9. November 1938: Auch in der Indestadt ein düsteres Kapitel

Von: ran
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„Wer die Opfer vergisst, macht sie ein zweites Mal mundtot”, betonte Pfarrer Dieter Sommer, als er die Teilnehmer der Gedenkstunde zur Reichspogromnacht vor der Dreieinigkeitskirche begrüßte. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „ Wer die Opfer vergisst, macht sie ein zweites Mal mundtot. Deshalb ist unser Gedenken an die Reichspogromnacht unabdingbar.” Dieter Sommer, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Eschweiler, begrüßte am Dienstag zahlreiche Gäste, darunter auch viele Konfirmanden, am Gedenkstein vor der Dreieinigkeitskirche, um 72 Jahre zurückzublicken.

„Am 9. November 1938 brannte auch in Eschweiler die Synagoge, kaum 200 Meter von hier entfernt”, erinnerte er daran, dass die Reichspogromnacht auch für die Indestadt ein dunkles Kapitel darstellt. Vor der Fortsetzung der Gedenkstunde im Inneren der Dreieinigkeitskirche, zitierte Dieter Sommer das jüdische Totengebet.

„Sechs Millionen Menschen jüdischer Abstammung fanden während der nationalsozialistischen Diktatur den Tod. Bereits 1933 begann ihre systematische Diskriminierung, die mit der Reichspogromnacht 1938 eskalierte und 1942 in der sogenannten Endlösung mündete.

Sie wurden Opfer des Wahnsinns von Krieg und Terror”, erklärte Dieter Sommer, der Dr. Andreas Frick, Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul, als Hauptredner der Gedenkstunde begrüßte. „Wir Christen sind gefordert, uns zusammen zu finden, um unseren Willen zum Frieden vorzuleben”, betonte der evangelische Geistliche.

Dr. Andreas Frick zitierte zunächst mit Klaus Hemmerle den ehemaligen Bischof von Aachen, der am 9. November 1938 mit den Worten „Man hat meinem Gott das Haus angezündet, und die Meinen haben es getan. Die den Namen desselben Gottes anrufen, haben dazu geschwiegen, ja die Meinen haben es getan” des 50. Jahrestags der Reichspogromnacht gedachte.

„Diese Nacht der geschlagenen und geschändeten Menschen war ein besonders herausragender Punkt, diabolisch symbolträchtig und auch plastisch-psychisch einzigartig”, machte der katholische Pfarrer deutlich.

„Wenn Gotteshäuser geplant abgefackelt werden, werden Menschlichkeit geopfert, Menschen mit Füßen getreten und Gottes Friedensangebot verspielt”, so Dr. Andreas Frick. „Die Namen der Verstorbenen, besonders von Ermordeten, nicht zu vergessen, ist Menschenpflicht”, unterstrich er.

Die Gräueltaten beim Namen zu nennen, vor ihnen zu erschrecken und hilflos zu schweigen sei ebenso Auftrag der freien Gesellschaft, wie die Arbeit an einer menschlichen Gesellschaft in Vielfalt und Toleranz. „Frühzeitig vor Gefahren zu warnen muss für uns Selbstverpflichtung zur Friedensarbeit mit Zivilcourage sein”, so seine Aufforderung.

Mit dem von allen Teilnehmern gesprochenen „Vater unser”, dem Gebet, das der Jude Jesus die Menschen lehrte, ging die Gedenkstunde an die Reichspogromnacht zu Ende.

Für die musikalische Gestaltung zeichneten wie bereits in den vergangenen Jahren Bärbel Ehlert (Gesang, Geige und Gitarre) sowie Friedhelm Lutzer (Akkordeon), die mit ihren Liedern an die Tradition der jüdischen Klezmer-Musik erinnerten, verantwortlich.
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