15-jähriges Bestehen des Frauennetzwerks

Von: Sonja Essers
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Für Gleichstellung und Integration ist sie die richtige Ansprechpartnertin: Sigrid Harzheim. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Sigrid Harzheim ist Gleichstellungsbeauftragte, stellvertretende Integrationsbeauftragte und Vorsitzende des Frauen Netzwerks. Im Interview erzählt die 56-Jährige, wie sich Gleichstellungs- und Integrationsarbeit miteinander verknüpfen lassen und erklärt, warum gerade junge Menschen mit dem Thema Gleichberechtigung anders umgehen, als ältere Generationen.

Frau Harzheim, seit wann sind Sie als Gleichstellungsbeauftragte für die Stadt Eschweiler aktiv?

Harzheim: Seit dem 4. November 1997 bin ich als hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte bestellt.

Was zählt zu Ihren Aufgaben? Mit welchen Anliegen beschäftigen Sie sich?

Harzheim: Zu meinen Aufgaben als Gleichstellungsbeauftragte zählen die verwaltungsinterne und -externe Gleichstellungsarbeit und der neu hinzugekommene Aufgabenbereich, die Integration.

Wie lassen sich diese beiden Bereiche miteinander vereinbaren?

Harzheim: Die Gleichstellungsarbeit und Integrationsarbeit sind nicht abgekoppelt voneinander zu betrachten, sondern stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander. Gleichstellungsarbeit adressiert nicht nur Frauen und Männer deutscher Herkunft, sondern auch Migrantinnen und Migranten, Menschen also mit verschiedenen sozialen, ethnischen, kulturellen oder nationalen Zugehörigkeiten – kurz: Menschen in ihrer Vielfalt mit den gemeinsamen Zielen Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit. Die Gleichstellungsarbeit ist eine Art Querschnittsaufgabe.

Wie ist Ihrer Meinung nach die Gleichstellung von Mann und Frau im Beruf und im Privaten vorangekommen? Was muss in Zukunft noch getan werden um die Gleichberechtigung zu erreichen?

Harzheim: Was vier Frauengenerationen für die Gleichstellung von Frau und Mann erreicht haben, lässt sich nicht in zwei Sätze fassen. Aber es ist unübersehbar, dass Frauen in der Erwerbsarbeit, in der Politik, in Institutionen und Medien präsent sind, wie nie zuvor. Landespolitische Themen, von denen Frauen betroffen waren und sind, gab und gibt es mehr als genug. An der Bandbreite der Themenvielfalt hat sich wenig geändert. Und es gibt viele Themen, die gewinnbringend für die Frauen in der Stadt bearbeitet werden können. Aber wie das so ist, der Zeitgeist spült Themen nach oben, da werden hartnäckig gesellschaftliche Debatten geführt, neue gesetzliche Regelungen beschlossen oder Fördergelder zur Verfügung gestellt. Andere Themen geraten dadurch aus dem aktuellen Blickwinkel, werden unbedeutender.

Welche Themen sind dies?

Harzheim: Darunter sind leider sehr viele, die auf der Ewigliste stehen: Minijobs, niedrige Frauenlöhne, Frauen in Führungspositionen, häusliche Gewalt, Frauenhausfinanzierung, Frauenanteil bei der Feuerwehr, Kinderbetreuung. Die Kinderbetreuung ist ein Paradebeispiel für die schwerfällige Strukturveränderung. Der Ausbau einer für alle Altersgruppen verlässlichen Kinderbetreuung ist die grundlegende Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und ein altes Thema und von unveränderter Aktualität und neuen Facetten. Diese Themen können von der Gleichstellungsbeauftragten vor Ort nicht alleine gelöst werden. Nur die Vernetzung auf lokaler, landes- und bundeweiter Ebene hilft, diese Themen zu bewegen. Und angesichts der wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Herausforderung, die auf die Kommunen zukommen, sind trotz spürbarer Verbesserung der Beschäftigungslage von Frauen weitere Anstrengungen nötig, um die Teilhabe am Arbeitsmarkt und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer weiter zu verbessern.

Wie sieht es mit der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Indestadt aus? Gibt es viele Frauen, die Ihre Hilfe benötigen und mit welchen Problemen kommen diese Frauen zu Ihnen?

Harzheim: Zu meinen externen Aufgaben gehört die Beratung. Die Zahlen schwanken, aber im Jahr führe ich durchschnittlich 112 Beratungen durch. Diese finden entweder persönlich, telefonisch oder per E-Mail statt. Wobei die Anfragen per E-Mail immer weiter steigen. Die Schwerpunkte in der Beratung lagen und liegen eindeutig in den Bereichen Frauen und Gewalt, Frauen und Recht sowie Frauen und Beruf. Ich darf keine Rechtsberatung anbieten, nur Rechtsinformationen geben. Die Hilfen sehen sehr unterschiedlich aus, je nach Problemlage.

Sind es vermehrt ältere oder jüngere Frauen, die Ihre Hilfe benötigen?

Harzheim: Das Beratungsangebot wird von Frauen jeden Alters und aus allen Schichten wahrgenommen. Beratungen von Frauen, die über 50 Jahre alt sind und die sich in einer Trennungsphase befinden nehmen allerdings immer mehr zu.

Gibt es auch Männer, die zu Ihnen kommen weil sie sich nicht gleichberechtigt fühlen?

Harzheim: Ja, aber wenige und meistens geht es um Trennungsfragen. Anfragen per E-Mail sind auch hier häufiger der Fall.

Gehen die jüngeren Generationen mit dem Thema Gleichberechtigung anders um als die älteren?

Harzheim: Ja, denn für die junge Generation ist vieles schon selbstverständlich, wofür die ältere Generation noch kämpfen musste. Frauen machen ihr Abitur, sie studieren, promovieren, gehen wählen, arbeiten in männertypischen Berufen, dozieren an der Uni oder debattieren im Deutschen Bundestag. Diese Feststellung klingt für junge Leute banal und besonders junge Frauen wollen sich heute nicht auf ein Frauenbild festlegen lassen, so wie ihre Großmütter es mussten, die zuständig waren für Ehemann, Kinder und Haushalt. Sie wollen alles: Familie, Beruf und Freizeit. Von all dem konnte die ältere Generation nur träumen.

Heute feiern Sie nun ein Jubiläum, 15 Jahre Frauennetzwerk. Was genau kann man sich unter dem Frauennetzwerk vorstellen?

Harzheim: Auf kommunaler Ebene ist es für die externe Gleichstellungsarbeit wichtig und unerlässlich, Bündnispartnerinnen zu finden, die sich grundsätzlich für Chancengleichheit, Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. So gründete ich Ende 1998 das Frauennetzwerk und es schlossen sich engagierte Frauen aus Politik, Verwaltung, sozialen und kirchlichen Institutionen, Verbänden und Vereinen, Initiativen und öffentlichen Einrichtungen sowie Einzelpersonen zusammen, um sich für die Förderung und Gleichstellung aller Frauen einzusetzen, ohne Ansehen ihrer gesellschaftlichen Stellung, religiösen Überzeugung, ethnischen Herkunft oder sozialen Situation.

Wie waren die Anfänge des Frauennetzwerks?

Harzheim: Naja, vor fast 16 Jahren , gerade neu „im Geschäft“ und absolut unerfahren, bin ich mit meinem Gründungsvorhaben etwas blauäugig an die Sache herangegangen. Ich dachte: „Frauensolidarität!“, wir sind uns einig und dann klappt das schon. So einfach war es dann aber nicht. Es hat schon eine gewisse Zeit gedauert, bis alle an einem Strang zogen und unser Netzwerk als das was es ist ein überparteilicher Arbeitskreis, von allen akzeptiert wurde. Heute sind wir ein eingeschworenes Team und arbeiten vertrauensvoll zusammen. Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung und oftmals wird kontrovers diskutiert, aber wir finden immer einen Weg, den wir gemeinsam gehen können.

Wie werden die Feierlichkeiten aussehen?

Harzheim: Wir haben eine Chronik herausgebracht, in der die vergangenen Jahre ausführlich dargestellt sind. Heute Abend wird es dann eine Art Zeitreise geben. Dann stellen wir jedes Jahr noch einmal kurz vor. Im Anschluss an die Veranstaltung gibt es dann noch eine After Event Party.

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