Monschau - Zwischen Kunst und Dokumentation: Fotografien von Berenice Abbott

Zwischen Kunst und Dokumentation: Fotografien von Berenice Abbott

Von: Andreas Gabbert
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Die Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion in Monschau, Dr. Nina Mika-Helfmeier, begrüßte die Gäste und gab den Besuchern wie hier dem allgemeinen Vertreter des Städteregionsrates, Axel Hartmann, Einblicke in das Werk der Künstlerin Berenice Abbott. Foto: A. Gabbert

Monschau. Die Veränderungen, die das Bild einer Stadt ausmachen, werden im Alltag oft nicht wahrgenommen. Offensichtlich werden sie aber, wenn man nach längerer Zeit an diesen Ort zurückkehrt. So erging es auch der Fotografin Berenice Abbott, als sie im Jahr 1929 aus Paris nach New York zurückkehrte.

Sie soll von den Veränderungen schockiert gewesen sein und begann, die Stadt zu fotografieren. So entstand die Fotoserie „Changing New York“, wovon Teile jetzt auch in der neuen Ausstellung des Kunst- und Kulturzentrums (KuK) der Städteregion mit dem Titel „Topographies“ in Monschau zu sehen sind.

Am Sonntag waren zahlreiche Besucher zur Eröffnung der Ausstellung erschienen, die sich dem Werk der US-amerikanischen Fotografin Berenice Abbott widmet. Begrüßt wurden die Gäste von der Leiterin des KuK, Dr. Nina Mika-Helfmeier, die die Bedeutung der Künstlerin für die Fotografie herausstellte. Abbott hatte mit ihren Arbeiten nämlich entscheidend dazu beigetragen, das Medium Fotografie aus dem Bezugsrahmen der Malerei zu befreien und als eigene Kunstform zu etablieren.

In den 1920er Jahren entdeckte sie in Paris die Fotografie als ihr Ausdrucksmittel und porträtierte prominente Zeitgenossen wie die Schriftsteller André Gide, Jean Cocteau und James Joyce. Im Gegensatz zu den experimentellen Techniken ihres Lehrers Man Ray, wie Verfremdung oder Doppelbelichtung, platzierte Abbott ihre Modelle vor schlichten Hintergründen und setzte zudem auf Natürlichkeit und Spontanität. Einige dieser Arbeiten sind ebenfalls im KuK zu sehen.

Abbott wurde in den Kreisen der Pariser und New Yorker Avantgarde als Vorkämpferin für den Kunstanspruch der Dokumentarfotografie bekannt. Der Spagat zwischen Kunst und Dokumentation ist charakteristisch für das vielfältige Gesamtwerk der Künstlerin, das sich über Porträt- und Architekturfotografie bis hin zu naturwissenschaftlichen Arbeiten erstreckt.

Dieser Spagat wird auch in der aktuellen Ausstellung deutlich. Beispielhaft seien hier ihre naturwissenschaftlichen Arbeiten genannt, in denen sie versuchte, das Unsichtbare zu dokumentieren. Die Aufnahmen visualisieren physikalische Phänomene wie Schwerkraft, kinetische Energie, Licht und Elektrizität. Trotz der Strenge, mit der sie naturwissenschaftliche Phänomene abbildet, wirken die Bilder ästhetisch und künstlerisch anspruchsvoll. „Die hier in der Ausstellung präsentierten ästhetischen Fotografien von schwingenden Pendeln, hüpfenden Bällen und Wellenmustern verleihen der physikalischen Wissenschaft eine verständliche Wirklichkeit, erklärte Dr. Nina Mika-Helfmeier.

Typisch für Abbotts Arbeiten sind die starken Kontraste, sowohl in der Tongebung als auch inhaltlich. Menschen kommen in ihren Aufnahmen nur selten vor. Ein Beispiel dafür ist eine Aufnahme aus der Serie „Changing New York“, auf der ein Waffengeschäft gleich neben einer Polizeiwache zu sehen ist. Ihre Schwarz-Weiß-Aufnahmen von New York sind eine Synthese aus den Einflüssen ihres Vorbildes Eugène Atget, der Bildsprache der Moderne und ihrer einfachen, nüchternen Ästhetik, durch die sie ein Porträt einer Metropole im Umbruch zeichnet.

Bevor die Ausstellung nach Monschau kam, war sie im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. Von Monschau aus wird sie über Madrid wieder zurück nach New York gelangen.

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