Eschweiler - Aachener Künstler hat jetzt ein eigenes Atelier in Eschweiler

Aachener Künstler hat jetzt ein eigenes Atelier in Eschweiler

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Der Künstler und sein liebstes Rohmaterial: Abfallstücke von edlen Hölzern setzt Jürgen Gaida für Objekte und Bilder ein. Links ist ein Beispiel seiner Arbeit zu sehen. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Eine Bienenwabe in einem altertümlichen Messgerät. Ein Cäsarenkopf aus Schwefel über grau verwittertem Holz. Steine, mit Bast zusammengebunden. „Es geht mir auch stark darum, die verschiedenen Materialien zusammenzubringen. Sachen, die manchmal unvereinbar sind zu vereinen“, sagt Jürgen Gaida.

Der Aachener Künstler, geboren am Niederrhein, hat seit mehreren Monaten sein eigenes kleines Atelier und seine Werkstatt in Eschweiler. In einem Ladenlokal an der Marienstraße 70, das jahrzehntelang zu einer historischen Bürstenwerkstatt gehörte, stellt er nun seine Objekte aus Holz, Metall und vielen anderen Materialien und Fundstücken aus.

Gemalt und ausgestellt hat er schon als Schüler am Gymnasium in Rheinhausen, berichtet der 54-Jährige. Aber dann hat es lange gedauert, bis er sich wieder der Kunst zugewandt hat. Zuerst studierte er Chemie in Duisburg, dann Geschichte und Philosophie in Aachen mit dem „Magister Artium“ als Abschluss. Seit 1986 arbeitet er mit alten Menschen, dazu gehörte auch eine Ausbildung als examinierter Krankenpfleger. Seit bald 20 Jahren leitet er das Fachseminar für Altenpflege am Lourdesheim in Aachen.

Im Jahr 2000 hat es bei ihm wieder angefangen mit der Kunst, seit 2003 stellt er regelmäßig in der Aachener Galerie Hexagone aus. „Es ging los mit diesen ausgedienten technischen Objekten. Technik hat so etwas Magisches.“ Alte Messgeräte sind es, auf Flohmärkten entdeckt.

Oft kann man nur raten, wozu sie einst dienten. Jürgen Gaida verfremdete sie weiter, brachte sie mit Natur, mit Gewachsenem zusammen, sie wirken noch geheimnisvoller, symbolischer. Und manchmal geradezu ironisch. Absicht? Durchaus. „Wissenschaft und Technik sind die Geheimlehren und Zaubertechniken des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie behaupten, die Wahrheit zu beschreiben und ausnahmslos zu funktionieren. Aber sie sind gleichzeitig auch geheimnisvoll – häufig nur Eingeweihten zugänglich und damit ein Instrument der Macht.“

Die neueren Arbeiten von Gaida haben einen anderen Schwerpunkt: den Menschen in seiner Abhängigkeit, Bedrücktheit, in seiner Manipulierbarkeit und seinen Grenzen. Der Künstler symbolisiert das mit stereotypen Abgüssen von wenigen festen Formen: ein Cäsarenhaupt, eine Madonnenfigur, ein Vogelkopf. Von diesen Basis-Objekten, ursprünglich Flohmarktfunde („ich habe lange danach gesucht“), hat er mit einem speziellen, von einem Freund erfundenen hitzebeständigen Kunststoff Gießformen hergestellt, mit denen er immer neue, immer ein wenig andere Abgüsse herstellt – seriell und individuell zugleich.

Mal sind die Köpfe aus Zinn, mal aus Schwefel, dann wieder aus Kunststoff, der beim Trocknen schrumpft, rissig wird, den Ausdruck der Idealbilder verändert. Jürgen Gaida setzt diese Menschen-Symbole in Beziehung zu anderen Stoffen: Metall, Stein, Kunststoff. Aber am liebsten Holz. Gaida kauft Edelholz-Reste, Abfälle zum Beispiel von der Messer-Produktion, man findet so etwas im Internet.

„Manchmal verändere ich diese Stücke gar nicht, lasse sie so, wie sie sind.“ Da steht dann die individuelle Schönheit der Holzmaserung in einem krassen Gegensatz zum stereotyp wirkenden Cäsarenkopf, aus Zinn gegossen wie früher die sprichwörtlich gewordenen Zinnsoldaten. Der symbolische Gehalt drängt sich da geradezu auf.

Dennoch wirken diese kleineren Objekt aus Gaidas Werkstatt nicht verstörend oder bedrohlich, sondern beim flüchtigen Betrachten vor allem dekorativ. Sie sind schön auf eine kunsthandwerkliche Art. Sieht der Künstler das als Kritik? Kopfschütteln. „Das Dekorative ist ein Stück weit beabsichtigt“, sagt er. „Es geht mir immer ein bisschen darum – es soll auch schön sein. Es soll auch ansprechen. Es heißt ja immer, Kunst soll provozieren, das muss es nach meiner Ansicht aber nicht immer. Sondern es soll einerseits anregen zum Nachdenken, aber es soll auch schön sein.“

Manchmal irritieren die Werke

Und dazu steht Jürgen Gaida auch: „Manchmal kriegt man Kritik, das eine oder andere gehe in Richtung Kunsthandwerk. Aber Kunsthandwerk soll man nicht verdammen. Das kann auch ineinander gehen – Fragen entstehen trotzdem.“ Bei manchen Werken kommt das Fragen, manchmal auch die Irritation schneller als bei anderen, das weiß Gaida von interessierten Besuchern, etwa von der Art Open, an der er sich beteiligt hat. Ein Rundgemälde auf Holz, das in die Unendlichkeit zu führen scheint, säße da nicht im Mittelpunkt eine Buddha-Figur.

Oder: Ein starr blickendes Glasauge in einem Raster aus Holz und Zinn, das empfindsame Betrachter in den Schlaf verfolgen könnte. Oder ein Kreuz aus zerfranst wirkendem Holz, darauf statt der Christusfigur ein Knochen – eine empörende Verfremdung? „Warum denn?“ fragt der Künstler zurück. „Das ist doch im Grunde die Übersetzung dessen! Knochen steht für Tod, und der ist am Kreuz überwunden worden.“

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