Ab zum Holz-Nasen-Ohren-Arzt

Von: vr
Letzte Aktualisierung:
Als Highlight brachte Christia
Als Highlight brachte Christian Pape seine Tanzversion von „Michael Jackson fürs Seniorenheim” auf die Bühne. Foto: Rüttgers

Eschweiler. Wer sein Publikum schon vor dem Auftritt - zumindest akustisch - an Toilettengang und Zahnpflege teilhaben lässt, eine Ode an die Frittenfrau auf dem Schützenfest komponiert und sogar seiner Schwiegermutter noch ein von Herzen kommendes „Merci, dass es dich gibt” trällert, der muss doch eigentlich ein ganz Lieber sein.

Christian Pape behauptet das jedenfalls von sich mit seinem Programmtitel „Nur der Liebe zählt” und ließ beim Auftritt im Talbahnhof tief in sein Familienleben und seine Musikerseele blicken.

Sein Vater ist Westfale, seine Mutter Rheinländerin, „ein Schäferhund-Dackel-Mix”, wie Pape behauptet, und so kann es kaum verwundern, dass sich der quirlige Comedian als kongenialen Bühnenpartner Dr. Stefan Bimmermann ausgesucht hat, der ihn vom rauschenden Eröffnungstusch über würdevolle Orgelmusik bis hin zum fetzigen Popsong auf seinem Keyboard begleitet, zumindest so oft, wie das bar jeglicher Mimik, mit Rauten-Pulli und sauberem Scheitelschnitt daher kommende Bürschlein von seiner Mama aus dem Haus gelassen wird und sich nicht um Schildkröte „Puki” kümmern muss.

„Bi-Ba-Butzemann”

Christian Pape kümmert sich ebenfalls liebevoll um seine Tochter Amelie. So reicht es ihm nicht, einfach nur Kinderlieder zu singen, da muss es schon die Falco-Version vom „Bi-Ba-Butzemann” oder Westernhagens „Fuchs, du hast die Gans gestohlen” sein. Auch beim Wahlkampf im Kindergarten weicht Pape nicht zurück. Fast jedes Mittel ist ihm recht, um „der Liebe” zu sein.

Und das kam beim Talbahnhof-Publikum bestens an, schließlich sorgten die gemeinsamen Gesangseinlagen für „Gänsehaut” beim Künstler. Aber wie konnte sich der gebürtige Wegberger bei gut gelaunten Indestädtern, einigen Kohlscheidern, einem ehemaligen „Leistungsschwimmer” und sogar dem Pastor aus Wassenberg im Publikum auch nicht wohlfühlen?

„Currywurst zum Frühstück”

So war sich Pape sicher, dass seine Einschätzung der Schützenfest-Kirmes als „Jakobsweg für die Sinne” und die Ode an die Frittenfrau „Currywurst zum Frühstück” auf breites Verständnis im Talbahnhof stieß, aber auch kritische Bibeltöne wie die zur Arche Noah wertgeschätzt wurden: „Noah hat das Schiff gebaut, alles aus Tropenholz. So viel Krombacher kann heute keiner mehr saufen!” Damit das Niveau des Abends gut durch-mischt blieb, machte Christian Pape seine Gäste kurzerhand zum TÜV für sein neues Herrensitzungsprogramm: „Wie heißt der Hausarzt von Pinocchio? Holz-Nasen-Ohren-Arzt!”

Auch wenn seine Witze nicht immer neu waren, verstand Pape es jedenfalls prächtig, die zwei Stunden Bühnenprogramm mit viel Schwung zu bestreiten. Seine Stärken jedoch lagen klar in den Songs, die er pointenreich zum Besten gab. Auch die vielen Dialoge mit Dr. Bimmermann am Keyboard, die ausschließlich aus Monologen Papes und empörten Blicken Bimmermanns bestanden, unwillkürlich an Harald Schmidt und Herbert Feuerstein erinnern, waren köstlich.

Bodenständig

Dabei blieb Pape immer bodenständig sowie heimat- und kirchentreu, wenn er Auskunft gab: „Die Heilige Margarethe ist zuständig für Schwangere. Gut, das war bei uns im Dorf der Postbote.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert