41 Geschäfte für Bekleidung in der City, aber 49 Leerstände

Von: Sonja Essers und Tobias Röber
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49 Leerstände gibt es derzeit in der Eschweiler City. Neben Geschäften sind auch viele Wohnung nicht bezogen, wie in diesem Haus an der Grabenstraße 66. Foto: Sonja Essers, Tobias Röber
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Das City-Center ist nach wie vor „tot“. Foto: Sonja Essers, Tobias Röber
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Auch der Haushaltswaren-Discounter wird wohl bald weg sein und in das Gebäude des ehemaligen Kaiser‘s an der Grabenstraße. Foto: Sonja Essers, Tobias Röber
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In der Englerthstraße gibt es nur noch wenige Geschäfte. Dementsprechend ist sie auch wenig frequentiert. Foto: Sonja Essers, Tobias Röber

Eschweiler. Wenn Franz-Josef Dittrich aus seinem Haus an der Grabenstraße tritt, fällt der Blick des Indestädters vor allem auf ein Gebäude: den ehemaligen Kaiser‘s-Supermarkt. Während der Boden mit zahlreichen Zigarettenkippen und Kronkorken übersät ist, liegen auf dem städtischen Parkplatz nebenan Flaschen und Pappschachteln verstreut. Kurzum: Dieses Entrée zur Fußgängerzone sieht, pardon: versifft aus.

„Manchmal ist diese Ecke hier ein Brennpunkt, manchmal auch nicht“, meint Dittrich. Mit Franz-Josef Dittrich haben wir einen Spaziergang durch die Innenstadt gemacht. Das Fazit des Rentners, der seit 2003 an der Grabenstraße wohnt: Nicht nur ein Nahversorger wird in der Fußgängerzone dringend gebraucht.

Grabenstraße: Der ehemalige Supermarkt ist dort nicht das einzige Problem. Auch der städtische Parkplatz an der Inde, der Tag für Tag von Obdachlosen aufgesucht wird, sei regelmäßig verdreckt. Und damit nicht genug. Nicht selten dienen Bäume und Sträucher als öffentliche Toilette. Dittrich ist diesbezüglich zwiegespalten. Schön sei der Anblick natürlich nicht, aber: „Wo sollen die Leute denn hier sonst auch hin?“, fragt er.

Das ist jedoch nicht der einzige Leerstand in der Fußgängerzone. Inklusive Uferstraße, Rosenallee, City-Center, Markt, Kochsgasse sowie an der Dürener Straße zwischen dem Haus Lersch und der Einmündung zur Kochsgasse und an der Indestraße zwischen Rathaus und Bushof zählt man in der City derzeit 49 Leerstände. Dittrich stört vor allem die Einstellung vieler Eigentümer. Schließlich sieht man immer wieder leere Ladenlokale, die mit alten Plakaten vollgeklebt sind.„Früher haben die Leute oben im Haus gewohnt und hatten unten ihr Geschäft. Wenn jeder vor seiner Haustüre etwas machen würde, dann sähe es schon viel besser aus“, meint er.

Neustraße: Im Gegensatz zur Grabenstraße findet man auf der Neustraße äußerst wenig Leerstände. Die meisten Händler, die dort ansässig sind, vertreiben Bekleidung. Insgesamt gibt es in der Innenstadt 41 Modegeschäfte, Schuh- und Taschengeschäfte gehören nicht dazu. Eine Zahl, die Dittrich nicht bekannt war. Große Markennamen fehlen jedoch, wie immer wieder von Indestädtern kritisiert wird. So hat die Stadt im Zuge der Sanierung der nördlichen Innenstadt mit Jugendlichen diskutiert, wie der Technische Beigeordnete Hermann Gödde erklärt. Mode für junge Menschen fehlt demnach. Was Gödde überraschte: „Die Jugendlichen wünschen sich auch ein Geschäft, in dem sie Musikinstrumente kaufen können.“

Dafür brauche man allerdings entsprechend große Ladenlokale, wissen Dittrich und Gödde. Der ehemalige CDU-Politiker findet die Neustraße „schön“. Besonders gut gefällt ihm, dass die Verwaltung in der vergangenen Woche die Baumspitzen in der Fußgängerzone verlängerte. „Sonst beginnen die Bäume nämlich zu kippen“, erklärt er. Obwohl die Neustraße mit einem schönen Erscheinungsbild glänze, sei sie trotzdem nicht das Zentrum des Stadtkerns. Und tatsächlich. Ein Blick in beide Straßen bestätigt Dittrichs Auffassung. Vor allem an der oberen Grabenstraße sieht man viele Indestädter, die in den Cafés verweilen. „Hier ist auch sonntags immer viel los“, sagt Dittrich. Generell sagt Hermann Gödde: „Eschweiler hat eine sehr schöne und attraktive Fußgängerzone.“ Es gebe einige Fachgeschäfte, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt seien.

Marienstraße: Auch an der Marienstraße war Montagvormittag einiges los. Warum? Dafür hat Franz-Josef Dittrich eine einfache Erklärung: Schließlich habe man dort die Möglichkeit, direkt vor den Geschäften zu parken. „Der Mensch ist ja von Natur aus eher faul“, sagt er und lacht. Immer wieder gibt es Diskussionen, zumindest Teile der Fußgängerzone wieder für den Verkehr zu öffnen. Hermann Gödde hält davon nichts. Überall, wo man das wieder eingeführt habe, sei der Schuss nach hinten losgegangen.

Diskussionsgegenstand sind ebenfalls die neuen Marktzentren am Langwahn und in Dürwiß, die – im Gegensatz zur Innenstadt – ausreichend Parkplätze bieten.

An der Marienstraße gibt es nur wenige Leerstände, dafür vermehrt Büros. Und noch etwas sei auffällig: „Immer mehr Geschäftsräume werden zu Wohnungen umgebaut“, stellt Dittrich fest. Nicht nur im ehemaligen Schneckes an der Grabenstraße, sondern auch in einem einstigen Sportgeschäft an der Englerthstraße sei dies geschehen. „Die Eigentümer überlegen sich natürlich auch, wie sie an ihre Miete kommen“, meint Dittrich.

Englerthstraße: Nicht nur die zahlreichen Leerstände sind hier ein großes Problem. Regelmäßig erreichen uns Beschwerden von Anwohnern, dass es vor allem nachts in dieser Straße besonders lautstark zugeht. Der Grund: Autos, die die Fußgängerzone regelmäßig in eine Rennstrecke verwandeln. Diese Erfahrung hat auch Dittrich gemacht. „Zu manchen Uhrzeiten fehlt hier ordnungsbehördliche Präsenz“, merkt er an.

Reichlich Leerstände gibt es rund um die Kirche St. Peter und Paul. Der Zweiradladen an der Dürener Straße ist leer, auch die beiden Ladenlokale in Richtung Brunnenhof sind verwaist.

City-Center: Es tut sich nach wie vor nichts im einstigen Hertie-Gebäude. Wer die Indestraße zu Fuß von der Fußgängerzone in Richtung City-Center geht, kommt inzwischen an einigen Geschäften vorbei. Im City-Center hingegen wird es immer leerer. Der Tabak-/Zeitschriftenladen ist bereits an die Indestraße umgezogen. Im Rathaus hofft man selbstredend dass der Eigentümer doch noch zur Einsicht kommt und das Parkdeck sowie das ehemalige Hertie-Gebäude bald zu einem akzeptablen Preis veräußert. Denn nur dort sind ausreichend große Flächen vorhanden, um etwa ein Geschäft für junge Mode, einen Vollsortimenter oder etwa einen Bio-Supermarkt unterzubringen. Derzeit wird an einem Einzelhandelskonzept gearbeitet, das wohl nach den Sommerferien fertig sein soll.

Der Haushaltswaren-Discounter soll nach Informationen unserer Zeitung im kommenden Monat in das Gebäude des ehemaligen Kaiser‘s umziehen. Damit wäre das City-Center um ein weiteres Geschäft ärmer. Allerdings würde der jetzige Schandfleck an der Ecke Grabenstraße/Indestraße verschwinden.

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