Aachen - Zu wenige Hausärzte für Heime?

Zu wenige Hausärzte für Heime?

Von: Jutta Geese
Letzte Aktualisierung:
altenheim-bu
Zwischen Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit: Alltag im Seniorenzentrum Am Haarbach in Aachen-Haaren. Foto: Markus Schuldt

Aachen. Altenheimleiter schlagen Alarm: Die hausärztliche Versorgung in vielen der 36 Einrichtungen im früheren Kreisgebiet mit insgesamt rund 3000 Bewohnern wird immer schwieriger.

Die beiden Ombudsmänner für Senioren in der Städteregion, Werner Wolff und Simon Robert, haben sich dieser Problematik vor einigen Wochen angenommen und zusammen mit dem Gesundheitsamt der Städteregion Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen aufgenommen. Ein erstes Treffen hat inzwischen stattgefunden, ein weiteres ist für Mitte Juli terminiert.

Einfach wird es nicht werden, eine Lösung zu finden, meint Günter Schabram, der unter anderem für die Altenarbeit zuständige Dezernent der Städteregion. Er betont zugleich: „In einigen Häusern funktioniert die hausärztliche Versorgung hervorragend. In anderen aber nicht.” Vor allem am Wochenende, aber auch abends und an Feiertagen, gebe es vielerorts Engpässe. Die Folgen beschreibt Schabram so: „Die Pflegekräfte können und dürfen keine medizinische Versorgung leisten. Wenn aber an Wochenenden kein Hausarzt in die Einrichtung kommt, wird der Notarzt gerufen. Oft weist der den betreffenden Patienten dann ins Krankenhaus ein, und von dort kommt er dann nach zwei, drei Tagen wieder zurück.”

Viele solcher Kurzeinweisungen, die für die alten Menschen sehr belastend und zudem für die Kassen teuer seien, ließen sich durch ein besseres Hausarztsystem vermeiden, ist Schabram überzeugt. Er sei „dankbar, dass die beiden Ombudsmänner dieses Thema aufgegriffen haben”. Gefordert aber sei die Kassenärztliche Vereinigung (KV), sagt auch Simon Robert: „Es gibt ja gute Gründe, weshalb Ärzte keine oder nur wenige Hausbesuche machen. Und die liegen in der Honorierung.” Sprich: Hausbesuche werden so gering vergütet, dass sie sich wirtschaftlich nicht rechnen. „In anderen Bundesländern ist die Honorierung deutlich besser, deshalb ist die KV am Zuge”, sagt Schabram mit Blick auf die Verteilung des Gesamtbudgets im Gesundheitsbereich. „Das muss man eigentlich grundsätzlich angehen: Wir müssen weg von der Apparatemedizin, hin zu einer dem Menschen zugewandten Medizin.”

Als „Schritt in die richtige Richtung” bezeichnet Simon Robert ein Modell der AOK Rheinland/Hamburg, das in der Kölner Region getestet und möglicherweise auf die Städteregion übertragen wird. Es sieht gesonderte Vergütungen für die hausärztliche Versorgung von Heimbewohnern außerhalb von Sprechzeiten sowohl für den Bereitschaftsdienst als auch für erforderliche Hausbesuche vor. Rund um die Heime müssen dann Netzwerke von Ärzten gebildet werden, die sich die Dienste teilen.

Schwierigkeiten gibt es jedoch nicht nur beim Thema Hausbesuche in Altenheimen, sagt Simon Robert, sondern auch beim Thema Wartezeiten bei Fachärzten. Aus den Heimen höre er Klagen, dass die alten Menschen trotz vorher vereinbarten Termins häufig ein, zwei Stunden warten müssten. „Das ist für die Heime problematisch, weil die Leute, häufig sind es ja auch Demenzkranke, begleitet werden müssen.” Das koste Arbeitszeit und damit Geld. Auch das wollen Simon Robert und sein Ombudsmannkollege Werner Wolff beim nächsten Treffen mit der KV ansprechen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert