100-jähriges Bestehen der beiden DLRG-Ortsgruppen in Eschweiler

Von: Andreas Röchter
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Über 600 Mitglieder stark sind die DLRG-Ortsgruppen Eschweiler und Weisweiler. Rund 60 DLRG-ler sind im aktiven Wachdienst als Rettungsschwimmer tätig. Foto: Andreas Röchter/stock/imagebroker

Eschweiler. Den Anfang markierte ein Unglück! Am 28. Juli 1912 brach auf der Insel Rügen die Anlegestelle einer Seebrücke in sich zusammen, auf der sich über 1000 Schaulustige drängten, die die Ankunft eines Schiffes erwarteten. Mehr als 100 Menschen stürzten in die Ostsee. Für 17 Personen, darunter sieben Kinder, kam jede Hilfe zu spät.

Ein Grund: Kaum einer der Augenzeugen war bereit oder in der Lage, Rettungsmaßnahmen einzuleiten oder Erste Hilfe anzuwenden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten in Deutschland nämlich nur zwei bis drei Prozent der Menschen schwimmen. Rund 5000 Menschen verloren damals pro Jahr ihr Leben im Wasser. Dies sollte sich ändern! Und so wurde am 19. Oktober 1913 im Saal des Kaufmännischen Vereins in Leipzig die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft ins Leben gerufen. 100 Jahre später ist die DLRG die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Ein Grund zum Feiern!

Juxwettkämpfe im Jahnbad

Auch für die Verantwortlichen der beiden indestädtischen Ortsgruppen Eschweiler und Weisweiler. Heute veranstaltet der DLRG-Bezirk Aachen im Hallenbad Jahn­straße zwischen 11 und 17 Uhr ein „Schwimmbadevent“ mit Juxwettkämpfen in verschiedenen Disziplinen, zu dem alle DLRG-Mitglieder des Bezirks und deren Familien eingeladen sind. Ab 18 Uhr gehen die Feierlichkeiten dann in der Aula der Realschule Patternhof weiter.

Doch wie steht es abseits der Jubiläumsfeierlichkeiten um die DLRG in Eschweiler? „Grundsätzlich gut“, sind sich Ruben Ehser, Einsatzleiter der Ortsgruppe Eschweiler, und Michael Bugs, stellvertretender Leiter der Ortsgruppe Weisweiler, einig. „Nachdem wir im Jahr 2005 zum Umzug aus der Weisweiler Schwimmhalle in die Jahnhalle gezwungen waren, mussten wir kurzzeitig einen Rückgang der Mitgliederzahlen registrieren. Dieser konnte jedoch inzwischen wieder aufgefangen werden, so dass wir momentan rund 360 Mitglieder zählen“, berichtet Michael Bugs.

In ähnlichen Bereichen bewegt sich die Zahl der Mitglieder im Ortsverein Eschweiler. „Wir liegen bei rund 300. Zwei Drittel davon gehören der Jugend an, zu der man bei der DLRG bis zum 26. Lebensjahr zählt“, ergänzt Ruben Ehser. Dass beide Ortsgruppen fest in Eschweiler etabliert seien, zeige auch die Tatsache, dass es für die Teilnahme an den Schwimmanfängerkursen für Kinder Wartezeiten gebe, die durchaus auch einmal drei bis vier Jahre betragen könnten. „Am besten ist es, sein Kind bereits kurz nach der Geburt anzumelden“, schmunzelt Michael Bugs.

Generell dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich bei der DLRG vorrangig um eine Rettungsorganisation und nicht um einen Schwimmverein im eigentlichen Sinne handele. „Unser Ziel ist es, Nichtschwimmer zu Schwimmern und Schwimmer zu Rettungsschwimmern auszubilden“, verdeutlicht Ruben Ehser. Neben der Ausbildung sei eben der Wachdienst oder Wasserrettungsdienst, der am Rursee und in Kooperation mit dem DLRG-Bezirk Düren am Blausteinsee stattfindet, das zweite Standbein. Momentan sind sowohl in der Ortsgruppe Eschweiler als auch in Weisweiler je rund 30 Personen im aktiven Wachdienst tätig.

Training am Montag

Die Ausbildung findet in beiden Ortsgruppen am Montagabend zwischen 18.30 Uhr und 21 Uhr im Hallenbad Jahnstraße statt. Dabei wird von 18.30 Uhr bis 19.15 Uhr auch das Nichtschwimmerbecken zur „Wassergewöhnung und Wasserbewältigung“ genutzt. „Die Kinder sollen die Angst vor dem Wasser verlieren und die ersten Schwimmbewegungen lernen“, erläutert Michael Bugs. Zwischen 19.15 Uhr und 20 Uhr werden die „Junior-Retter“, die bereits das „Jugendschwimmabzeichen Gold“ ihr Eigen nennen, auf das Rettungsschwimmen vorbereitet, wobei das Augenmerk besonders auf den Schwimmstil gerichtet wird. In diesem Zeitraum findet ebenfalls die Ausbildung für das „Rettungsschwimmabzeichen Bronze“ statt. Von 20 bis 21 Uhr steht schließlich die Ausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen im Rettungsschwimmen sowie im Schnorcheltauchen auf dem Programm.

„Der Wunschwerdegang ist, dass ein Kind als Nichtschwimmer zu uns kommt und bis zum 15. Lebensjahr das Rettungsschwimmabzeichen Silber, das zum aktiven Wachdienst berechtigt, abgelegt hat“, nennt Ruben Ehser die Stationen. Doch dieser Weg sei heutzutage alles andere als vorgezeichnet. „Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass Kinder schwimmen lernen“, hat Michael Bugs festgestellt. Die Gründe? „Unter anderem die inzwischen fehlende Infrastruktur, denn auch Eschweiler hat nur noch ein Hallenbad. Und das führt zu Kapazitätsproblemen“, sagt Ruben Ehser. Hinzu komme, dass die effektive Wasserzeit beim Schwimmunterricht der Grundschulen häufig zu gering sei.

Dennoch blicken die beiden Ehrenamtler zuversichtlich nach vorne. „Eines unserer Ziele muss lauten, junge Ausbilder an ihre Aufgaben heranzuführen. In dieser Hinsicht müssen wir nachlegen“, erklärt Ruben Ehser. Zumal der Weg zum vollwertigen Ausbilder durch neue Vorschriften anspruchsvoller geworden sei. „Rechnet man die Praktikumszeiten hinzu, sind die Anwärter durchaus zwei Jahre beschäftigt, bis sie fertige Ausbilder sind.“

Die Tatsache, dass sich die Ortsgruppen Eschweiler und Weisweiler nach der Schließung des Hallenbades in Weisweiler näher „auf die Pelle“ rücken mussten, sehen Michael Bugs und Ruben Ehser positiv. „Wir wurden von der Stadt, die uns ansonsten aber sehr gut unterstützt, ins kalte Wasser geworfen. Dabei haben wir uns nicht nur miteinander arrangiert, sondern ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt“, zieht der Einsatzleiter der Ortsgruppe Eschweiler ein mehr als zufriedenes Fazit.

„Wir kooperieren und unterstützen uns“, pflichtet ihm Michael Bugs bei. Also gehen die Eschweiler Lebensretter mit einem guten Gefühl in das zweite Jahrhundert ihrer Gesellschaft. „Die DLRG hat einen sehr guten Namen. Die Ansprüche, die man an uns stellt, wachsen wie die Zahl der Aufgaben. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass wir Ehrenamtler sind“, betonen Michael Bugs und Ruben Ehser einstimmig.

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