Eschweiler - 40 neue Wohnungen im Quartier West: Keiner wird alleingelassen

40 neue Wohnungen im Quartier West: Keiner wird alleingelassen

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
12272802.jpg
Bouchra Baboua (links) und Züheyla Lale beraten Migranten in nahezu allen Fragen des täglichen Lebens. Schon jetzt geben sich Bewohner des Quartiers West in ihrem Büro die Klinke in die Hand. Foto: Rudolf Müller
12272839.jpg
Gutenbergstraße 52: Hier ist künftig das Quartiersmanagement untergebracht. Ebenso die Beratungsstelle für erwachsene Migranten.

Eschweiler. Die große Welle ist abgeflacht. Der Zustrom an Flüchtlingen, die es unterzubringen und zu betreuen gilt, ist in den vergangenen Monaten deutlich geringer geworden. Kamen in der ersten Kalenderwoche dieses Jahres noch knapp 10.000 Asylsuchende nach Nordrhein-Westfalen, von denen laut Schlüssel 7000 aufzunehmen waren, so kamen in der vergangenen Woche nur noch 1100 Menschen nach NRW, von denen 716 unterzubringen waren.

Entsprechend rückläufig sind auch die Zahlen für Eschweiler. Die Folge: Die Notunterkunft Jahnhalle wurde zum 30. März aufgelöst, die in der Sporthalle des Berufskollegs einen Monat später. Beide konnten ohne nennenswerten Renovierungsaufwand wieder für den Sportbetrieb bereitgestellt werden. Noch in Betrieb ist die Unterkunft in der Donnerberg-Kaserne.

Wer in Eschweiler bleiben darf, der kann darauf hoffen, eine eigene Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt zu bekommen. Derzeit, so Integrationsbeauftragter Jürgen Rombach, sind 370 Personen in städtischen Unterkünften untergebracht (zum Beispiel an der Gracht- und Hüttenstraße, an der Severinstraße, am Stich und – vorübergehend – in Baracken auf dem RWE-Gelände), von denen etliche dringend sanierungsbedürftig sind.

500 Menschen dagegen haben bereits eine Bleibe auf dem freien Wohnungsmarkt gefunden. „Eine großartige Leistung unseres Sozialamts!“, lobt Renée Graafen, CDU-Vertreterin im Sozialausschuss. Hoch zufrieden sind Politik und Verwaltung auch mit der Situation am Stich, wo das frühere Verwaltungsgebäude der Firma Dohmen in eine Unterkunft für Asylbewerber umgebaut wurde. Hatte es im Vorfeld dagegen massive Proteste gegeben, so gibt es heute keinerlei Beschwerden mehr. „Ein guter Weg in die Normalität“, kommentiert Sozialdezernent Stefan Kaever.

Auf Normalität setzt die Stadt auch im Quartier West, besser bekannt als Gutenbergviertel. Hier hat die Stadt 40 Wohnungen angemietet, die derzeit renoviert werden. Wohnraum für rund 150 Personen – nicht allein Asylbewerber, wie Jürgen Rombach betont, sondern auch „andere Menschen in prekären Wohnverhältnissen“: „Wir wollen da eine sehr gute Durchmischung hinkriegen.“

Schon jetzt ist das Quartier West Wohngegend für zahlreiche Flüchtlinge. Die Verwaltung geht davon aus, dass in dem Areal zwischen Odilienstraße und Pumpe/Stich, Röthgener und Bourscheidtstraße, Indestraße, Gutenbergstraße und Langwahn bis zu 30 Prozent der etwa 5000 dort lebenden Menschen einen Migrationshintergrund haben.

Um das Quartier West aufzuwerten und die Lebenssituation der Menschen dort zu verbessern, richtet die Stadt dort jetzt ein „Quartierbüro“ samt Quartiersmanagement zur Betreuung und Beratung ein.

Finanziert wird das Projekt mit Mitteln aus einem Städtebau-Förderprogramm des Landes. 72 Millionen Euro hat das Land für Integrationsprojekte zur Verfügung gestellt. Jede zweite Kommune in NRW hat sich dafür beworben. 100 Städte und Gemeinden mit 147 Projekten wurden ausgewählt – darunter Eschweiler. Was einen Zuschuss von 310.500 Euro bedeutet.

Am Mittwoch wurden die Möbel in die frisch renovierten Räume im Parterre des Hauses Gutenbergstraße 52 geschleppt. Hier ist künftig der Hausmeister zu finden. Und der Quartiermanager, er sein Amt zum 15. Juni antritt. „Das wird ein Mann sein“, sagt Jürgen Rombach augenzwinkernd. „Gewisse Personenkreise lassen sich zunächst nur von einem Mann etwas sagen. Das hört später auf – da werden sie zu deutschen Männern.“

Das sieht Bouchra Baboua etwas anders. Auch Männer lassen sich gerne von ihr wertvolle Tipps geben. Die Diplom-Sozialpädagogin, die arabisch, französisch und deutsch spricht, leitet gemeinsam mit der türkisch, englisch und deutsch sprechenden Sozialwissenschaftlerin Züleyha Lale die ebenfalls hier untergebrachte Migrationsberatungsstelle für erwachsene Zuwanderer (MBE), die von der Arbeiterwohlfahrt finanziert und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert wird.

„Die MBE in Eschweiler hat das Ziel, Einwanderer und deren Familien in ihrem Integrationsprozess zu fördern, zu begleiten und sie in ihrem selbstständigen handeln in den Angelegenheiten des Lebens zu bestärken“, erläutert die Awo. Beraten wird vertraulich, kostenfrei und unabhängig von Konfession und Nationalität. Dabei geht es um Hilfen bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ebenso wie um Unterstützung im Umgang mit Behörden, um Sprachförderung oder Kinderbetreuungsangebote.

Noch sind die Büros nicht eingerichtet, doch der Andrang zu den Beratungszeiten der beiden MBE-Mitarbeiterinnen ist schon jetzt groß.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert