Zirkus-Vorführung mit Hindernissen

Von: Katharina Isabel Franke
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Keine glücklichen Erinnerungen an das Gastspiel in Simmerath: Ludwig Neigert und die kleine Akrobatin Kimberly hoffen jetzt auf Einnahmen bei den Zusatzvorstellungen am Wochenende. Foto: Katharina Isabel Franke

Simmerath. Überhaupt nicht Plan verlief das Gastspiel des Familienzirkus Amany in Simmerath: Zuerst bremste ein fehlendes TÜV-Siegel für das Zirkuszelt die erste Vorstellung, dann gab es am Donnerstagvormittag erneut ein wenig erfreuliches Zusammentreffen mit der Behörde.

Wegen des Ausfalls der ersten Vorstellung wird an diesem Wochenende der Zirkus Amany drei Zusatz- Veranstaltungen geben. Die Familie Neigert erhofft sich „ein volles Zelt und das die Leute, die schon da waren, ihre Begeisterung weitergegeben haben“.

Nach diesen Vorfällen steht für Familie Neigert und ihren „Circus Amany“ noch nicht 100-prozentig fest, ob sie im nächsten Sommer wiederkommen werden.

Holger Benend, Pressesprecher der Städteregion Aachen, sieht das Problem um das Zirkuszelt inzwischen als gelöst an. Die fehlende Ausführungsgenehmigung sei bei einer zweiten Begutachtung des Bauamts am Donnerstag nachgereicht worden.

Nicht nur das nun fehlende Geld bereitet der Familie nun Sorgen. Auf rund 2000 Euro schätzt Regina Neigert den bisherigen Gesamtverlust des Simmerather Gastspiels.

Familie Neigert aus Bitburg, deren Enkelkinder die siebte Generation des Zirkusbetriebs bilden, locken bereits seit vielen Jahren die kleinen wie auch die großen Leute mit Tier-Nummern, aber auch Akrobatik und Feuerschluckern in die Manege.

Der Alltag einer Zirkusfamilie läuft fast so normal ab wie der einer Familie mit festem Wohnsitz. Früh aufstehen gehört zur Tagesordnung die Tiere werden gepflegt und gefüttert und auch das normale Familienleben läuft so ab wie in jeder anderen Familie auch.

Die Kinder bekommen zweimal in der Woche Besuch vom „Zirkuslehrer“, ein extra ausgebildeter Lehrer und Angestellter der evangelischen Zirkusschulen. Hausaufgaben gibt es auch, die müssen erledigt werden – all das noch neben den Aufführungen, bei denen auch schon die Kinder eingebunden sind.

Kimberly, die die vierte Klasse besucht, macht bereits Luftakrobatik. Sie kann aber auch noch auf dem Seil tanzen und Bodenakrobatik turnen. Miguel, ist der kleinste im Familienbetrieb. Er macht im Lasso-Drehen eine gute Figur, und unter besonderer Aufsicht der Erwachsenen macht er manchmal sogar schon den Messerwerfer im Circus Amany.

Das idyllische Bild der Zirkus-Familien hat aber auch negative Seiten. Kaum jemand weiß etwas von dem „harten Kampf, die Leute überhaupt ins Zirkuszelt zu locken.“, erzählt Regina Neigert. Internet, Handy und Fernsehen hätten den Leuten das Abenteuer Zirkus genommen. Die Familien, die aber mit dieser Arbeit ihr Geld verdienten, hätten es weitaus schwerer als die mit einem festen Lebensstruktur. ,,Die haben ihr Geld immer auf dem Konto,“ ergänzt Zirkuschef Ludwig Neigert.

Die Einnahmen variieren von Monat zu Monat stark. Jede einzelne Vorstellung bringt Geld in die Kassen der Familien. Fallen diese einmal aus, fehlt direkt Geld, was man in den meisten Fällen auch nicht mehr ausgleichen kann.

Bevor auch nur ein Zuschauer das Zelt betreten hat, hat Familie Neigert schon 800 Euro investiert: Sprit, Futter für die Tiere, Lebensmittel, Werbung und diverse Reparaturen sind mehrmals im Monat zu zahlen. Die mittlerweile 12-köpfige Familie ist somit auf so viele Auftritte wie möglich angewiesen.

,,Kleine Zirkusse haben es schwer, extrem schwer,“ bemerkt Ludwig Neigert. Was erschwerend hinzukommt, ist das enorme Platzproblem. Da man immer weniger Plätze finde, auf denen das Zirkuszelt für mehrere Tage stehen könne, gäben somit mit der Zeit immer mehr Zirkusbetriebe ihre Arbeit auf. Sie selbst kennen diese Angst auch. Wenn sie tatsächlich aufhören würden, würde dies aber 20 Menschen in die Arbeitslosigkeit bringen.

Die Neigerts sind dankbar, dass es zunächst einmal weitergeht: Pfarrer Köhne dem Zirkus einen Platz in Roetgen für das Gastspiel in der nächste Woche zur angeboten. Von Roetgen geht es dann weiter nach Aachen-Brand, dann zum Donnerberg.

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