1560 Teilnehmer beim Sportabzeichen: Rekord ist pulverisiert!

Von: Andreas Röchter
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Die Bühne der Realschulaula war am Samstag bei der Preisverleihung häufiger beinahe zu klein: Zunächst erhielten Schüler des Städtischen Gymnasiums, der Bischöflichen Liebfrauenschule sowie der Gesamtschule Waldschule das Sportabzeichen, ...
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... es folgten 337 indestädtische Grundschüler, ...
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... ehe die Vereinssportler ihre Urkunden in Empfang nahmen. Foto: Andreas Röchter
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Stabhochspringerin Katharina Bauer gab jungen Eschweiler Sportlern Gelegenheit, Erfahrungen mit dem unbekannten Sportgerät zu sammeln.

Eschweiler. Lange Zeit wurde an der „Traumzahl“ 1000 geknabbert, in 2015 konnte die hohe Hürde erstmals übersprungen werden (1115), im zurückliegenden Jahr wurde sie quasi pulverisiert: Sage und schreibe 1560 indestädtische Sportler aller Altersklassen, davon mehr als 1200 Kinder und Jugendliche, legten von Januar bis Dezember 2016 erfolgreich das Deutsche Sportabzeichen ab.

Im Rahmen von gleich drei Feierstunden, bei denen einmal mehr die Raiffeisen-Bank Eschweiler in Kooperation mit der Stadt Eschweiler als Gastgeber fungierte, nahmen die Athleten am Samstag in der Aula der Realschule Patternhof die Urkunden entgegen.

Dabei standen unter anderem altbewährte Traditionen, eine Premiere sowie ein Abschied auf dem abwechslungsreichen Programm: Erstmals begrüßte Sven Rehfisch als Vorstandsmitglied der Raiffeisen-Bank die zahlreichen Gäste, gewohnt souverän führte Moderator Christoph Herzog durch die dreiteilige Veranstaltung und letztmals war „Mister Olympia“ Charly Biernat mit von der Partie. Der 79-Jährige hatte seit 2001 maßgeblichen Anteil daran, dass die Verleihung des Deutschen Sportabzeichens in Eschweiler zu einem Ereignis ersten Ranges wurde.

In jedem Jahr gelang es dem Stolberger Dank seiner erstklassigen Verbindungen, Spitzensportler aus den unterschiedlichsten Sportarten in die Indestadt zu locken, die den Feierstunden immer ein ganz besonderes Flair verliehen, in Interviews Einblicke in das Leben eines Top-Athleten gewährten, nicht zuletzt Kostproben ihres Könnens gaben und dabei häufig die jungen und jüngsten Sportabzeichen-Absolventen in erste Kniffe ihrer Profession einweihten. Erinnert sei unter anderem an die Olympiasieger und Medaillengewinner Benjamin Wess (Hockey), Arnd Schmitt (Fechten), Eberhard Gienger (Turnen), Martin Lauer (Hürdensprint), Olaf Ludwig (Radsport), Sascha Klein (Turmspringen), Torsten May (Boxen), den mehrfachen Paralympics-Goldmedaillengewinner Jochen Wollmert (Tischtennis) und auch den ehemaligen Hochsprung-Weltrekordler Carlo Tränhardt.

Geschenk zum Abschied

Am Samstag erhielt Charly Biernat nun aus den Händen von Bürgermeister Rudi Bertram, der Schul-, Sport- und Kulturamtsleiterin Petra Seeger, Sven Rehfisch sowie dessen Mitarbeiterin Annette Brandenburg, die vor allem als Organisatorin im Hintergrund agierte, die verdiente Anerkennung. Doch natürlich ließ der Geehrte es sich nicht nehmen, den Eschweiler Sportlern ein großartiges „Abschiedsgeschenk“ in Person der Stabhochspringerin Katharina Bauer zu präsentieren. Die 26-Jährige weihte ihre Zuhörer nicht nur charmant in die Geheimnisse ihrer Disziplin ein, die im Vorfeld für wohl alle Gäste zumindest in aktiver Hinsicht ein Buch mit sieben Siegeln gewesen sein dürfte, sondern ließ ihr Publikum auch an den Höhen und Tiefen eines Sportlerlebens teilhaben.

„Ich bin durch meine Mutter mit drei Jahren zum Turnen gekommen und habe dann ab dem siebten Lebensjahr parallel Leichtathletik betrieben“, erinnerte sich die gebürtige Wiesbadenerin. Als sie sich einige Jahre später dann eine Verletzung beim Weitsprung zuzog und im Clubheim des USC Mainz einen Aushang entdeckte, mit dem Stabhochspringerinnen gesucht wurden, war erneut ihre Mutter die Wegweiserin. „Sie meinte, ich sollte diese Disziplin mal ausprobieren.“ Gesagt, getan. „Ich habe 2003 mit dem Stabhochsprung begonnen und ein Jahr später meinen ersten Wettkampf bestritten. Dabei bin ich einen Meter höher gesprungen als die anderen Sportlerinnen aus meiner Trainingsgruppe“, zeigte sich schnell das Talent von Katharina Bauer. „Mir kam natürlich meine turnerische Erfahrung sehr zugute“, erläutert die Athletin, die außer sonntags täglich trainiert, wobei an drei Tagen pro Woche zwei Einheiten auf dem Programm stehen.

Ihr Vereinswechsel zu Bayer Leverkusen zum Jahresbeginn 2014 ließ die Leistungskurve weiter nach oben zeigen (siehe Box). Der Weg schien geradewegs zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio zu führen. Doch dann schlug das Schicksal zu: Bei einem Wettkampf im französischen Montreuil wenige Wochen vor den Spielen stürzte die Stabhochspringerin schwer. Eine gebrochene Hand mit zahlreichen Bänderrissen war die Folge, der Olympia-Traum (vorerst) geplatzt. „Für mich ist natürlich eine Welt zusammengebrochen“, blickte Katharina Bauer auf den schlimmsten Moment ihrer Sportlaufbahn zurück. Doch entmutigen lässt sie sich keinesfalls. Vollständig genesen hat die 4,65-Meter-Springerin neue Ziele. Kurzfristig die WM in London in einigen Monaten, langfristig die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Dass Sport natürlich momentan die Haupt-, aber nicht die einzige Rolle in ihrem Leben spielt, machte Katharina Bauer im Gespräch mit Charly Biernat ebenso deutlich. „Ich habe per Fernstudium gerade meinen Bachelor im Studiengang Internationales Management gemacht. Nicht erst meine Verletzung hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, über die Sportkarriere hinauszudenken. Ausbildung oder Studium verschaffen Sicherheit“, so die 44. der Weltbestenliste aller Zeiten, die unterstrich, dass Disziplin für einen Hochleistungssportler unabdingbar ist.

So auch in puncto Ernährung. „Damit setzte ich mich intensiv auseinander. Teilweise vegane Küche, abends niemals Kohlehydrate. Allerdings gibt es pro Woche einen Tag, an dem ich esse, was ich möchte. Dies braucht der Körper für den Stoffwechsel.“ Ein echter Verzicht sei dies nicht. „Mir ist ja bewusst, dass diese Disziplin meinem Körper guttut“, so Katharina Bauer, die anschließend den jungen Sportlern des Städtischen Gymnasiums, der Bischöflichen Liebfrauenschule, der Gesamtschule Waldschule, mehreren Grundschulen sowie einiger Vereine die Gelegenheit gab, auf der Bühne der Aula erste Erfahrungen in Sachen Stabhochsprung zu sammeln.

Dass Sport auch, aber bei weitem nicht nur Leistung bedeutet, hatte zu Beginn der ersten Feierstunde Bürgermeister Rudi Bertram betont. „Zunächst ist es mir eine Freude, die beeindruckende Zahl von 1560 Sportabzeichen-Absolventen zu hören“, gratulierte der Verwaltungschef den Athleten und appellierte vor allem in Richtung Nachwuchs. „Es ist wichtig, Sport zu treiben. Er gibt euch etwas für das Leben mit, was über den Nutzen von Bewegung hinausgeht. Ihr findet beim Sport Freunde fürs Leben“, so Rudi Bertram, der abschließend Eltern, Trainern, Lehrern und den Unterstützern des Sportabzeichens dankte.

Messlatte liegt hoch

In die gleiche Kerbe schlug Sven Rehfisch: „Gerade in unserer von digitaler Technik beherrschten Welt ist es großartig, dass so viele junge Menschen in Eschweiler das Sportabzeichen ablegen!“ Auf ein Neues in 2017! Nicht nur Katharina Bauer hat die Messlatte hoch gelegt.

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