3. Eschweiler Waldtag: Kaltblüter und rollende Waldschule

Von: Andreas Röchter
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Konzentration und Kraft waren gefragt: Bei der fachgerechten Arbeit mit der Handsäge kommt man(n) ganz schön ins Schwitzen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Als Naturschutzgebiet ist er die grüne Lunge der Indestadt: der Eschweiler Stadtwald. Am Sonntag stand er nun zum wiederholten Mal ganz besonders im Blickpunkt. Der 3. Eschweiler Waldtag lockte trotz der recht durchwachsenen Witterung viele Naturfreunde an.

Und niemand musste sein Kommen bereuen, denn an zahlreichen Stationen zwischen dem Forsthaus „Bohler Heide” und dem Killewittchen konnten junge und junggebliebene „Waldläufer” Wissenswertes zum Thema Wald erfahren, erfühlen und erleben.

„Das Angebot in diesem Jahr ist noch größer und vor allem vielfältiger als in den Jahren 2006 und 2008”, freute sich Revierförsterin Susanne Gohde über die Zahl der Partner, die bei der dritten Auflage des Eschweiler Waldtages mit von der Partie waren.

So konnten die Besucher unter anderem eigenhändig Apfelsaft pressen, Holz sägen, ihre Klettertechnik verbessern, im Niedrigseilgarten ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen, bei Hermann Karl von der Kreisjägerschaft Aachen an der „Rollenden Walschule” viel Neues über heimische Tierarten erfahren und einem mächtigen Kaltblüter bei seiner im wahrsten Sinne des Wortes Schwerstarbeit zusehen.

Bei der „Mobilen Jugendarbeit” bot sich die Gelegenheit, an der Projektarbeit „Graffitis am Bauwagen” teilzunehmen. Darüber hinaus informierten auch die Mitglieder des Eifelvereins, der Naturfreunde, des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), des Pfadfinder-Stammes „Hohensteiner” und der Arbeitsgemeinschaft Bildung für nachhaltige Entwicklung (BiNE) über ihre Arbeit.

Der Eschweiler Geschichtsverein klärte die Interessierten über die Vergangenheit des Stadtwaldes auf und erinnerte nicht zuletzt an die Vorgänger von Susanne Gohde. Albrecht Danz (1880 - 1924), Karl Leitzbach (1925 - 1954), Gerhard Wagner (1954 - 1963) und Christian Färber (1964 - 2004) hießen die vier Förster, die die Geschicke des Eschweiler Stadtwaldes vom Ende des 19. bis zu Beginn des 21. Jahrhunderts in Händen hielten.

„In dieser Zeit hat sich das Bewusstsein der Menschen in Sachen Wald sehr verändert”, betont die aktuelle Revierförsterin. Galt der Wald in vergangenen Zeiten vor allem als Nutzfläche, zum Beispiel zur Beschaffung von Brennholz, dient er inzwischen vor allem als Ort der Freizeitgestaltung. „Kein Wunder. Im Vergleich zu früher haben die Menschen heute ja auch wesentlich mehr Freizeit zur Verfügung”, weiß Susanne Gohde.

Die Forstwirtin schätzt, dass täglich rund 1000 Personen Entspannung im Eschweiler Stadtwald suchen, sei es als Spaziergänger, Wanderer, Nordic-Walker, Läufer oder Radfahrer. „Die Priorität beim Eschweiler Stadtwald liegt in seiner Erholungsfunktion, erst dann folgt die Nutz- sowie die Schutzfunktion”, stellt sie klar. Dabei liegt ihr vor allem das Interesse der Kinder am Herzen.

Und dieses ist groß: „Bei Waldführungen sind pro Jahr rund 450 Kinder dabei”, berichtet Susanne Gohde. Auf Grund dieses „Ansturms” kam die Revierförsterin auf die Idee, einen Eschweiler Waldtag ins Leben zu rufen. Eine Initiative, die immer mehr Freunde findet. „Im Vorfeld des Waldtages gibt es inzwischen sehr viele Anfragen von Vereinen und Institutionen, die uns unterstützen wollen”, freut sich Susanne Gohde. „Wichtig ist, dass das Programm abwechslungsreich bleibt und sich nicht bei jeder Neuauflage wiederholt. Deshalb haben wir uns auch entschlossen, den Eschweiler Waldtag nicht in jedem Jahr anzubieten. Er soll schließlich etwas besonderes bleiben.”

Dieser Vorsatz konnte am Sonntag bestens in die Tat umgesetzt werden. Mit großem Spaß nahmen Waldfreunde jedes Alters die Möglichkeit wahr, „Natur pur” aus größtmöglicher Nähe zu erleben. Zahlreiche leuchtende Kinderaugen nahmen den Eschweiler Stadtwald unter die Lupe. Und viele Besucher werden nicht bis zum 4. Eschweiler Waldtag warten, die grüne Lunge erneut aufzusuchen.

Steinkohletagebau prägt das Gelände

Es ist anzunehmen, dass der heutige Stadtwald, wie der Großteil des Staats- und Gemeindewaldes im ehemaligen Regierungsbezirk Aachen, aus früherem fränkischen Besitz hervorgegangen ist.

Ende des 18. Jahrhunderts erfolgten verschiedene Teilungen des landesherrlichen Waldes, aus denen die Gemeindewaldungen als Realbesitz hervorgingen.

Heute beträgt die Größe des Stadtwaldes, die in der Vergangenheit großen Flächenveränderungen unterworfen war, 415 Hektar.

Die Krummwüchsigkeit der Laubhölzer im nördlichen Teil des Stadtwaldes, besonders der Eiche, ist auf den Einfluss der Immissionen und den Steinkohletagebau zurückzuführen. Auch das in diesem Bereich des Waldes festzustellende deformierte Gelände hat seinen Ursprung im Steinkohletagebau.

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