Eschweiler - 100 Jahre auf der Jagd nach dem schwarzen Gold

Radarfallen Bltzen Freisteller

100 Jahre auf der Jagd nach dem schwarzen Gold

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
tagebau-bu1
Der Tagebau hat das Leben der Menschen in der Region geprägt: Vor genau 100 Jahren begann die industrielle Förderung von Braunkohle. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Der Tagebau hat die Landschaft verändert und das Leben der Menschen in der Region geprägt. Mit der Förderung der ersten Kohle im Tagebau Zukunft hat die industrielle Braunkohlegewinnung vor genau 100 Jahren ihren Anfang genommen. Im September 1910 nahm die Gewerkschaft Zukunft die Kohlefördeung zur Versorgung der Brikettfabrik in Weisweiler auf.

Im ersten Jahr wurden dort 42.000 Tonnen Brikett hergestellt, ein paar Jahre später waren es bereits über 150.000.

Die Gründung der Braunkohlen-Industrie AG, der BIAG-Zukunft, war der nächste Schritt auf dem Weg zur Stromerzeugung durch Braunkohle. Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerks Zukunft wurden ab 1914 die Stadt Eschweiler, der Landkreis Düren und Stolberg mit Strom versorgt. Das Kraftwerk hatte damals eine Leistung von 12 Megawatt. Im Vergleich dazu hat das Kraftwerk Weisweiler heute eine Kapazität von 2800 Megawatt.

Mit der zunehmenden Industriealisierung im Aachener und Dürener Raum mussten die Kapazitäten schon nach kurzer Zeit ständig erweitert werden. Nach dem ersten Weltkrieg kam der Braunkohle eine besondere Bedeutung zu, da die Franzosen den Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet kontrollierten und damit ein Großteil der dortigen Förderung der heimischen Energieversorgung nicht mehr zur Verfügung stand.

In den 30er Jahren, nach der Überwindung der Weltwirtschaftskrise, lag die Förderung des Tagebaus Zukunft bereits bei 3 Millionen Tonnen pro Jahr. Im Jahr 1935 wurde zwischen Dürwiß und Hehlrath mit dem Aufschluss des Tagebaus Zukunft-West begonnen. Der Tagebau Zukunft-West hielt über 50 Jahre. Der Abschluss der Rekultivierung erfolgte 1994 mit der Herstellung des Blausteinsees.

Im Zweiten Weltkrieg wurden der Tagebau Zukunft-West, die Brikettfabrik Weisweiler und das Kraftwerk Zukunft von den alliierten Bombenangriffen beschädigt. Bis zum Jahr 1943 konnte dennoch ein Förderniveau von 3 Millionen Tonnen pro Jahr aufrecht erhalten werden. Im September erreichte die Westfront den Raum Eschweiler und die Fabrik Weisweiler wurde schwer beschädigt.

Im gleichen Monat musste das Kraftwerk Zukunft die Produktion einstellen, weil ein Großteil der Tagebaueinrichtungen zerstört und die Versorgung mit Braunkohle nicht mehr aufrecht zu erhalten war. Bombenangriffe setzten im Oktober des gleichen Jahres das Kohleflöz im Tagebau Zukunft-West in Brand. Dieser Brand konnte erst im August 1945 mit Hilfe der Allierten gelöscht werden.

Vor dem Hintergrund der Schädem entschied die amerikanische Militärregierung in Köln, die BIAG Zukunft nicht mehr in Betrieb zu nehmen und zu Gunsten von Kölner Produktionsbetrieben „auszuschlachten”. Die nach dem Kriegsende zuständige britische Militärregierung setzte diese Planungen aber nicht um. Stattdessen entschied sie sich im Jahr 1947 für die Errichtung eines neuen Kraftwerkes in Weisweiler, um den Strom in das benachbarte Ausland exportieren zu können.

Durch den Einsatz der Belegschaft und der Marshallplan-Gelder konnten Förderung und Produktion schon im Februar 1946 wieder aufgenommen werden. Bereits 1948 wurde die Vorkriegsproduktion von 3 Millionen Tonnen pro Jahr wieder erreicht.

1952 erreichte der Tagebau Zukunft-West die Ortschaft Hehlrath. Erstmals mussten Menschen im Westen des Rheinischen Braunkohlereviers umsiedeln. 217 Einwohner zogen aus dem Ostteil von Hehlrath an den Nordrand von Kinzweiler um. In der fast 50-jährigen Geschichte des Tagebaus Zukunft-West siedelten insgesamt mehr als 1600 Bürger um. Betroffen waren die Ortschaften, Lürken, Warden, Laurenzberg, Pützlohn, Gut Hausen, Langendorf, Fronhoven, Lohn, Erberich, Langweiler, Obermerz und Niedermerz.

Mit Beginn der 60er Jahre stellten immer mehr Haushalte von festen Brennstoffen auf Heizöl und Erdgas um. Anfang der 70er Jahre wurde dann die Brikettfabrikation im Westrevier eingestellt, so dass die Braunkohle von da an ausschließlich für die Versorgung des Kraftwerkes Weisweiler eingesetzt wird.

Anfang der 80er Jahre lief der Abbau im Tagebau Zukunft-West allmählich aus. Die Großgeräte wurden nacheinander zum Tagebau Inden überstellt, der im Anschluss die Kohleförderung sicherstellen sollte. Im September 1987 war das Abbaufeld Zukunft-West ausgekohlt. 530 Millionen Tonnen Braunkohle waren gefördert und rund 1100 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt worden. Im Jahr 1981 wurde der Tagebau Inden wieder angefahren, um die beginnende Auskohlung des Tagebaus Zukunft-West schrittweise auszugleichen.

Heute werden bis zu 25 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr gefördert und damit etwa drei Prozent des deutschen Strombedarfes im Kraftwerk Weisweiler produziert. Der Tagebau Inden mit seinen 850 Mitarbeitern und das Kraftwerk Weisweiler mit weiteren 550 Mitarbeitern gehören zu den bedeutesten Wirtschaftunternehmen in der Region.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert