Zwischen Mief, Kreativität und Mittelmäßigkeit

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
cartoon_bild
Haben sich mit dem Verhältnis von Stadt und Land auseinandergesetzt: Professor Bernd Mathieu (Chefredakteur dieser Zeitung/v.l.), Cartoonist Michael Kops und Dr. Nina Mika-Helfmeier, Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums in Monschau. Foto: Andreas Gabbert

Monschau. Zwei Dorf-Sheriffs (oder sind es Politiker?), die sich duellieren, weil die Kleinstadt zu eng für beide ist. Bergziegen, die über die städtischen Hochhausgipfel springen. Oder Kühe, die vor der Ampel auf grünes Licht warten, um auf die Weide zu traben - das sind nur drei künstlerische Antworten auf die Frage „Stadt = Metropole/Land = Provinz?”.

Gestellt hatten diese Frage der Kreis Aachen, das Kunst- und Kulturzentrum (KuK) in Monschau und der Zeitungsverlag Aachen als Veranstalter des inzwischen dritten internationalen Cartoon-Wettbewerbs. Geantwortet haben insgesamt 155 Künstler mit mehr als 460 Cartoons, von denen 60 seit Freitag im KuK präsentiert werden.

Von der Resonanz überwältigt

Da werden mal mehr, mal weniger ernsthaft kleine Geschichten erzählt. Einige regen zum Schmunzeln an, andere eher zum Nachdenken. Ihnen gemein ist, dass die Künstler aus Deutschland, aus China, aus den früheren Sowjetrepubliken, aus dem Iran und aus vielen Staaten mehr ihre subjektiven und qualitativ hochwertigen Antworten darauf geben, ob es verbindende Elemente zwischen der Stadt und den ländlich geprägten Gegenden gibt, oder ob die Klischees und Vorurteile von der modernen Metropole und dem eher langweiligen Leben auf dem Land stimmen. „Dass es ein Thema ist, das bewegt, zeigt die hohe Zahl der Teilnehmer”, ist KuK-Leiterin Dr. Nina Mika-Helfmeier von der Resonanz überwältigt.

Doch wodurch unterscheidet sich eine Metropole von einer eher ländlich geprägten Gegend überhaupt - etwa mit Blick auf die Städteregion? Ist Aachen eine Metropole und gehört Monschau dann zur Provinz? Die Grenze zwischen den Extremen zu ziehen, fällt nicht immer leicht. Eine Stadt kann eben durchaus provinziellen Charakter haben, und manches in Monschau würde auch einer Metropole gut stehen. Diese Gedanken griff Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur dieser Zeitung, auf, als er im KuK die Ausstellung eröffnete. „Mal sehen, ob uns die Ausstellung Hinweise gibt, die sozusagen als Grundmuster für Verhaltensweisen, Vorurteile, Erfahrungen und Mentalitäten dienen können. Ob sie uns zum Schmunzeln bringt, zum Nachdenken, ob sie uns vielleicht an- und sogar aufregt. Alles ist möglich.”

Einige Gemeinsamkeiten

Mathieu attestierte Metropolen und Provinz einige Gemeinsamkeiten: Mief gebe es in Aachen und in Baesweiler. Kreativität gebe es in Aachen und in Baesweiler Mittelmäßigkeit gebe es überall. Abschließend stellte er aber trotzdem fest: „Städte und Provinz ticken verschieden.” Schön sei es, wenn die Provinz nicht neidisch auf die Metropole schaue, sondern sich als wichtigen Teil einer Region fühle. Umgekehrt dürfe die Metropole nicht gierig auf die umliegende Provinz und ihre Filetstücke schauen. Sie müsse sich als verantwortungsbewusstes Oberzentrum empfinden - „führungsstark, aber eben nicht arrogant”, sagte Mathieu.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert