600 Kilometer Abenteuer: Reiterinnen sammeln Spenden

Von: Christian Ebener
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Die letzten Meter nach 594 Kilometern auf den Rücken ihrer Pferde: Die beiden jungen Frauen kurz vor der Ankunft auf dem Lohner Hof. Foto: Christian Ebener
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Eva Göttgens (rechts) und ihre Freundin Lisa ritten von München bis nach Eschweiler. Foto: Christian Ebener

Eschweiler. Es war eine Reise, auf die Eva Göttgens (24) und ihre Freundin Lisa (21) noch lange zurückschauen werden. Um Spenden für das Reit- und Therapiezentrum Lohner Hof zu sammeln, ritten sie auf ihren Pferden „Paula“ und „Apanachi“ 594 Kilometer von München bis Eschweiler.

Die Idee diente auch als Erinnerung an die im vergangenen Jahr verstorbene Tante von Eva, die auf dem Hof mit ihrer Querschnittslähmung betreut wurde und von tollen Erfahrungen berichtet hatte. Am Ziel ihrer Reise hatten sie viele Erinnerungen im Gepäck – an die Strapazen, hilfsbereite Gastgeber und große Glücksmomente.

Die Idee zu der Tour kam der studierten Tiermedizinerin Göttgens im September. „Ich hab Lisa gefragt – und sie hat sofort Ja gesagt“, erinnert sie sich zurück. Im Gedenken an Evas Tante, die „hier soviel Hilfe erfahren hat“, wollte sie den Trip einem guten Zweck widmen. In kürzester Zeit war die erste Woche geplant, der Rest sollte spontan erfolgen. Auch die Finanzierung der Reise erfolgte in Eigenregie der jungen Damen.

Heinz Brosig, erster Vorsitzender des gemeinnützigen Betreibervereins des Lohner Hofs, und Claudia Schönborn, Leiterin des Hofs, waren begeistert von dem Engagement der Beiden. „Es ist mutig und beeindruckend“, zeigte sich Brosig dankbar, der bereits eine vierstellige Spendensumme vermelden konnte.

Der Lohner Hof ist auf Spenden angewiesen, um weiterhin arbeiten zu können. Den Tieren – neben den Pferden auch zahlreiche Katzen und Kaninchen –werden dort artgerechte Lebensbedingungen gegeben. Zudem arbeitet man mit den unterschiedlichsten Menschen: Menschen mit körperlichen Handicap oder begleitend zu einer Psychotherapie, Kinder und Erwachsene.

Da die Krankenkassen die Reittherapie nicht übernehmen, will Schönborn die Aktivitäten auf dem Hof „jedem zugänglich machen“ - auch wenn es teils große Anstrengungen bedeutet. „Aber wir wissen, wofür wir es tun“, ergänzte Brosig.

Dafür setzten sich auch Eva und Lisa mit ihrer großen Reise ein. Nach ihrem Start am 8. April im Studienort von Eva, München, zogen sie über Heidelberg und die Pfalz bis nach Eschweiler. Dabei erfuhren sie trotz gewissenhafter Planung immer wieder „Situationen, wo es kein Zurück gab“, wie sich Eva erinnerte.

Quasi dauerhaft stellte sich die Frage nach „Gras, Futter und Wasser“, wie Lisa erzählt, die auch an „Stürze und Orientierungslosigkeit“ zurückdenkt. Nach der Verletzung eines Pferdes waren sie gezwungen, eine Woche Pause bei Schwäbisch Hall einzulegen - der Gastgeber gab ihnen spontan verlängerte Obhut und spendete das Geld für die Unterkunft an den Lohner Hof. Nur eine von vielen großen Gesten, die sie erlebten.

Immer dabei waren sie mit ihrem Blog (https://www.im-sattel-von-muenchen-ins-rheinland.de/das-projekt/), den sie über Facebook mit allerlei Status-Updates fütterten und sich so auch in der Heimat meldeten. Dabei hörten sie auch so Sätze wie „Ihr wollt nach Aachen? Gibt es da Wege hin?“ oder „Wie verrückt seid ihr?“. Aber auch jede Menge Hilfsbereitschaft wurde den beiden zuteil. Neben den Spenden, die sie vor Ort oder direkt das Konto des Lohner Hofs erreichten, wurden oft die Wege für sie ausgefahren oder ihnen und ihren Pferden Übernachtungsmöglichkeiten spontan organisiert.

Eva erinnerte sich besonders gerne an Bopfingen zurück. In dem kleinen Dort hinter Augsburg „gingen wir mit dem Sohn unserer Gastgeber in eine Kneipe. Da erzählten wir unsere Route und dann hieß es ganz schnell ,Wer kennt wen bei Ellwangen?‘“ - und schon war die Wiese eines Bauern organisiert. Dort saß man schließlich bei der „Großfamilie am Ostertisch“, erzählt Lisa. Und schon wurde direkt weitergefragt.

Es war Unterstützung wie diese, die die Reise erst möglich machte, auch wenn es trotzdem weiterhin „jeden Tag anstrengend“ blieb, erzählte Eva. „Vor allem mental“ war es sehr hart, und die Erschöpfung merkte man den beiden auch an, als sie von einem großen Empfangskommitee nach 30-tägiger Reise in Lohn willkommen geheißen wurden.

Es war eine „Extremerfahrung“, wie Eva, die in Zukunft in Meerbusch in einer Klinik für Tiere arbeiten wird, nach einer kurzen Verschnaufpause mit Lisa von ihrer Reise berichtete. Nur kurz nach der Ankunft machte sich schon ein bisschen Wehmut bei den Beiden breit. „Man will nicht, dass es zu Ende geht“, sagt Lisa, der man die Anstrengungen noch anmerkt, aber die mit einem breiten und glücklichen Grinsen von dem Abenteuer berichtet.

Es „fehlt einem, wenn man nicht mehr auf den Pferden sitzt“, ergänzt Eva, die kurz zuvor noch die Pferde zu ihrer verdienten Ruhepause auf die Wiese am Hof brachte. Lob gab es an diesem Tag von allen Seiten. Besonders natürlich von Claudia Schönborn, die sich über das Projekt, aber auch die gesunde Ankunft, freute: „Klasse, dass ihr durchgehalten habt!“.

Von den Reiterinnen kam ein „riesen Dankeschön an alle, die es ermöglicht und uns motiviert haben“. Eine besondere Erinnerung wird es schon bald geben: Neben den vielen Fotos und Blogposts, wurden Teile der Reise mit einer Go-Pro-Kamera aufgenommen – selbstverständlich auch die emotionale Ankunft in der Indestadt nach fast 600 Kilometern.

Für die Pferde ging die Reise mittlerweile zurück nach München. Ob auf sie und ihre Reiterinnen nochmal eine solche Erfahrung zukommt? „Irgendwann“, sagt Lisa und lächelt. Eine solche große Tour soll es nicht mehr werden, aber das Reiseziel „Nordsee“ gefällt nicht nur Eva, die schon an weitere Begleitung denkt: „Jetzt müsste mein Freund nur noch Reiten lernen“.

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