Zollmuseum kämpft um seine Existenz

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
3000 Dokumente, Bilder und Obj
3000 Dokumente, Bilder und Objekte aus den Hochtagen der Zollgeschichte - wie dieses Modelldes ehemaligen Grenzübergangs Lichtenbusch - werden in Horbach präsentiert: Franz Lohmeyer (rechts) und Kurt Cremer bangen jetzt aber um die Existenz des Hauses. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Nach ihren Vorsätzen fürs neue Jahr braucht man die emsigen Senioren Kurt Cremer und Franz Lohmeyer dieser Tage nicht zu fragen - schon gar nicht nach dem schönsten Geschenk, dass Lohmeyer sich zum Geburtstag denken kann.

Der pensionierte Pädagoge feiert am Mittwoch seinen 80. Geburtstag. „Wir sind entschlossen, dieses Haus unter allen Umständen zu erhalten”, sagt Cremer. Denn einmal mehr kämpft das Zollmuseum am ehemaligen Grenzübergang Locht um seine Existenz. Natürlich gehts dabei um Geld - allerdings ist die Summe, welche die Freunde und Förderer der rund 3000 Exponate umfassenden Dokumentation an der Horbacher Straße 497 zum Erhalt der bundesweit einmaligen Sammlung aufbringen müssten, weit weniger spektakulär als die zahlreichen Geschichten, die sich um die faszinierende Vielzahl der Objekte aus den Zeiten der Schlagbäume ranken.

„Letztlich”, erklärt Cremer, „müssten wir 14.000 Euro aufbringen, um die Zukunft des Museums zu sichern. Im September haben wir deshalb den Oberbürgermeister um Hilfe gebeten - leider ohne Erfolg.” Mitte Dezember beschied der Leiter des städtischen Kulturbetriebs, Olaf Müller, dem 71-jährigen Zolloberamtsrat a.D. in einem knappen Schreiben, dass die Stadt sich „aufgrund der Haushaltslage” nicht im Stande sehe, in die Bresche zu springen - und weist im Übrigen darauf hin, dass die rechtliche Grundlage für einen eventuellen Erwerb eines Teils der Sammlung unklar sei. Bereits Ende November hatte Cremer sich zudem schriftlich an alle Ratsfraktionen gewandt. Seine Bitte, ein weiteres Engagement der Stadt zu prüfen, blieb allseits unbeantwortet.

Schwierige Rechtslage

In der Tat ist das Geflecht der Eigentumsverhältnisse einigermaßen kompliziert. Cremer und Franz Lohmeyer, der die Sammlung im Auftrag der Heimatfreunde des Heydener Ländchens betreut, sind aber überzeugt, dass sich das Problem ohne größere Schwierigkeiten lösen ließe. Zurzeit ist die Sammlung im Besitz des Bundes sowie einer engen ehemaligen Vertrauten des 1996 gestorbenen früheren Leiters des Hauptzollamtes Aachen-Nord, Christian Friedrichs, der die Dokumentation über Jahrzehnte hinweg zusammengetragen hat. Friedrichs setzte diese Frau als Alleinerbin ein. Allerdings haben seine drei Kinder als Pflichterben Anspruch auf 50 Prozent der Bestände. Und nun wollen Letztere ihren Anteil in bar geltend machen. Cremer beauftragte den gerichtlich vereidigten Sachverständigen Felix Schäfer, der sich bereit erklärte, die Dokumentation ohne ein Honorar zu taxieren.

Nach dessen Einschätzung beläuft sich der pekuniäre Wert der Exponate auf insgesamt 60.000 Euro. Die Erben hätten also Anspruch auf 30.000 Euro. Schäfer erstellte eine Liste von rund 60 Exponaten, die verzichtbar wären, und gab deren Verkaufswert mit gut 16.000 Euro an. Nun plagen Cremer und seinen Mitstreiter Lohmeyer indes zwei Probleme: 14.000 Euro müssten irgendwie noch „locker” gemacht werden. Und: Besagte Alleinerbin müsste in die Verkaufsverhandlungen einbezogen werden. Doch dies ist bis auf weiteres nicht möglich, weil die ältere Dame sich aufgrund einer schweren Erkrankung zurzeit nicht äußern kann. „Wir haben die Sachlage in Rücksprache mit dem Rechtsamt geprüft und auch mit den Heimatfreunden gesprochen”, erklärt Irit Tirtey, stellvertretende Leiterin des Kulturbetriebs. „Leider ist die Situation zurzeit jedoch juristisch unklar, so dass uns die Hände gebunden sind.” Cremer betont nun aber, dass besagte Alleinerbin inzwischen ihrem Sohn die Vollmacht erteilt habe, etwaige Verkaufsgespräche zu führen. Einen entsprechenden Beleg könne dieser in Kürze beibringen.

Hoffnung auf Sponsoren

„Selbstverständlich hat auch die Stadt großes Interesse, das Haus zu erhalten”, bekräftigt Tirtey. „Sollte die Rechtslage geklärt sein, würde die Verwaltung sicher auch den Kulturausschuss des Rates bitten, über ein weiteres Engagement zu entscheiden.” Schließlich habe die Stadt das Haus bereits 1998 vom Bund erworben, um einen Fortbestand sicherzustellen. Und übernehme seither sämtliche Betriebskosten für das Objekt. Die sind laut Tirtey indes überschaubar: Da die Sammlung nur zwei Mal monatlich geöffnet ist und ansonsten nur nach Absprache Führungen angeboten werden, gehe es da letztlich „nicht um große Summen”.

Umso entscheidener hoffen die Heimatfreunde jetzt darauf, dass ein Weg gefunden wird, den Kernbestand zu sichern - natürlich fahnden sie seit längerem auch nach privaten Sponsoren, bislang allerdings ohne greifbares Ergebnis, wie Cremer betont. „Letztlich zählen wir immerhin 2000 Besucher pro Jahr”, bilanziert Cremer. „Und die sind fast immer völlig begeistert, wenn sie sehen, welche Schätze wir hier beherbergen.” Kurzum: „Es wäre doch eine Schande, wenn die weitere Existenz dieser einmaligen Sammlung an einem so geringen Geldbetrag scheitern würde. Denn nur wer die Geschichte kennt, kann die Zukunft meistern.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert