100 Geburtstag: Das Alter merkt man ihr nicht an

Von: mic
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Luzie Piwowarsky freute sich sehr darüber, dass ihre vier Kinder Ekkehard, Elisabeth, Hannelore und Gisela gekommen waren, um mit ihr ihren 100. Geburtstag zu feiern. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Aus allen Teilen der Republik war die große Familie angereist, um einem Menschen zu gratulieren, den man in seiner warmherzigen Art einfach nur gern haben kann. Luzie Piwowarsky hat am Montag ein Altersjubiläum gefeiert, das nicht vielen vergönnt ist.

Zu ihrem 100. Geburtstag sagten die Kinder, Enkel und Urenkel Dank und bereiteten ihrer Oma Luzie, wie alle sie liebevoll nennen, mit ihrem Besuch das schönste Geschenk.

Nein, dass diese Frau ein ganzes Jahrhundert erlebt hat, kann man nicht glauben, wenn man ihr zum ersten Mal begegnet. Und wer mit ihr spricht, glaubt es noch weniger. Sie ist hellwach, liest jeden Morgen mit Begeisterung unsere Zeitung und informiert sich über die kleinen und großen Dinge in der Welt.

Als Luzie Piwowarsky am 22. November 1910 in Kunzendorf/Oberschlesien als Luzie Pachel zur Welt kam, da saß Kaiser Wilhelm II. noch fest im Sattel. Es waren unruhige Zeiten, die schließlich in den 1. Weltkrieg mündeten. Es folgten die Jahre der Weimarer Republik und damit bessere Tage. Im Alter von 20 Jahren trat Luzie vor den Traualtar und heiratete Paul Piwowarsky, mit dem sie eine Familie gründete.

In jenen Jahren kamen die Kinder Gisela, Elisabeth, Ekkehard und Hannelore zur Welt. Wenige Monate vor Ende des 2. Weltkriegs, im Januar 1945, musste die Familie fliehen und verlor Hab und Gut. In seiner Rede für die Mutter erinnerte Ekkehard Piwowarsky an diese furchtbaren Zeiten: Jeder konnte im Winter ´45 nur einen aus einem Handtuch genähten Rucksack mitnehmen, der mit dem Wichtigsten vollgestopft war: Kleidung.

Die Flucht endete in Neuwaltersdorf/Schlesien. Hier in der Grafschaft Glatz fand die Familie Unterschlupf bei einem Pfarrer, der ihr ein Jahr lang Obhut gewährte. Das Schicksal führte die Flüchtlinge dann nach Ostfriesland, wo die Familie auf engstem Raum in einem Bauernhaus untergebracht wurde. Gegen Kost und Logis half Mutter Luzie in der Landwirtschaft mit, während Vater Paul beim Torfstechen schwerste körperliche Arbeit verrichten musste.

Aufwärts ging es, als der Vater endlich wieder in seinem Beruf arbeiten konnte: 1947 fand Paul Piwowarsky eine Anstellung als Volksschullehrer im Rheinland, genau gesagt in Laurenzberg, wo die Familie auch im Schulgebäude wohnen konnte.

1949 brachte Luzie Piwowarsky ihr fünftes Kind, Franz-Werner, zur Welt, der im Jahr 2000 zum großen Leid aller verstorben ist. Als 1969 die Rheinbraunbagger vor der Tür standen, lebte Luzie Piwowarsky nur noch mit ihrem Sohn Franz-Werner in Laurenzberg; die anderen Kinder waren ausgezogen und hatten eigene Familien gegründet. Ein Jahr zuvor war ihr Mann Paul nach langer schwerer Krankheit gestorben.

Bis vor etwa fünf Jahren wohnte Luzie Piwowarsky an der Hans-Böckler-Straße in Dürwiß, bevor sie im Senioren- und Betreuungszentrum an der Johanna-Neuman-Straße ein neues Zuhause fand.

Hier standen am Montag die Gratulanten Schlange beim kleinen Sektempfang: Ihre vier Kinder Gisela (79), Elisabeth (75), Ekkehard (74) und Hannelore (70), Enkel und Urenkel, viele weitere Verwandte, Freunde und Mitbewohner waren zum Empfang für Oma Luzie gekommen.

Zwölf Enkel und 18 Urenkel

Glückwünsche überbrachten ebenso die stellvertretende Städteregionsrätin Christiane Karl, der stellvertretende Bürgermeister Manfred Groß, Verwaltungsdirektor Bernhard Müller und sein Vorgänger Klaus Kistermann. Am meisten aber freute sich Luzie Piwowarsky darüber, dass ihre große Familie, zu der alleine zwölf Enkel und 18 Urenkel zählen, endlich einmal fast beisammen war und mit ihr gemeinsam ihren 100. Geburtstag beging.

Die Gratulanten hatten Blumen und Geschenke mitgebracht, doch Oma Luzie wäre nicht Oma Luzie, hätte sie selbst auf ihrem eigenen Jubeltag nicht an ihre Liebsten gedacht: Für die Jüngsten hatte sie einen ganzen Korb voller bunter Socken gestrickt - jedes Paar einmalig und unverwechselbar. So wie sie selbst eben.
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