Zoe Liedtke ist jetzt eine „Lady in Black“

Von: Heiner Schepp
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Zoe Liedtke liegt das Volleyballspielen und sogar die Position(en) zweifellos im Blut: Mama Simone spielt zeitlebens Außenannahme und manchmal diagonal, Papa Frank Liedtke ebenso, und auch Zoe liegt „mangels Körpergröße“ diese Rolle am meisten. Foto: H. Schepp
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Beim offiziellen Mannschaftsfoto für die Bundesliga-Saison 2015/16 war Zoe (sitzend, ganz links) natürlich auch schon mit von der Partie. Foto: A. Steindl

Monschau/Aachen. Es ist noch gar nicht so lange her, da saß Zoe Liedtke zusammen mit ihren Freundinnen der Volleyballabteilung von TuRa Monschau auf der Tribüne des Hexenkessels an der Neuköllner Straße in Aachen und feuerte temperamentvoll die „Ladies in Black“ an.

Wenn alles gut läuft, dann wird die 16-Jährige schon bald selbst unten auf dem Parkett stehen und Teil der Aachener Bundesligamannschaft sein. Denn seit Sommer gehört die Schülerin aus Monschau offiziell zum zwölfköpfigen Kader der ersten Frauen-Volleyballmannschaft des PTSV Aachen, besser bekannt als die „Ladies in Black“.

Mit vier Jahren hat Zoe ihre Karriere begonnen – in der Bambinifußballmannschaft und der Tanzgruppe von TuRa Monschau. Natürlich war sie auch damals schon dabei, wenn Mama Volleyball spielte oder Papa coachte – selbst baggern und pritschen aber durfte sie damals nur beim Training und schließlich mit acht Lenzen in der Juniorinnenmannschaft. Mit 12 Jahren machte das wohl größte Talent, das die Volleyballabteilung der TuRa je hervorgebracht hat, dann ihre erste Angabe für die zweite Monschauer Damenmannschaft, mit Lenzen für die Erste.

Heute mag es Zoe, die im Juni ihren Abschluss an der Mädchenrealschule Sankt Ursula in Monschau gemacht und im August an der Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen eine Ausbildung begonnen hat, noch vorkommen wie ein langer intensiver Traum. 2013 hatte das 1,77 Meter große Mädchen mit den Mannschaftskameradinnen von Tura Monschau noch das „Spiel Deines Lebens“ gegen die „Ladies in Black“ gewonnen und einen tollen Nachmittag mit Karolina Bednarova & Co. erlebt.

Anschließend war sie in die Jugend des PTSV Aachen gewechselt und wenig später dank der guten Kontakte von Papa Frank Liedtke zur damaligen SG-Trainerin Judith Pelzer zur Zweitligamannschaft der SG Sportfreunde 69 Marmagen-Nettersheim, wo Zoe Spielpraxis zu sammeln konnte. Obwohl die Eifelerinnen sportlich in der zweithöchsten Klasse durchaus mithielten, beendete der Club das Experiment Liga zwei nach einem Jahr wieder – die Mannschaft ging freiwillig zurück in die dritte Liga.

Zoe Liedtke hatte dennoch viel wertvolle Erfahrung in der Truppe gesammelt und war auch in einem Zweitligaspiel der SG letztlich in den Fokus des Aachener Bundesligavereins gerückt: „Es war ein Heimspiel in Mechernich und ich wusste, dass jemand aus Aachen auf der Tribüne saß“, erzählt Zoe.

Deshalb sei sie so aufgeregt gewesen, dass ihr an diesem Tag kein Ball gelang. „Ich glaube, das war mein schlechtestes Spiel aller Zeiten, ich wurde sogar ausgewechselt, weil ich so grottig war“, kann die 16-jährige heute über ihre „Entdeckung“ lachen, wurde sie doch wenige Tage später trotzdem zu einem Gespräch nach Aachen eingeladen. Es folgten für Zoe und vier weitere Talente Trainingseinheiten mit „Ladies“-Co-Trainer Manuel Hartmann, bei denen sich der gute Eindruck von dem Talent aus Monschau erhärtete – bis die 16-Jährige schließlich die unfassbare Nachricht bekam: Du bist dabei, Du gehörst zum zwölfköpfigen Bundesligakader der „Ladies in Black“ für die Saison 2015/16!

Ob und wie viel das Talent nun in Bundesligaspielen zum Einsatz kommen wird, steht noch in den Sternen – Spielpraxis auf hohem Niveau kann Zoe Liedtke dennoch sammeln, denn auch weiterhin gehört sie der Drittligamannschaft in Marmagen-Nettersheim an. „Im Volleyball ist das möglich, mit Zweitspielrecht in zwei Vereinen zu spielen“, erläutert Zoes Mutter Simone Liedtke. die gemeinsam mit ihrem ebenso volleyball-verrückten und -kompetenten Ehemann Frank die Entwicklung der Tochter ohne Wenn und Aber fördert und begleitet. Kurios auch: Alle drei – Vater, Mutter, Tochter – spielen exakt die gleiche Position: Außenannahme und ab und zu diagonal... „Das liegt wohl an unserer fehlenden Körpergröße“, sagt Simone Liedtke lachend.

Auch durch das Zweitspielrecht ist der Aufwand für ihre 16-jährige Tochter enorm. Montags, mittwochs und freitags trainiert Zoe mit der Aachener Bundesligamannschaft, zusätzlich einmal die Woche bei der SG 69, und montags in zwei Freistunden der Schule sowie donnerstags nach dem Unterricht wird im Aachener World of Fitness (WOF) Kraftausdauer trainiert. Hinzu kommen vereinsseitig vorgeschriebene Termine beim Physiotherapeuten sowie Trainings- und Pflichtspiele meist am Wochenende. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Taxi Mama/Papa wird all das geschultert. Und nach der Schule geht sie häufig zu ihren Mannschaftskolleginnen Lene (Scheuchner) und Juliane (Langgemach) und verbringt mit diesen die Zeit bis zum Training.

„Auch der Körper spielt mit“, berichtet die junge Frau, dass sie die enorme Belastung bislang gut wegsteckt. Wichtig ist ihr auch, dass die Käthe-Kollwitz-Schule ihren hohen Einsatz mitträgt, „die Schulleitung ist sehr kooperativ“, erzählen Zoe und Simone Liedtke.

Zwei Spiele hat Zoe Liedtke in der noch jungen Saison nun schon mit der SG 69 in der dritten Liga bestritten – und zweimal gewonnen. Die „Ladies in Black“ aber starten erst am 20. Oktober in Berlin in die Saison, am 24. Oktober folgt die erste Heimpartie gegen die Roten Raben Vilsbiburg. Da Zoe dann zeitgleich mit der SG unterwegs ist, wird sie dann leider nicht dabei sein können.

Ohnehin gibt sich die 16-Jährige überaus bescheiden, was Bundesligaspiele mit den „Ladies“ betrifft: „Ich bin froh, mit dieser tollen Mannschaft trainieren und etwas lernen zu dürfen. Ich rechne mal nicht damit, dass es diese Saison schon zu einem Einsatz reichen wird“, sagt sie. Gleichwohl hat die mit 16 Jahren jüngste Spielerin des Kaders die Aussicht bekommen, bei einem Heimspiel eingesetzt zu werden, vor allem dann, wenn die personelle Situation es erfordert.

„Abwarten“, sagt Zoe Liedtke, die immerhin 13 der 14 Vorbereitungsspiele mitgemacht hat und in dieser Woche gemeinsam mit Nationalspielerin Laura Weihenmaier, die nach der Europameisterschaft später ins Training eingestiegen ist, auf dem Trainingsparkett zu stehen. Wenn man ihr das vor zwei Jaren erzählt hätte...

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