Zwischen Sektlaune und Katerstimmung

Von: jb/ag/hes
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Abgehängt: Einen Tag nach der Wahl suchen auch die Liberalen in der Eifel nach Gründen für das schlechte Abschneiden der FDP. Benjamin Steinborn, Pressesprecher der Simmerather FDP, spricht von einem „Neuanfang, der schwerer nicht sein kann“. Foto: A. Gabbert
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Zählen bis vor Mitternacht: Auch in Simmerath sorgten die vielen Briefwähler für Überstunden im Wahlamt.

Nordeifel. Es drohte eine langweilige Wahl nach einem über lange Strecken langweiligen Wahlkampf zu werden. Dann aber wurde es doch noch ein spannender Wahlabend – wenn auch etwas anders als erwartet. Die Union schnupperte ein paar Minuten an der absoluten Mehrheit wie einst Schalke an der Meisterschale.

Bei der Alternative für Deutschland schwand erst nach 22 Uhr die Hoffnung auf den sensationellen Einzug ins Berliner Parlament, während bei der FDP schon um 18 Uhr sämtliche Gesichtszüge entglitten waren.

Derweil dümpelte die SPD „Mitte 20“ herum, und Grüne und Linke stritten um das zweifelhafte Vergnügen, wer wohl tiefer in den einstelligen Bereich rutscht.

Das Stimmungsbild im Bund zeichnete weitgehend auch der Eifeler Wähler – mal mehr, mal weniger: Satte Mehrheiten für die CDU, Abstürze der Liberalen, Stagnation bei der SPD, leichte bis mäßige Verluste für Grüne und Linke, und auch in Monschau, Roetgen und Simmerath aus dem Stand viele Stimmen für die AfD.

Die Lokalredaktion hat am „Tag danach“ in den politischen Lagern Stimmen gesammelt – zum Ausgang der Wahl auf Bundesebene und auch zum Votum der Eifeler Wähler. Von den örtlichen Vertretern der Partei Die Linke in Monschau war leider keine Stellungnahme zu erhalten; in Roetgen und Simmerath ist Die Linke nicht in den Räten vertreten.

Stimmen aus Monschau

Margareta Ritter, Bürgermeisterin, CDU: Die hohe Wahlbeteiligung ist ein gutes Zeichen für die Demokratie, ein starkes Ergebnis für unsere Kanzlerin Angela Merkel und die CDU und auch ein verdientes, tolles Ergebnis für unseren Bundestagsabgeordneten Helmut Brandt. Das Ergebnis in Monschau liegt im Bundestrend. Auch in Monschau haben Helmut Brandt und die CDU deutliche Gewinne erzielt.

Micha Kreitz, CDU-Fraktionsvorsitzender: Zu großen Teilen ist das tolle Ergebnis dem ungeheuren Vertrauen der Menschen in die Bundeskanzlerin und der sehr engagierten, kontinuierlichen Wahlkreisarbeit von Helmut Brandt zu verdanken.

Die deutlichen Gewinne, die wir in Monschau erzielt haben, führe ich auch auf einen veränderten Wahlkampf mit zahlreichen Zielgruppenveranstaltungen zurück. So werden wir auch mit sehr großem Optimismus in den Kommunalwahlkampf gehen.

Brigitte Olschewski, SPD-Vorsitzende: Wir als SPD hätten uns hier in Monschau wie auch auf Bundesebene mehr Stimmen gewünscht. Aber das gute CDU-Ergebnis respektieren wir, es zeigt, dass es in unserem Land vielen Menschen offenbar gut geht und sie keine Veranlassung sehen, etwas zu ändern. Die FDP ist mit ihrer Lobbyarbeit für die Wirtschaft abgestürzt, nicht glücklich bin ich mit den vielen Stimmen für die europakritische AfD.

Kurt Victor, FDP-Fraktionsvorsitzender: Das Monschauer FDP-Ergebnis hätte besser sein können, war aber noch das beste auf Städteregionsebene. Dass die FDP nicht die Fünf-Prozent-Hürde geschafft hat, liegt weniger an nicht gewonnenen Leihstimmen, sondern am Verlust von liberalen Stammwählern, die wohl offenbar die AfD gewählt haben.

Wir müssen nun schauen, dass sich das bei der Europawahl nicht wiederholt. Auf die Kommunalwahl wird das Ergebnis von Sonntag sich eher nicht auswirken, zumal die AfD da ja wohl noch nicht vertreten sein wird.

Werner Krickel, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen: Die Grünen haben eine deutliche Niederlage hinnehmen müssen. Dies ist natürlich durch die Kampagne, aber auch durch den starken medialen Gegenwind zu erklären, den die Grünen erhielten.

Tatsache ist, dass viele Rot-Grün-Wähler wieder zur SPD gegangen sind, um eine große Koalition zu stärken. Ich denke, wir haben wirklich nur noch unsere Stammwähler bekommen. Dass der Vorstand der Grünen jetzt angeboten hat zurückzutreten, denke ich, ist auch richtig. So kann ein Neuanfang ermöglicht werden.

Stimmen aus Simmerath

Karl-Heinz Hermanns, Bürgermeister, CDU: Ich denke es ist vor allem ein Erfolg für Angela Merkel. Aber ich freue mich auch besonders für Helmut Brandt, der mit 56,87 der Erststimmen sein bestes Ergebnis von allen Kommunen der Städteregion in Simmerath erzielte. Meine Arbeit als Bürgermeister vor Ort bleibt durch die Wahlergebnisse unverändert.

Bernd Goffart, CDU- Vorsitzender: Wir als CDU Simmerath sind sehr zufrieden mit der Bundestagswahl vor Ort. Und mit Helmut Brand haben wir einen erfahrenen Mann in Berlin. Angela Merkel ist einfach ein Glücksgriff, nicht nur für die CDU, sondern auch für ganz Deutschland. Mit ihrer grundsoliden Politik wird sie die Wähler überzeugt haben.

Benjamin Steinborn, FDP-Pressesprecher: Die FDP in Simmerath nimmt ihr Ergebnis von 5,8 vor Ort zu Kenntnis, kann aber natürlich nicht damit zufrieden sein. Da es in der Bundes-FDP einige innerparteilichen Turbulenzen gab und die Politik für die Bürger an zweiter Stelle gerutscht ist, mussten wir mit einen schlechten Ergebnis rechnen.

Mit diesem Ausgang der Bundestagswahl hat aber wohl keiner gerechnet und es bedeutet quasi ein „Neuanfang“, der schwerer nicht sein kann. Wir hätten uns gewünscht, weiter eine Partei für die Mitte im Bundestag zu haben und müssen nun alles dafür tun, dass es wieder so wird.

Gisela Kampshoff-Enderle, Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen: Ich bedauere sehr, dass wir mit unseren Themen nicht so landen konnten. Meine Befürchtung ist, dass der Klimawandel nun ins Stocken gerät. Denn unsere Themen, wie ökologische Landwirtschaft, was ja auch hier vor Ort sehr wichtig ist, sind nicht Themen der CDU. Ich befürchte, dass Fördermittel runter geschraubt werden.

Bettina Herlitzius hat hier viele Stimmen bekommen, und ich bedauere es sehr, dass sie es trotzdem nicht mehr in den Bundestag geschafft hat. Erfreulich ist aber, dass die Wahlbeteiligung hoch war, das politische Interesse also gestiegen ist.

Siegfried Peeters, SPD-Vorsitzender: Das Ergebnis war ja eigentlich mehr oder weniger zu erwarten. Dass es sich so klar darstellen würde, hätten wir aber nicht gedacht. Ich hätte mir allerdings jetzt schon fast gewünscht, dass die CDU die absolute Mehrheit bekommt, dann hätte die Partei zeigen müssen, wie sie Politik betreibt, ohne sich auf einen Koalitionspartner stützen zu können. Eine große Koalition wäre aus meiner Sicht mit das Schlimmste.

Stimmen aus Roetgen

Manfred Eis, Bürgermeister, SPD: Nach den letzten Umfragen habe ich ein wenig mit diesem Ausgang gerechnet, aber nicht in dieser Höhe. Dieses Bombenergebnis der CDU ist schon überraschend. Dass jetzt zwei Abgeordnete weniger die Städteregion in Berlin vertreten werden, bedeutet, dass sich die reduzierte Anzahl der Abgeordneten intensiver für die kommunale Familie einsetzen muss.

Von Helmut Brandt erwarte ich, dass er sich für eine Gemeindefinanzreform einsetzt. Der Anstoß dazu kann nur aus Berlin kommen.

Stephan Speitkamp, CDU-Vorsitzender: Wir sind hoch erfreut, dass Helmut Brandt in Roetgen gegenüber 2009 an Erststimmen zugelegt hat, und dass die CDU hier vor Ort auch bei den Zweitstimmen zugelegt hat.

Gerd Pagnia, Bündnis 90/ Die Grünen-Fraktionsvorsitzender: Die Grünen haben in Roetgen nicht so viel an Wählerstimmen verloren, trotzdem sind wir von dem Wahlergebnis gar nicht begeistert. Ich könnte mir vorstellen, das eine Kooperation mit der SPD nicht funktionieren wird, solange die SPD nicht bereit ist, mit den Linken zu kooperieren.

Zudem sollte man einen Partner finden, bei dem man seine Themen umsetzen kann, das ist bei der SPD nicht möglich. Dieser Partner könnte die CDU sein, auch wenn es nicht unbedingt der Sympathiepartner ist.

Helmut Mulorz, Vorsitzender SPD-Ortsverband: Enttäuscht bin ich, dass Steinbrück die Wahl nicht gewonnen hat. Schön ist, dass wir ein bisschen hinzu gewonnen haben. Schön ist aber auch, dass die FDP nicht mehr den Einfluss hat, den sie vorher hatte.

Das wird jetzt eine ganz spannende Sache: die Regierungsbildung und die Entwicklung in den Parteien – auch in der SPD. Jetzt gilt es, sich allmählich auf die Kommunalwahl vorzubereiten. Da gibt es keine Merkel auf der anderen Seite.

Dr. Georg Dittmer, Vorsitzender FDP-Ortsverband: Viel mehr hatte ich nicht erwartet. Der FDP ist es nicht gelungen, die Kombination von sozialer Gerechtigkeit und freier Marktwirtschaft darzustellen. Die soziale Komponente darf nicht vernachlässigt werden.

Auch in der Wirtschaft muss für Anständigkeit und Gerechtigkeit gesorgt sein. Mit Blick auf die Bankenkrise muss auch über Kontrollen geredet werden. Bei den kommenden Wahlen muss auch über solche Themen geredet werden, dann könnte man vielleicht wieder beim Wähler punkten.

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