Eschweiler - 36 Nationen kämpfen für mehr Toleranz

36 Nationen kämpfen für mehr Toleranz

Von: Andreas Röchter und Kathrin Brocker
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Weltoffen: Auf der Weltkarte im Foyer des Hauptgebäudes des Berufskollegs sind die Staatsbürgerschaften aller Schüler markiert Ein weiterer Bestandteil der Aktionswoche, die auch von Alexander Victor, Christian Thelen, Christina Knott, Björn Kammann, Dorothee Neubert, Thomas Quilitz, Thomas Gurdon und Sascha Pütz (v. l.) initiiert wird. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Was wäre eigentlich, wenn wir Freunde aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern verlieren würden, wenn es keine internationale Musik oder Speisen mehr gäbe? Was wäre, wenn sich die Ideologie der Neo-Nazis durchsetzen würde?”

Fragen, die auch die Schüler und Lehrer des Berufskollegs Eschweiler bewegen. Der ursprünglich für den 31. März geplante Aufmarsch der Rechtsradikalen in der Indestadt ist zwar abgesagt, das Problem deswegen aber noch lange nicht aus der Welt. Deshalb starten die Protagonisten der größten Schule der Städteregion Aachen am kommenden Montag, 26. März, eine „Aktionswoche für Toleranz, Menschenwürde und Respekt”. Bis einschließlich Donnerstag, 29. März, sind verschiedene Aktionen geplant, die ein positives Signal in Sachen Einigkeit der Menschen aus insgesamt 36 Nationen, die Teil des Berufskollegs sind, senden sollen.

Viele kleine Nadelstiche

„Wir haben uns bewusst entschieden, mit unserem Motto nicht gegen etwas zu demonstrieren, sondern für etwas einzustehen. Und zwar gemeinsam mit unseren Schülern”, erklärt SV-Lehrer Alexander Victor. „Es geht auch darum, zu begreifen, was Demokratie und Meinungsfreiheit bedeuten und den Mut aufzubringen, eigene Meinungen zu äußern.” Schulpfarrerin Dorothee Neubert ergänzt: „Wir möchten viele kleine Nadelstiche setzen und haben unsere Schüler ermutigt, sich auf vielfältige Art an der Aktionswoche zu beteiligen.”

Mit Erfolg: Der Startschuss fällt am Montagmorgen mit zwei Vorführungen des Kinofilms „Die Kriegerin” im Primus-Palast, die rund 600 Berufskollegschüler besuchen werden. „Angemeldet hatten sich sogar noch mehr Schüler”, berichtet Lehrer Björn Kammann. „Zu dieser Aktion gehört auch die Vor- und Nachbereitung des nicht einfachen Films im Unterricht. Denn es ist wichtig, die Schüler bei diesen Themen nicht alleine zu lassen”, so der Pädagoge.

Innovativ wird sich am Dienstag eine Unterstufenklasse der Handelsschule zeigen: Denn gegen 11.20 Uhr geht das erste internationale Pausenradio des Berufskollegs auf Sendung. Zunächst geben die Schüler ihre Gedanken zu den Begriffen Toleranz, Respekt und Menschenwürde wieder, anschließend erklingen selbst ausgesuchte internationale Musikstücke. „Ich bin über das Engagement und den Einfallsreichtum der Schüler positiv überrascht”, spart Lehrer Sascha Pütz nicht mit Lob. Perfekte Organisation ist dann am Mittwoch gefragt, wenn mehrere hundert Schüler aus bisher 14 Klassen auf dem Schulhof den Schriftzug „Toleranz” bilden werden, der aus der Höhe abfotografiert werden wird.

Zeitgleich werden ähnliche Aktionen unter anderem an der Realschule Patternhof, dem Städtischen Gymnasium, an der Städtischen Gesamtschule sowie der Katholischen Grundschule Röthgen stattfinden. „Bislang konnten wir einen erfolgreichen Probelauf starten”, ist Christina Knott, Fachlehrerin im Bereich Einzelhandel und Mitglied des vor eineinhalb Jahren ins Leben gerufenen Arbeitskreises „Gegen Rechtsextremismus”, vom Gelingen des Vorhabens überzeugt.

Den Abschluss der Aktionswoche bildet schließlich am Donnerstag eine Plakataktion, bei der mehrere Klassen jeweils einen Buchstaben des Wortes Toleranz herstellen. Diese werden um 8.50 Uhr an der Glasfront im Foyer des Hauptgebäudes zusammengesetzt, um die Schule in nächster Zeit weithin sichtbar zu schmücken.

Spiegelbild der Gesellschaft

„Die für die Aktionswoche Verantwortlichen, zu denen auch Christian Thelen und Heidi Thouet zählen, sind bei der Schulleitung sofort auf offene Ohren gestoßen”, betont Schulseelsorgerin Dorothee Neubert, die das Projekt gemeinsam mit der Schülervertretung, dem Arbeitskreis „Gegen Rechtsextremismus”, sowie den Fachkonferenzen Politik und Religion initiiert. „Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel, dass die Schulgemeinschaft auch für die Zukunft einen wird”, ist der stellvertretende Schulleiter Thomas Gurdon zuversichtlich.

„Die Bereitschaft, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen, erfordert vor dem Hintergrund rechtsextremer Aktivitäten in unserer Region auch Mut”, wirft Christina Knott ein. Schließlich sei es blauäugig zu glauben, dass bei mehr als 2800 Schülern nicht auch am Berufskolleg rechtes Gedankengut weitergegeben werde. „Unsere Schule ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.”
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