Aachen/Simmerath - „Zweitbeste Lösung” soll nun St. Brigida retten

„Zweitbeste Lösung” soll nun St. Brigida retten

Von: Udo Kals
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Der Kauf ist zunächst kein The
Der Kauf ist zunächst kein Thema: Die Zukunft des Simmerather St.-Brigida-Krankenhauses ist weiterhin ungewiss. Foto: Peter Stollenwerk

Aachen/Simmerath. Wie schnell sich die Zeiten dann doch ändern können: Gingen die 72 Abgeordneten des Städteregionstages noch bis zu ihren Fraktionssitzungen am Mittwochabend davon aus, am Folgetag über den Kauf des St.-Brigida-Krankenhauses zu entscheiden, waren die mehrmonatigen Verhandlungen der Städteregion mit den Maltesern quasi über Nacht Makulatur geworden.

Der Kauf des hoch defizitären Hauses, das auf eine neue Trägergesellschaft übertragen werden sollte, wurde von Städteregionsrat Helmut Etschenberg und den zuständigen Dezernenten Axel Hartmann und Günter Schabram auf einmal nicht mehr empfohlen.

Der Grund für diesen Schwenk ist in Köln zu suchen. Schon das von Joachim Kardinal Meisner geforderte Abtreibungsverbot ist für Politik und Verwaltung ein „absolutes K.o.-Kriterium”. Zudem hat sich diese Woche ein grundstücksrechtliches Problem aufgetan. Denn auch im Falle einer Insolvenz würde das Grundstück, auf dem das Krankenhaus steht, an die Zellitinnen zurückfallen. Diese hatten St. Brigida 1997 an die Malteser übergeben. Da das Mutterhaus der Zellitinnen in Köln steht, kann nur der dortige Erzbischof seine Zustimmung zum Verkauf geben. Folge: Wenn Kardinal Meisner von seinen Forderungen nicht abrückt, kommt nur ein katholischer Träger für das Haus in Betracht. Doch der ist nach Einschätzung der Verwaltungsspitze nirgends zu sehen.

So warben Etschenberg, Hartmann und Schabram am Mittwochabend bei allen Fraktionen als „zweitbeste Lösung” für das Modell eines sogenannten Geschäftsbesorgungsvertrags - mit Erfolg. Einstimmig sprach sich der Städteregionstag dafür aus. Wobei etwa FDP-Fraktionschef Georg Helg betonte, man sei „halb überzeugt und halb überredet” worden. Dennoch gilt: In einer emotionalen Debatte haben sich im Städteregionstag alle Fraktionen für den Erhalt des Krankenhauses ausgesprochen, jedoch auch signalisiert, dass die Hängepartie bald ein Ende haben muss. Scharf kritisiert wurden der Kölner Erzbischof und der Malteserorden als bisheriger Träger des Krankenhauses, dem Claus Brust (UWG) eine „unverantwortliche Taktik” und Grünen-Fraktionschef Werner Krickel „Spiegelfechterei” vorwarfen. Und neben dem Dank für die intensive Arbeit musste sich die Verwaltung den Vorwurf gefallen lassen, warum die grundstücksrechtlichen Fallstricke erst so spät entdeckt worden seien.

Wie dem auch sei: Jetzt sind die Malteser am Zug. Und Etschenberg betonte: „Mehr als diese Hand zu reichen, können wir im Moment nicht tun.” Sollten die Malteser, die am Donnerstagmorgen von dem neuen Modell überrascht wurden, zustimmen, soll das Geschäftsbesorgungsmodell unter Federführung des Medizinischen Zentrums der Städteregion in Würselen sowie mit dem Stolberger Bethlehem-Krankenhaus und perspektivisch mit weiteren regionalen Kliniken bald umgesetzt werden. Der Clou: Da die Malteser Eigentümer bleiben, kann das Modell ohne eine Änderung von Meisners Position umgesetzt werden - und die anderen Partner haben das Sagen.
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