98.000 D-Mark im Kühlschrank: Rentner brutal überfallen

Von: Wolfgang Schumacher
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Ein Renter, der 98.000 D-Mark im Kühlschrank aufbewahrt hatte, ist von dem Angeklagten brutal überfallen worden. Foto: dapd

Eschweiler/Aachen. Reinen Tisch wollte der Gewohnheitsverbrecher Paulin B. (41) machen. Er stellte sich Ende Juni letzten Jahres der Aachener Polizei und gestand einen schweren Raub in Eschweiler aus dem Jahr 1997.

Jetzt muss sich der Mann albanischer Herkunft, der jahrelang wechselweise in Italien, Deutschland und Belgien wohnte und diverse Male in den dortigen Gefängnissen einsaß, wegen versuchten heimtückischen Mordes an einem damals 84-jährigen Eschweiler verantworten.

Dicker Fisch

In der am Mittwoch vor dem Aachener Schwurgericht verlesenen Anklage werden ihm zwei weitere Raubtaten aus dem Jahr 2003 in Herzogenrath und dann im April 2010 in Übach-Palenberg vorgeworfen. In Herzogenrath ging es um knapp 14.000 Euro, bei dem Raub im April letztes Jahr sollen „nur” 1500 Euro unter die Räder gekommen sein.

Den ganz dicken Fisch aber soll Paulin B. mit einem weiteren Verdächtigen bereits 1997 in Eschweiler an Land gezogen haben. Laut Anklage hat man den in einem Haus alleine wohnenden 84-Jährigen mit einem Trick dazu gebracht, abends - schon in Dunkelheit - die Haustüre zu öffnen. B. und sein Kumpan hatten einen Tipp bekommen, dass bei dem alten Herrn eine Menge Bargeld versteckt sei - Bargeld, das dieser am Folgetag zur Bank bringen wollte.

Die beiden Täter klingelten und stellten sich über die Gegensprechanlage als polnische Arbeiter vor, die nach einem Job fragen wollten. Das war anscheinend für den Rentner nichts Ungewöhnliches. Er drückte die Türe auf. Dann nahm der brutale Überfall seinen Lauf. Der Angeklagte gab am Mittwoch vor der Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Richter Gerd Nohl zu, an dem schweren Raub beteiligt gewesen zu sein.

Gebrochene Rippen

Dass er den Mann allerdings halb tot geschlagen haben soll, das bestritt er. Dem 84-Jährigen flog sobald er die Türe öffnete eine Faust ins Gesicht. Dann fiel er zu Boden und muss dort noch Tritte in die Rippen, die mehrfach gebrochen waren, und gegen den Kopf bekommen haben. Er erlitt ein lebensgefährliches Schädeltrauma.

In falsche Kreise geraten

Der Angeklagte gab an, den Mann nur am Boden festgehalten zu haben, um seinem Kumpanen den Raub des Geldes zu ermöglichen. Das sollte im Kühlschrank in der Küche versteckt sein. Erst später habe B. erfahren, sagte er , dass es nicht nur 8500 D-Mark waren, wie ihm sein Mittäter damals weißmachte.

Später stellte sich die erkleckliche Summe von 98.000 D-Mark heraus, die der Mittäter vor seinen Leuten geheimgehalten hatte. B. gab an, sein Leben lang in falsche Kreise geraten und ständig auf Wanderschaft zwischen Albanien, Italien, Belgien und Deutschland gewesen zu sein. Er habe viel getrunken und meistens von Straftaten und Gelegenheitsjobs gelebt.

Das Gericht steht nun vor der Aufgabe, die Tatbeteiligungen aufzuklären und genau feststellen, wem der Mordversuch anzulasten ist. Auch auf den Tippgeber, der sich anscheinend noch auf freiem Fuß befindet, wird noch einiges zukommen. Der Prozess geht am 7. Februar weiter.
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