26 ehrenamtliche Ordnungshelfer unterstützen Ordnungsamt

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
6877370.jpg
Der Müll muss weg: Ferdinand Remmert zeigt Ordnungsamtsleiter Edmund Müller eine Stelle mit Laub und Müll. Auf Hinweise ist das Ordnungsamt angewiesen. Foto: Tobias Röber
6877334.jpg
Dieses Fahrrad steht seit einigen Tagen in der Nähe von Johann Wilhelm Schleips Haus. Auf solche Dinge machen die ehrenamtlichen Ordnungshelfer aufmerksam.

Eschweiler. Ferdinand Remmert hat schon oft im Rathaus angerufen. Manchmal ist er auch einfach hingegangen und hat seine Anliegen gleich persönlich vorgetragen. Remmert ist 75 Jahre alt und ein „engagierter Bürger“, wie Ordnungsamtsleiter Edmund Müller ihn nennt. Und er ist einer von 26 ehrenamtlichen Ordnungshelfern, die Müller und seine Kollegen in ihrer Arbeit unterstützen.

Wir haben ihn und seinen Mitstreiter Johann Wilhelm Schleip besucht, stellvertretend für alle Freiwilligen, die sich engagieren. Wenn Ferdinand Remmert auf Edmund Müller oder einen seiner Kollegen trifft, hat er meistens irgendetwas entdeckt, das nicht in Ordnung ist. Entweder in Hücheln, dem Ort, in dem er seit über 20 Jahren wohnt, oder auch in der Innenstadt. Mal ist es eine Gehwegplatte, über die jemand gestürzt ist, mal ist es Müll, der beseitigt werden müsste, dann ist es wieder ein Bordstein oder Weg, der nicht in Ordnung ist.

Da Remmert in den vergangenen Jahren ohnehin oft mit Edmund Müller sprach, bot der Ordnungsamtsleiter dem damals 69-Jährigen an, doch gleich als ehrenamtlicher Ordnungshelfer zu arbeiten. Erst zögerte Ferdinand Remmert, nun ist er mit großer Freude dabei. „Es hat sich ja zu vorher nichts geändert“, sagt Edmund Müller mit einem Augenzwinkern.

Seit Juni 2006 gibt es die ehrenamtlichen Ordnungshelfer. Damals gab es eine politische Diskussion, wie das Ordnungsamt verstärkt werden könne, erinnert sich Müller. Am besten natürlich, ohne dass die Stadt tief in die Tasche greifen muss. Kein Problem mit einem Ehrenamt. Die Stadt startete einen Aufruf, und kurze Zeit später ging es mit acht Leuten los. Heute sind es 26, von denen jeder ein festes Gebiet hat, so dass nahezu das gesamte Stadtgebiet abgedeckt ist.

Bei Johann Wilhelm Schleip war der Weg zu diesem Ehrenamt ein ganz anderer als bei Ferdinand Remmert. Das Resultat ist das gleiche. Schleip hat Spaß an der Aufgabe. „Ich mache so lange weiter, bis ich es nicht mehr kann“, sagt der 63-Jährige. Johann Wilhelm Schleip arbeitete früher beim RWE, ging in den Vorruhestand und musste beim Arbeitsamt irgendwann ein Ehrenamt mit mindestens 14 Wochenstunden nachweisen. Nach einem Gespräch im Rathaus wurde ihm und einigen Kollegen die Aufgabe als ehrenamtlicher Ordnungshelfer vorgestellt. Zum 1. April 2008 fing er an und mittlerweile kennt ihn in Eschweiler-Ost so gut wie jeder. „Ich gehe auf die Menschen zu und suche das Gespräch“, nennt Schleip sein einfaches Erfolgsrezept. Das habe auch schon mal in brenzligen Situationen geholfen, sagt Schleip. Klingt gut, ist aber längst nicht jedermanns Sache.

Das muss auch nicht sein, wie Edmund Müller betont. Ziel der Ordnungshelfer soll es sein, bei den Bürgern ein Bewusstsein für Ordnung zu schaffen. Sie sollen bei alltäglichen Problemen, wie z.B. Lärmbelästigungen, schlichten oder für kleinere Missstände unbürokratische Lösungen finden. Anders ausgedrückt: Die Ordnungshelfer sollen die bisherige ordnungsbehördliche oder polizeiliche Arbeit nicht ersetzen, sondern mit Rat und (vor allem) mit Tat unterstützen. Man muss nicht gleich auf die Bürger zugehen und sie ansprechen. Viele Ordnungshelfer packen auch einfach selbst an und beseitigen Müll und anderen Dreck. Zur Freude von Müller. „Müll kriegt immer Junge“, weiß er. Will heißen: Wenn irgendwo Müll liegt, kommt schnell welcher dazu.

In brenzlige Situationen soll sich sowieso keiner begeben, sondern im Zweifel immer lieber dem Ordnungsamt Bescheid sagen, betont Müller. Auch sollen die Helfer nicht als „Blockwart“ oder „Spitzel“ fungieren. So steht es in der Vorlage, die jeder neue ehrenamtliche Ordnungshelfer bekommt.

Nun ist es nicht so, dass nur Beschwerden und Hinweise von den Helfern in Richtung Ordnungsamt kommen. Auch Bürger rufen Edmund Müller dann und wann an und beklagen sich über die Helfer. Auf die Frage, ob der eine oder andere zurückgepfiffen werden muss, antwortet der Leiter des Ordnungsamtes mit Ja. Es gab auch schon Fälle, bei denen die Zusammenarbeit wieder beendet wurde. „Das war aber nur ein- oder zweimal in all den Jahren“, sagt Müller, der jedoch mit diesem Projekt sehr zufrieden ist.

Die Ehrenamtler müssen oft ein dickes Fell haben, denn längst nicht jeder lässt sich gerne etwas sagen. Sätze wie „Was willst du alter Knacker denn?“, wie ihn Ferdinand Remmert bereits gehört hat, sind noch harmlos. Da hilft auch der Ausweis wenig, den Schleip, Remmert & Co. in der Tasche haben. Klar, hoheitliche Befugnisse können sie selbstredend nicht ausüben. Dennoch sind sich Schleip und Remmert sicher, dass es sich lohnt, den Mund aufzumachen. „Viele trauen sich nicht, etwas zu sagen. Da ist es gut, wenn es Bürger gibt, die genau das tun. Man muss sich auch wehren“, sagt Remmert.

Wer sich ebenfalls engagieren will, kann sich bei Ordnungsamtsleiter Edmund Müller melden: 02403/71-246, Fax: 02403/60999-192, E-Mail: edmund.mueller@eschweiler.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert