100 Jahre FC Rhenania Eschweiler: Soziale Bedeutung für die Stadt

Von: fe
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Zahlreiche Ehrennadeln, Ehrenmitgliedschaften und sogar eine Ernennung zum Ehrenvorsitzenden – zum 100-jährigen Bestehen ehrte der FC Rhenania Eschweiler verdiente Mitglieder. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Wie gut, dass die Bühne im Pädagogischen Zentrum der Waldschule so groß ist. Denn der Fußballclub Rhenania Eschweiler hatte am Samstag viele Menschen zu ehren bei seiner Jubiläumsfeier. 100 Jahre ist der Verein aus dem Stadtteil Pumpe-Stich alt.

Zur Jubiläumsfeier hatten viele Mitglieder und Freunde an festlich (und natürlich in blau und weiß) gedeckten Tischen Platz genommen, um die Verdienste des Vereins und vieler dort ehrenamtlich tätigen Menschen zu würdigen.

Das machte am eindrucksvollsten der Eschweiler Bürgermeister. Rudi Bertram, der viele Jahre lang für die Rhenania Fußball gespielt hat bis hinauf in die Landesliga, versicherte, dieses Jubiläum sei für ihn auch ein emotionaler Moment. Denn in der Rhenania habe er als Jugendlicher so etwas wie eine Familie gefunden. „Für mich war das eine Gemeinschaft, die mich in schwierigen Zeiten aufrecht erhalten hat. Hier habe ich Kumpels und Freunde gefunden.“ Der Bürgermeister weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig dieser Zusammenhalt für einzelne Menschen ebenso wie für die ganze Stadt ist. Er sagte allen, die sich im Laufe der Jahre eingebracht haben, ob im Vorstand, als Trainer, Betreuer oder Sportler, „ein aufrichtiges Dankeschön von einem Bürgermeister, der daran interessiert ist, dass wir eine soziale Gemeinschaft in der Stadt erhalten.“

Herbert Lenzen, Geschäftsführer der ESW-Röhrenwerke, der 1955 als 13-Jähriger mit dem Fußballspielen bei der Rhenania angefangen hat, beschwor als Festredner die alten Zeiten, als Fußballer noch nicht so wehleidig waren wie heute: „Der Ernst Lutter und ich, wir könnten hier die Hosen runter lassen und dann könnten Sie immer noch die Verletzungen sehen von der Hoffmann-Kampfbahn, das war nicht nur Asche, das war auch klein geklopftes Gemäuer!“

Damals wurde auch schon mal mit einem Armbruch oder einem verstauchten Fuß weiter gespielt: „Unser Trainer sagte dann: Stell dich nicht so an, tritt mal fest auf und dann spielst du weiter.“ Das habe für‘s Leben geprägt, versicherte Lenzen: „Wir haben gekämpft, auch mal in der dritten Halbzeit.“

Im Zentrum des Jubiläumsabends standen Ehrungen verdienter Mitglieder. Ladies first – seit über 30 Jahren hat der Fußballverein auch eine Damen-Gymnastikabteilung, die sich jede Woche in der Turnhalle der Waldschule trifft. Aus dieser Abteilung sind zwölf Frauen 30 und mehr Jahre dabei: Marlene Bersch, Thekla Diegelmann, Marianne Hansen, Anni Hensiek, Brigitte Kohl, Elfriede Moitzheim, Marianne Mombartz, Hannelore Schuster, Marlies Weitmann, Hildegard Wienands, Ruth Wirtz und Erika Wolf. Sie wurden mit der Silbernen Ehrennadel des FC Rhenania ausgezeichnet. Zwei von ihnen wurden besonders hervor gehoben. Der Vorsitzende des Turngaus Aachen, Wilfried Braunsdorf, zeichnete die Mitgründerin der Gymnastikgruppe Marlene Bersch und Marlies Weitmann mit der Goldenen Nadel des Turngaus aus.

Silberne Ehrennadeln der Rhenania gab es auch für männliche Vereinsmitglieder, die seit 25 und mehr Jahren bei der Rhenania aktiv sind. Das sind Winfried Weber, Zdravko Vlaovic, Udo Freialdenhoven, Matthias Hillemacher, Herbert Lux, Erich Hennig, Stephan Lenzen, Andreas Stiel und Kurt Hannes. Fast alle waren auch trotz Urlaubszeit gekommen. Vorsitzender Dieter Bildstein und Geschäftsführer Wilfried Pütz überreichten die Anstecknadeln und die Urkunden.

Deutlich mehr Rhenanen wurden mit Goldenen Ehrennadeln ausgezeichnet. Die gab es für alle, die 40 bis 50 Jahre dem Verein angehören. Es sind Annemie Keldenich, Günter Friederichs, Manfred Beitzel, Hans-Gerd Müller, Dieter Müller, Walter Goy, Peter Fischer, Herbert Hansen, Karl-Heinz Kaldenbach, Manfred Wienands, Michael Scheller, Uli Fischer, Erich Jungherz und Rolf Gülpen.

Vier Rhenanen, jeder schon seit Jahrzehnten Mitglied des Vereins, wurden für besonders Verdienste um den FC Rhenania zu Ehrenmitgliedern ernannt. Vorsitzender Dieter Bildstein rief sie auf die Bühne: Ernst Lutter, der seit 48 Jahren zur Rhenania gehört, Lutz Costantini (59 Jahre Mitgliedschaft), Herbert Lenzen (58 Jahre dabei) und Martin Pütz, der 1950 dem Verein beitrat und somit schon 63 Jahre Rhenane ist. Und dann gab es noch eine Ehrung obendrauf. Willi Dümenil, der von 1994 bis 1998 an der Spitze des FC Rhenania stand, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Da erhoben sich alle Gäste der Jubiläumsfeier von ihren Sitzen und klatschten stehend Beifall.

Raphael Lamm, Vorsitzender des Fußballkreises Aachen, richtete die Glückwünsche des Deutschen Fußballbundes (DFB), des Fußballverbandes Mittelrhein und natürlich des Fußballkreises aus. Er würdigte den FC Rhenania als einen der wenigen Vereine, der in fast jeder Jugendklasse eine Mannschaft gemeldet hat, Bambini bis A-Jugend. Sogar zwei Mädchenmannschaften gibt es. Lamm überreicht im Namen des DFB eine Plakette „100 Jahre Fußball“ und einen Scheck über mehrere hundert Euro – der DFB lässt sich da nicht lumpen. Im Auftrag des Fußballverbands Mittelrhein überreicht eine Ehrenunkunde als Dank und in Anerkennung für die Jugenderziehung und die Förderung des Sports. Und namens des Fußballkreises gab es unter anderem zwei Fußbälle für Jugendleiter Wolfgang Scholl und den Vorsitzenden der Rhenania: „Hoffentlich geht dieser Ball sehr oft in das Netz – des Gegners.“ Lamm würdigte das Engagement des Vorsitzenden Dieter Bildstein, der am Samstag gemeinsam mit Manfred Wienands und dem Rhenania-Geschäftsführer Wilfried Pütz den Festabend moderierte.

Horst Auzinger ist der Ehrenamtsbeauftragte beim Fußballkreis Aachen. Es freue ihn, versicherte Auzinger, auch einmal in Eschweiler die Arbeit von ehrenamtlich tätigen Menschen zu würdigen. Das sei selten, meist sei er in Aachen und der Eifel unterwegs, Eschweiler sei da ein wenig Diaspora. Was nach seiner Ansicht an den Fußballvereinen selber liegt, die er mit deutlichen Worten kritisierte: „Sie wissen in Eschweiler nicht, wie Sie mit ihren verdienten Ehrenamtlern umzugehen haben!“

Auzinger zeichnete im Namen des Fußballverbandes Mittelrhein zwei Rhenania-Mitglieder aus: Herbert Hansen und Wilfried Pütz. Hansen war 30 Jahre lang Fußballer, viele Jahre Jugendtrainer, bis 2005 war er Obmann der Seniorenabteilung und dann für drei Jahre Geschäftsführer des Vereins, er ist heute noch als Beisitzer im Vorstand. Um Wilfried Pütz brauche er eigentlich nicht viele Worte zu machen: „Nicht nur in Eschweiler kennt man Wilfried Pütz als Mister Rhenania! Von 1970 bis 2001 war Pütz Geschäftsführer, dann einige Jahre Vorsitzender, anschließend wieder Geschäftsführer.Seit mehr als 20 Jahren ist er zudem im Organisationsteam der Stadtmeisterschaften. Beide Rhenanen erhielten für ihren „vorbildlichen und selbstlosen“ Einsatz die Silberne Verdienstnadel des Fußballverbandes Mittelrhein für Verdienste um den Fußballsport. Auch der FC Rhenania Eschweiler selber ehrte ihren Geschäftsführer, der Vorstand bedankte sich mit einem Gutschein bei Pütz.

„Bravo“-Rufe im Publikum gab es, als der Vorsitzer des Fußballkreises Aachen noch einmal zum Mikrophon griff. Raphael Lamm ehrte den langjährigen Trainer Matthias Hillemacher, der „in guten und schlechten Zeiten“ stets zum Verein gestanden habe. Für ihn hab es die Ehrenamtsuhr des DFB.

Dass die Rhenania ausgerechnet im Jubiläumsjahr nach fünf Abstiegen nun in der niedrigsten Klasse Fußball spielt, ist natürlich etwas, das alle echten Rhenanen schmerzt. Zumal mehrere Redner am Jubiläumsabend sich Mühe gaben, in der Wunde zu stochern. Nur der Bürgermeister enthielt sich jeder Anspielung.

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