Neujahrsempfang mit Martin Schulz

(rpm) | 07.01.2012, 15:38

Eschweiler. Geboren wurde er im heutigen Eschweiler Stadtteil Hehlrath. Zu einer Zeit, als der Nachbarort Kinzweiler noch «feindliches Ausland war», wie er sagt. Heute hat er mit Kleinstaaterei nichts mehr am Hut.
Martin Schulz ist Europäer par excellence. Am 17. Januar wird er aller Voraussicht nach zum Präsidenten des Europaparlamentes gewählt. Am Samstag sprach er beim Neujahrsempfang im Eschweiler Ratssaal. Und stellte zunächst seiner Heimatstadt und deren Bürgermeister ein dickes Lob aus: Eschweiler sei zweifellos das Flaggschiff dieser Region.

«Ich fühle mich dieser Stadt sehr verbunden, unter anderem auch weil ich glaube, dass Eschweiler eine der erfolgreichsten Städte des Rheinlandes ist, sowie eine der schönsten und ganz sicher eine der dynamischsten Städte in dieser Region. Ich erlaube mir zu sagen, dass das sicher auch an dem Bürgermeister dieser Stadt liegt, von dem ich glaube, dass er diese Stadt enorm gut führt.»

Aber auch für Eschweiler gelte: Niemand ist eine Insel. Und deshalb gelte es auch in der Städteregion, nicht die jeweiligen Potentiale gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander zu kombinieren und sie zu einem Element der gegenseitigen Stärkung zu machen.

Einen Anspruch, den Schulz, seit fast acht Jahren Vorsitzender der SPD-Fraktion im Europäischen Parlament, auch an Europa stellt. So wie Entscheidungen in der Städteregion nicht gefällt werden dürften, ob sie im Interesse einer einzelnen Kommune liegen, so müsse auch in Europa das Miteinander größer denn je geschrieben werden.

Noch sei dies anders: «Wir erleben immer wieder, dass Staats- und Regierungschefs ihre Entscheidungen in Brüssel danach richten, wie diese zuhause ankommen, und nicht, ob sie im Interesse der Gesamtheit liegen.» Schulz sprach sich für Finanzmarktregelungen gegen «Casino-Kapitalismus» aus, der ermögliche, dass Wetten auf das Ende des Euro abgeschlossen und damit Milliarden verdient würden.

Denn anders als der US-Dollar sei der Euro eine stabile Währung. «Instabil sind nur die, die ihn managen.» Dennoch ziehe es Investoren verstärkt in die Dollarzone, weil dort trotz schwächerer Wirtschaft verlässlichere Rahmenbedingen zu finden seien. «Investoren erleben bei uns, dass ein Euro-Gipfeltreffen das andere jagt und das Verfallsdatum von Entscheidungen der nächste Vormittag ist. Das ist der Zeitpunkt, wenn die Regierungschefs wieder in ihren Hauptstädten ankommen.»

Europa, so Schulz, stehe am Scheidewege: «Wir müssen uns entscheiden, ob wir die europäische Einigung wollen und sie weiterentwickeln wollen, oder ob wir der Auffassung sind, dass der Vorrang nationalstaatlicher Lösungen der bessere Weg zur Bewältigung der Probleme in diesem Jahrhundert ist. Meine tiefe Überzeugung ist, dass der bessere Weg ist, die Kraft, die wir brauchen, aus der Gemeinschaft zu schöpfen.»

Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts heiße Umweltschutz. Und Dreck mache nun mal nicht vor Grenzen Halt.