Eschweiler - 40. Medizinforum: Fitness und Wärme gegen den Schmerz

40. Medizinforum: Fitness und Wärme gegen den Schmerz

Von: ran
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Möchten dem Schmerz zu Leibe
Möchten dem Schmerz zu Leibe rücken: Die Experten Bernhard Schiffgens, Norbert Schallenberg, Hermann-Rudolf Wolff, Dr. Michael Dück, Anja Eggermann und Dr. Eberhardt Schneider (v. l.) informierten im Rahmen des Medizinforums unserer Zeitung. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Für zahlreiche Menschen ist es eine flehentlich geäußerte Bitte: „Schmerz lass nach!” Doch für (noch) zu viele Patienten geht dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Dabei ist klar, dass langanhaltende oder gar chronische Schmerzen die Lebensqualität bis zum Nullpunkt mindern.

Wurde das Phänomen Schmerz lange Zeit in der modernen Medizin vernachlässigt, rückt es inzwischen mehr in den Blickpunkt. Im Rahmen des 40. Medizinforums unserer Zeitung informierten nun Dr. Eberhardt Schneider, Chefarzt der Klinik für Frührehabilitation am St.-Antonius-Hospital Eschweiler, sowie fünf weitere Experten im Kulturzentrum Talbahnhof rund 70 Zuhörer über Methoden der Schmerzbehandlung und -therapie.

„Wir beschäftigen uns mit einem Thema, das wohl jeden Menschen bewegt”, betonte Dr. Eberhardt Schneider zu Beginn seiner Ausführungen, um gleich einige Schmerzszenarien vorzustellen. „Treffe ich mit dem Hammer nicht den Nagel, sondern den Daumen, oder komme ich mit der Hand einer brennenden Kerze zu Nahe, dann erfolgt über kleine Sensoren eine Meldung an das Rückenmark, das quasi als Kabelstrang zwischen Körper und Gehirn dient.” Doch neben den Schmerzen, die von außen zugefügt werden, kommen Schmerzen natürlich auch von Innen. „Siehe Herzinfarkt oder Darmverschluss”, unterstrich der Moderator die Vielschichtigkeit des Themas. Ein ganz entscheidender Faktor sei dabei die Psyche.

„Bin ich gut drauf, kann ich Schmerzen besser ertragen als in Situationen, in denen es mir seelisch nicht gut geht”, so der Mediziner. Bernhard Schiffgens, Facharzt für Anästhesie, erklärte, dass die Schmerzbehandlung ein wesentlicher Aspekt der Narkose sei. „Die Therapie beginnt bereits, während der Patient noch schläft.” Schmerzen seien für den Patienten nicht nur unangenehm, sie behinderten auch den Heilungsprozess. „Reaktionen wie ein beschleunigter Herzschlag erhöhen auch nach einer erfolgreichen Operation die Gefahr von Komplikationen”, machte der Referent deutlich. Und: „Je länger der Patient unter Schmerzen leidet, je größer ist die Belastung für ihn.”

Entscheidend sei, die Schmerztherapie in ein Gesamtkonzept mit medikamentöser Behandlung, verschiedenen Katheterverfahren, aber auch der „Patientenkontrollierten Schmerztherapie” per PCA-Pumpe, bei der sich der Patient mittels Infusion selber Schmerzmittel zuführen kann, einzubinden. Wie wichtig die Schulung aller an einer Schmerztherapie Beteiligten ist, machte anschließend Anja Eggermann deutlich. Nach einer Weiterbildung zur zertifizierten „algesiologischen Fachassistentin” ist sie seit April die erste „Schmerzschwester” am St.-Antonius-Hospital.

„Zu meinen Aufgaben zählt die Betreuung des Akutschmerzdienstes”, erläuterte sie. „Ich fungiere als Bindeglied zwischen Patienten, dem Pflegebereich und den Ärzten und betreue alle Patienten mit einer PCA-Pumpe.” Ziel sei es, durch die Therapie den Heilungsprozess zu unterstützen und die Lebensqualität zu verbessern. „Wobei nicht vergessen werden darf, dass Schmerz eine subjektive Empfindung ist. Er ist nicht messbar wie etwa Fieber.”

Eine alternative Methode, dem Schmerz zu Leibe zu rücken, stellte der niedergelassene Facharzt Hermann-Rudolf Wolff vor: Akupunktur. „Studien belegen, dass sich durch den Stich mit der Nadel Funktionsveränderungen im Gehirn ergeben, die es möglich machen, den Schmerz zu betäuben.” Im Mittelpunkt der chinesischen Medizin stehe, Ungleichgewichte im Körper zu beseitigen.

Auf nichtmedikamentöse Therapiemöglichkeiten verwies Norbert Schallenberg, Oberarzt des Euregio-Rehabilitationszentrums. Dabei spiele sowohl Wärme, etwa bei Arthrosen im chronischen Stadium, als auch Kälte (Prellungen, Entzündungen, Operationsnachschmerzen) eine wichtige Rolle. „Die Haut verfügt über sensible Areale mit Entsprechungen im Körper. So kann bei Bauchschmerzen eine Wärmeflasche tatsächlich Linderung herbeiführen”, nannte er ein altes Hausmittel.

Ein weiterer Eckpunkt: Aktiv bleiben, zum Beispiel durch Krafttraining. „Eine gezielte Trainingstherapie ist eine wichtige Säule der Schmerzbehandlung”, berichtete Norbert Schallenberg.

„Inzwischen steht ein Potpourrie von Therapien zur Verfügung”, erklärte abschließend Privatdozent Dr. Michael Dück, Chefarzt der Anästhesie am St.-Antonius-Hospital. Das Problem: „Die Behandlung muss individuell passen.” Vielversprechend sei ein ganzheitliches Konzept, das durch die Kooperation mehrerer Spezialisten an einem Ort umgesetzt werde.
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