Kesternich - „Zuhören und andere nicht schlechtreden“: Ortsvorsteher zieht Bilanz

„Zuhören und andere nicht schlechtreden“: Ortsvorsteher zieht Bilanz

Von: Peter Stollenwerk
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Als Ortsvorsteher hat Ulrich Offermann in Kesternich in 27 Jahren Spuren hinterlassen. Foto: P. Stollenwerk
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Sein Engagement würdigte in der Gemeinderatssitzung in Simmerath auch Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns.

Kesternich. „Entscheidungen zu treffen, kann man nicht üben“, sagt Ulrich Offermann. Der 68-Jährige muss es wissen. Seit mehr als 30 Jahren ist er ein Aktivposten in der Simmerather Kommunalpolitik und hat in dieser Richtung ausreichend Erfahrung gesammelt. Jetzt hat er entschieden, „dass für mich der Zeitpunkt gekommen ist, nicht mehr in der Verantwortung stehen zu wollen“.

Diese Entscheidung wolle er selbst. Nach 27-jähriger Tätigkeit als Ortsvorsteher für Kesternich legte er dieses Ehrenamt zum 12. Dezember nieder, nachdem er bereits zuvor die politischen Mitstreiter im CDU-Ortsverband Kesternich über seine Absichten informiert hatte. Als sachkundiger Bürger im Umwelt-, Forst- und Agrarausschuss bleibt er der Kommunalpolitik noch verbunden. Bereits vor zwei Jahren hatte er schon nicht mehr für den Gemeinderat kandidiert.

Als Ulrich Offermann 1989 zum Ortsvorsteher gewählt wurde, ließ die erste zu treffende Entscheidung nicht lange auf sich warten. Es ging damals um die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes. Damals gab es noch die kommunale Doppelspitze: Arnold Steins war Gemeindedirektor und Heinrich Karbig Bürgermeister. Der seinerzeit gewählte Gestaltungsvorschlag für den Platz stellt aus Sicht von Ulrich Offermann auch heute noch eine gute Lösung dar.

Andere Entscheidungsfindungen hatten für Kesternich noch weitaus größere Dimensionen; diese haben sein politisches Leben über viele Jahre begleitet und werden wohl auch noch seinen Nachfolger beschäftigen. Möglicherweise, sagt Ulrich Offermann, würden in der Nachbetrachtung „vielleicht einige Entscheidungen anders aussehen“.

Als die hoch emotional geführte Diskussion um die Schließung der Kesternicher Schule ihren Höhepunkt erreichte, war Ulrich Offermann schon nicht mehr Ratsmitglied. Dennoch bedauert er, dass die Schule bald nicht mehr im Dorf sein wird, aber die negative Entwicklung bei den Schülerzahlen wie auch den unzureichenden Gebäudezustand könne man eben nicht wegdiskutieren. Auch hier sei eine Entscheidung getroffen worden, die von der Faktenlage der Gegenwart bestimmt gewesen sei.

Grundsätzlich orientierte sich Ulrich Offermann bei allen Entscheidungen, die sein Heimatdorf betrafen, stets an der Frage: „Wem bringt das etwas?“

Diese Frage wurde sicherlich mehr als einmal hin und her gewälzt bei einem ganz großen Kesternicher Thema, der Umgehungsstraße für den Ort. Auch heute noch prallen Gegner und Befürworter hart aufeinander, wobei für Ulrich Offermann das Projekt schon längst nicht mehr auf der Tagesordnung steht. Die Entscheidungsträger bei den zuständigen Behörden hätten die Umsetzung als nicht realistisch eingestuft, auch wenn verschiedentlich Hoffnungen geweckt worden seien. Die an Spitzentagen gezählten 8400 Fahrzeuge würden die Verkehrsplaner nicht wirklich auf den Plan rufen, weiß Offermann, übrigens selbst Anlieger der viel befahrenen Bundesstraße.

Was ihn bei der Auseinandersetzung über die Umgehungsstraße aber wirklich traurig gestimmt habe, sei die Tatsache, dass die Meinungsverschiedenheiten teilweise dazu geführt hätten, dass Freundschaften und Familienbeziehungen zerstört worden seien. „Ich hoffe, dass sich diese Situation beim Thema Grundschule nicht wiederholt.“

Mitten in der Planungsphase befindet sich ein großes Zukunftsprojekt für Kesternich, der Neubau des Sport- und Kulturzentrums Auf der Höhe mit Kunstrasenplatz, Sporthalle und Vereinshaus. Als ehemaliger Vorsitzender der Dorfgemeinschaftshaus GmbH war Ulrich Offermann zehn Jahre lang eine treibende Kraft dieses „sehr zeitintensiven Projekts“. Nach langen Verhandlungen und Abwägungen hoffe er nun, „dass die Umsetzung näher rückt“.

Die Entscheidung, sich von der politischen Gestaltungsebene zurückzuziehen, reifte bei Ulrich Offermann bereits vor zwei Jahren, vor allem auch ausgelöst durch einen schweren persönlichen Schicksalsschlag, der seinen Blick auf das Leben und ihn als Mensch verändert habe.

Als Ansprechpartner, vor allem für seinen Nachfolger Sascha Schmitz, will Ulrich Offermann auch in Zukunft ein offenes Ohr haben. „Ich helfe auch weiterhin gerne“, sagt er.

Als neuer Kesternicher Ortsvorsteher ist Sascha Schmitz in dieser Woche einstimmig vom Gemeinderat gewählt worden.

Zuvor hatte Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns die Gelegenheit genutzt, um im Kreise der Ratskollegen die politische Lebensleistung von Ulrich Offermann zu würdigen: „Er hielt keine großen Reden, aber wenn er etwas sagte, hatte das Gewicht.“ Hermanns bezeichnete den langjährigen Kesternicher Ortsvorsteher als einen „Großen“, der nun die Simmerather Kommunalpolitik verlasse. Menschen wie Ulrich Offermann, die sich uneigennützig engagierten und bereit seien, im Hintergrund zu arbeiten, seien für die Allgemeinheit unverzichtbar.

Nachdem die Simmerather Volksvertretung mit stehenden Ovationen die Würdigung lautstark unterstützt hatte, blieb Ulrich Offermann seiner bescheidenen Linie treu: Er bedankte sich für die stets gute und faire Zusammenarbeit sowohl mit den Ratskollegen wie auch mit der Gemeindeverwaltung. Offermann: „Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht.“

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