24 Stunden Fußball: Reichlich Muskelkater für guten Zweck

Von: Patrick Nowicki
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Für einen zurückhaltenden Jubel reicht die Kraft noch: die „letzte Schicht“ beim 24-Stunden-Spiel in Hastenrath. Foto: Patrick Nowicki/ Heinz Werner Taufenbach
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Impressionen aus Hastenrath: Daumen nach oben – das Ergebnis war Sven Baumann (oberes Bild rechts) und Christian Riedel letztlich egal. Das Deutschland-Trikot mit den Unterschriften aller Teilnehmer, das Alissa in die Höhe hält, wurde für den guten Zweck verlost. Erkennen Sie den Spieler auf dem mittleren Bild links? Richtig, der ehemalige U21-Nationalspieler Markus Daun. Während sich Mats (kleines Bild rechts) versucht, eine Banane als Stärkung in den Mund zu schieben, freut sich die Nora (Bild unten), dass es Papa Daniel nach vielen Stunden Fußball geschafft hat.

Eschweiler. Wie sich die Szenen ähneln: Fußballer reiben sich die Oberschenkel, lassen sich ermattet auf den Rasen fallen und saugen begierig an der Wasserflasche. Allerdings spielte sich die Szene nicht auf dem Grün des Pariser Stade de France, sondern auf dem Kunstrasenplatz des SC Berger Preuß ab.

Die erschöpften Sportler waren auch keine hoch bezahlten Profis nach einem 90-Minuten-Kick, sondern Fußballer jeden Alters aus Eschweiler nach einem 24-Stunden-Spiel für einen guten Zweck. Am Samstag um 11 Uhr nämlich erfolgte der Anpfiff, der Abpfiff ertönte am Sonntag um 11 Uhr. Dazwischen ruhte der Ball höchstens kurz vor einem Einwurf.

Ergebnis zweitrangig

Mitinitiator Sven Baumann war nach dem Spektakel sichtlich zufrieden. Mit Holger Vogelsang hatte er auf einem Fußmarsch nach Köln die Idee, ein solches Fußball-Spiel auf die Beine zu stellen. Unterstützt wurden die beiden von Jens Baumann und dem Schirmherrn und Bürgermeister Rudi Bertram. Das Ergebnis am Ende auf der improvisierten Anzeigetafel war zweitrangig: 205:167 hieß es am Ende. Team Schwarz hatte am Ende die Nase vor – es war die Mannschaft der beiden Baumann-Brüder. Glücklich klatschten sich alle Spieler nach 1440 Minuten Fußball ab. Geschafft!

Natürlich waren es nicht elf indestädtische Kicker, die am Ende ununterbrochen auf dem Platz stehen mussten, über 200 Eschweiler schnürten in dieser Zeit die Fußballschuhe. Einer davon spielte sogar einmal im Trikot der deutschen U21-Nationalmannschaft: Markus Daun, derzeit Jugendtrainer beim 1. FC Köln kickte mit seinen Kumpels für einige Zeit mit.

Doch er sollte am Ende nicht der Mann mit den meisten Toren sein. Gleich 22 Treffer gelangen nämlich Mike Gebauer, der seinen Einsatz nur für wenige Stunden unterbrach, um neue Kraft zu tanken – in einer Diskothek, wie es nachher hieß.

Schon beim Start kamen nostalgische Erinnerungen auf. Der Radiokommentar hätte lauten können: „24 Stunden noch im Stadion in Hastenrath, keiner wankt, der Regen prasselt unaufhörlich hernieder...“ Das typische Fritz-Walter-Wetter konnte jedoch die gute Laune keinesfalls vermiesen, lediglich die Hüpfburg blieb verwaist.

Daniel Krieger gelang das erste Tor des Tages, den 100. Treffer für das Team Schwarz markierte Jonas Wintz. Zu diesem Zeitpunkt waren zehn Stunden und 43 Minuten gespielt. Die ersten Wadenkrämpfe waren schon massiert worden, doch die Eschweiler Männer kennen keine Schmerzen. Moment! Nicht nur Männer beteiligten sich an dem Spiel, auch einige Impressionen aus Hastenrath: Daumen nach oben – das Ergebnis war Sven Baumann (oberes Bild rechts) und Christian Riedel letztlich egal. Das Deutschland-Trikot mit den Unterschriften aller Teilnehmer, das Alissa in die Höhe hält, wurde für den guten Zweck verlost. Erkennen Sie den Spieler auf dem mittleren Bild links? Richtig, der ehemalige U21-Nationalspieler Markus Daun. Während sich Mats (kleines Bild rechts) versucht, eine Banane als Stärkung in den Mund zu schieben, freut sich die Nora (Bild unten), dass es Papa Daniel nach vielen Stunden Fußball geschafft hat.     Damen waren dabei. Sie erzielten drei Treffer. Ein Tor blieb Mitorganisator Sven Baumann vorenthalten, aber er hielt es mit Oliver Kahn: „Immer weiter, immer weiter!“

Neumann als Vorbild

Als Vorbild erwies sich der Trainer von Falke Bergrath, Holger Neumann. Er hatte sich den Wecker gestellt und tauchte nach seiner ersten Schicht am Samstag vor Sonnenaufgang am Sonntag wieder in Hastenrath auf. „Meine Frau hat mich für verrückt erklärt, als ich mitten in der Nacht mit der Tasche aus dem Haus ging“, berichtet er lachend. Fußballverrückt eben.

Ursprünglich war geplant, dass jeder Spieler maximal drei Stunden auf dem Platz steht. Dass manche deutlich länger spielten, war der Tatsache geschuldet, dass nicht zu jeder Zeit ausreichend Spieler zur Verfügung standen. Da wundert man sich schon, wenn Vollblutprofis schon nach 80 Minuten Fußball über Krämpfe klagen.

Um kurz vor 5 Uhr war es auch dem Team Weiß gelungen, ein dreistelliges Ergebnis zu erreichen. Marius Mürkens schob zum 152:100 ein. An eine furiose Aufholjagd war zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr zu denken. „Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach“, bediente einer sich eines Matthäus-Satzes. Nicht des Kickers, sondern des Jüngers Jesu. Fünf Stunden später bedeutete Lukas Beilharz‘ Tor der 200. Treffer von Team Schwarz. Viele mehr sollten am Ende nicht mehr fallen. René Schröders sehenswertes Tor war gleichzeitig das letzte einer unglaublichen Partie.

Pünktlich um 11 Uhr am Sonntag morgen ließen sich viele Spieler auf den Kunstrasen fallen. Abpfiff, 205:167. Das Fazit fiel positiv aus: null Verletzte, gehöriger Muskelkater, dafür aber jede Menge Spaß und eine ordentliche Summe für den guten Zweck. Christian Riedel versprach einen Euro für jedes erzielte Tor, auch der Erlös aus dem Getränkeverkauf wird gestiftet.

Alle Teilnehmer hatten sich auf einem Deutschland-Trikot verewigt, das verlost wurde. Wer mitmachen wollte, musste etwas spenden. Wie viel letztlich bei dem 24-Stunden-Fußballspiel zusammengekommen ist, steht noch nicht fest.

Ohne Schiedsrichter

Ein Schiedsrichter war in den 24 Stunden übrigens nicht erforderlich. Grätschen war ohnehin verboten. „Unstimmigkeiten gab es höchstens einmal, als über Abseits diskutiert wurde“, sagte Veranstalter Jens Baumann. Ansonsten war das Spektakel extrem friedlich und fair. Ungewöhnlich für ein Hobbyspiel war auch die Tatsache, dass Bierflaschen und Zigaretten auf der Anlage tabu waren.

Ob noch einmal ein solches Fußballspiel auf die Beine gestellt wird? Sven Baumann lacht: „Wer weiß, welche Idee wir noch haben?!“ Vielleicht kommt eine solche wieder auf dem Weg von Eschweiler nach Köln. Holger Vogelsang (45) und Sven Baumann (30 ) haben dies nämlich vor drei Jahren getan: 56 Kilometer sind sie vom Eschweiler Marktplatz bis zum Kölner Dom gegangen. In 13 Stunden und 36 Minuten. Genug Zeit, sich über Projekte Gedanken zu machen. Und genau bei diesem Fußmarsch kam die Idee zu dem 24-Stunden-Kick...

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