher zwar nicht alles besser, aber definitiv anders war. „Wir knicksten auf den Fluren, wenn uns Lehrerinnen begegneten. Hosen waren tabu, auf Ausflügen wurde gesungen und samstags fanden sechs Stunden Unterricht statt“, so die Jubilarin.

Für Nadja Aschmann und Sofie Redding galt es als Vertreterinnen der Abiturienten, sich nach dem Überwinden zahlreicher Hindernisse in den vergangenen acht Jahren nun auch noch der Aufgabe einer grammatikalisch einwandfreien Rede vor Publikum zu stellen.

Eine Prüfung, der sich das Damen-Doppel beim Rückblick auf drei Jahre Oberstufe wortgewandt gewachsen zeigte: „Wie groß waren unsere Bedenken, als sich am Ende der 9. Jahrgangsstufe die Klassen auflösten! Und wie überrascht waren wir und andere, als wir uns zu sozialhandlungsfähigen Menschen entwickelten!“

Die Abschlussfahrt zum Gardasee am Ende der 11. Jahrgangsstufe habe dann gezeigt, wie stolz die Jahrgangsstufe auf ihre beiden Jahrgangsstufenleiter sein könne. „Nun ist der Tag des Abschieds gekommen. Doch in jedem Ende liegt auch ein Anfang. Die erste große Hürde des Lebens haben wir genommen. Wir sind zuversichtlich, auch die kommenden Herausforderungen meistern zu können!“

Emotionaler Abschied

Die emotionalsten Momente der Verabschiedung der Abiturienten folgten, als Simone Frank und Carsten Gier die Bühne der Aula betraten. „Vor dreieinhalb Jahren sind wir als Teamchefs in die Tour eingestiegen. Dies war für uns eine Premiere, so dass ihr immer einen besonderen Stellenwert in unseren Erinnerungen einnehmen werdet“, versprach Carsten Gier „seinen“ Abiturienten.

Auch Simone Frank blickte auf eine „bewegte Zeit“ zurück, die bereits in der 9. Jahrgangsstufe mit Beratungen begonnen habe. Dem gemütlichen Einfahren sei ein Intensivtraining in den Leistungskursen gefolgt. „Kilometer um Kilometer, Punkt um Punkt, ging es Richtung Ziel. Ruhetage haben wir am Gardasee eingelegt, wo wir Zeugen beeindruckender Beispiele eurer menschlichen Qualitäten wurden. In der jüngsten Vergangenheit stand dann die komplizierte Berechnung eurer Endzeiten ins Haus. Und spätestens vor einer Woche habt ihr die Ziellinie überquert, so dass ihr nun eure Siegerehrung erlebt“, ließ Carsten Gier die „Tour de Franks“ noch einmal Revue passieren.

Beim Schlusswort „Macht et joot!“, gab es schließlich feuchte Augen auf der Bühne. Und davor im Stehen dargebrachte Ovationen! Dann lautete das von Carsten Gier ausgegebene Losungswort „Mögen die Spiele beginnen!“ Die Abiturienten konnten ihre Zeugnisse entgegennehmen.

Für die musikalische Gestaltung der Feierstunde zeichneten der Chor der 6. Klassen unter der Leitung von Ralf Repohl, der mit dem „Sportfreunde Stiller“-Hit „54, 74, 90, 2014“ der Fußball-Weltmeisterschaft seine gesangliche Aufwartung machte, Rita Stolbnikova am Klavier mit Chopins „Nocturne Nr. 20 in cis-moll“, Violinistin Katharina Groh, die, unterstützt von Lehrerin Ines Pieper-Janosa am Klavier, Fritz Kreislers „Präludium“ interpretierte sowie Pianist Moritz Menzel (alle Jahrgangsstufe Q1), der Scott Joplins „Maple Leaf Rag“ darbot, verantwortlich.

Vor der Entlassfeier hatte der Pfarrer von St. Peter und Paul, Dr. Andreas Frick, einen Dankgottesdienst zelebriert.

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